Brückenspringen: Nicht nur lebensgefährlich, sondern auch illegal

mlzRhein-Herne-Kanal

In NRW hat es 2020 bereits 79 Badetote gegeben. Neben dem Schwimmen im Kanal ist auch das Brückenspringen lebensgefährlich. Auch in Castrop-Rauxel am Rhein-Herne-Kanal wird gesprungen.

von Inka Hermanski

Castrop-Rauxel

, 23.08.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Aufgrund der Corona-Schutzmaßnahmen sind in diesem Sommer in den Freibädern nur begrenzte Besucherzahlen zugelassen. An den heißen Tagen sind diese schnell ausgelastet und Castrop-Rauxler suchen sich Alternativen, um ins kalte Nass springen zu können.

„An einem Freitagabend sind wir rausgefahren und haben knapp 400 Schwimmer am Kanal gesehen“, berichtet Thomas Königsbüscher, Vorsitzender der DLRG-Kreisgruppe Castrop-Rauxel.

Schwimmen im Kanal ist verboten, wird aber geduldet

Schwimmen sei im Kanal aber besonders gefährlich und außerdem nicht erlaubt sagt Thomas Königsbüscher: „Im Kanal entstehen Strömungen, die so nicht auf den ersten Blick zu sehen sind, gegen die jedoch auch erfahrene Schwimmer keine Chance haben.“

Noch viel gefährlicher sei jedoch das gerade bei Jugendlichen sehr beliebte „Brückenspringen“. Im Verlauf des Rhein-Herne Kanals gibt es im Raum Castrop-Rauxel viele Brücken, die als Sprungtürme zweckentfremdet werden. „Insbesondere die Schemhoff-Brücke sowie die Brücke am Westring werden im Sommer zum Springen genutzt“, bestätigt der Vorsitzende des DLRG.

„Das ist jugendlicher Leichtsinn“

„Das ist jugendlicher Leichtsinn“, sagt ein Anwohner, der immer wieder junge Menschen beobachtet, die von der Schemhoff-Brücke am Rhein-Herne-Kanal springen: „Aber wenn dann was passiert, werden die ihres Lebens nicht mehr glücklich.“ Bis zu zweimal am Tag würde daher die Wasserschutzpolizei vorbei fahren und Abmahnungen an die übermütigen Springer aussprechen. Auch das Ordnungsamt käme ab und an vorbei, um die Situation zu kontrollieren.

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Detlef Kowallek von der Wasserschutzpolizei Duisburg, die auch für die Gewässer in Castrop-Rauxel zuständig ist, bestätigt dies: „Das Springen von Brücken in den Kanal ist eine Ordnungswidrigkeit. Gefährdet der Springer sich selbst oder andere, kann es auch zu einer Strafanzeige kommen“. Er und seine Kollegen würden momentan viel Betrieb an den Kanälen wahrnehmen, daher fänden auf den Kanälen regelmäßige Streifenfahrten statt.

Jugendliche unterschätzen die Gefahr

Den Jugendlichen selbst, die am Rande des Kanals sitzen, scheint Brückenspringen völlig fremd: „Wir kennen niemanden, der das macht, haben wir auch noch nie gesehen“, lautet die Antwort nach einem kurzen Blick-Austausch untereinander und einem versteckten Lachen.

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An der Brücke, die die Straße Westring über den Kanal führt, treffen wir dann aber doch auf eine Gruppe junger Männern, die sich dazu bekennen, selbst „Brückenspringer“ zu sein. „Im letzten Jahr bin ich hier auch noch nicht gesprungen“, sagt der 19-jährige Nicklas W. „aber dann habe ich die anderen beobachtet und da ist ja auch immer alles gut gegangen, also dachte ich mir probiere ich es auch mal. Der Reiz ist schon ein ganz anderer als im Freibad.“

Treibende Gegenstände können zur Lebensgefahr werden

Die Jungs treffen jedoch ganz eigene Sicherheitsvorkehrungen: „Ich würde ja nie springen, wenn ich allein am Kanal bin. Wir schauen schon immer, dass einer draußen bleibt und guckt, dass alles okay ist oder im Notfall auch Hilfe holen kann“, erklärt der 18-Jährige Luca O..

Sie hielten die Gefahr an dieser Brücke auch für recht gering, denn „wenn die großen Schiffe hier fahren können, ohne an irgendwelchen spitzen Gegenständen hängen zu bleiben, sollten wir hier ja auch problemlos ins Wasser springen können.“

Doch Thomas Königsbüscher warnt, auch treibende Gegenstände können zur Gefahr werden: „Die Menschen müssen sich über das Risiko bewusst werden. Eine Brücke über dem Kanal ist nun mal kein Sprungturm im Freibad. Man sieht nicht bis auf den Grund und weiß nicht, ob nicht gerade in diesem Moment ein Ast unter Wasser treibt. Der kann gravierende Verletzungen hervorrufen und im schlimmsten Fall lebensgefährlich werden.“