Bürgerbeschwerden: Gibt es den direkten Weg zum Bürgermeister im Internet?

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Bürgerbüro, Standesamt, Bauamt - wo die Stadtverwaltung als Servicestelle auftritt, wird Castrop-Rauxel oft kritisiert. Aber es gibt auch Positives: ein Beispiel, aus dem man lernen kann.

Castrop-Rauxel

, 08.08.2019, 16:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Immer wieder wird Kritik an der Castrop-Rauxeler Stadtverwaltung im Rathaus laut. Seien es lange Wartezeiten auf Termine oder im Bürgerbüro selbst; seien es fehlende Ansprechpartner im Standesamt oder unfreundliche Mitarbeiter hinter Bürotüren.

Die Stadtverwaltung kämpft und argumentiert dann stets mit sinkenden Mitarbeiterzahlen, weil Stellen eingespart werden mussten, mit einem höheren Krankenstand, mit langen Einarbeitungszeiten neuer Mitarbeiter.

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Ein Fall, der als Positiv-Beispiel taugt

Doch bei all dem Ärger gibt es immer wieder auch Positiv-Beispiele. Von einem solchen hat uns eine Merklinderin erzählt. Ihr Fall geht so:

„Als Bürgerin vom Merklinder Dorf hatte ich ein persönliches Stadtteilanliegen. Unser Bürgermeister ist ja immer aktiv auf Facebook. Deswegen habe ich einfach diesen Kanal genutzt und ihn über den Facebook-Messenger angetextet“, schildert die Mutter zweier Kinder im Gespräch mit unserer Redaktion. Ob das was bringt?

„Am Tag danach hatte ich eine Nachricht zurück – mit dem Angebot eines Rückrufs. Ich habe meine Handynummer zurückgeschickt, am Tag drauf meldete sich das Büro des Bürgermeisters. Einen Tag später habe ich mit Rajko Kravanja zu meinem Anliegen telefoniert.“

„Ich fühlte mich bestens erhört“

Ja, sagt sie, sie kenne den Bürgermeister aus früheren Zeiten noch persönlich. „Trotzdem: Ich fühlte ich mich bestens erhört. Mit so einer netten und schnellen Reaktion habe ich nicht gerechnet.“

Ist das auch für andere eine Möglichkeit, die oft gewünschte Bürgernähe zu bekommen? In seiner Bürgermeister-Sprechstunde in der Facebook-Gruppe „Du bist Castroper, wenn...“, die live auf Facebook übertragen wurde, forderte er kürzlich dazu auf, dass Bürger sich bei ihm melden sollten. Aber wie genau?

So handhabt Kravanja die Anfragen

Die Pressestelle der Stadt sagt auf Anfrage unserer Redaktion: „Facebook, eine Mail an die Mailadresse buergermeister@castrop-rauxel.de und die persönliche Ansprache sind die am häufigsten genutzten Wege, den Bürgermeister zu erreichen.“ Kravanja habe seinen Lebensmittelpunkt in Castrop-Rauxel und über sein privates und berufliches Engagement „erfreulich viele persönliche Kontakte“.

Unabhängig davon nehme er die Anliegen aller Bürger auf. „Gerade in Phasen, die - wie die Sommerferien - ruhiger verlaufen, ist es möglich so kurzfristig zu agieren, wie von der Leserin so freundlich beschrieben“, sagt Sprecherin Nicole Fulgenzi. „Zu anderen Zeiten müssen die Anliegen nach und nach angeschaut werden und eine Rückmeldung ist nicht immer ganz so prompt möglich.“

Was alles im Bürgermeisterbüro landet

Von einer Vielzahl eingehender Nachrichten an das Bürgermeisterbüro seien täglich einige an ihn persönlich gerichtet. Aber liest und beantwortet er alles selbst? „Auch wenn nicht jede Antwort von ihm ausformuliert wird, erfolgt die Antwort in enger Abstimmung“, so Fulgenzi. Andere allgemeine Anfragen würden im Bürgermeisterbüro beantwortet. Genauso wie die Anliegen, die die Verwaltung durch die Cas-App erreichen.

Kravanja sei sehr wichtig, mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen und zu bleiben. „Auch bei kontroversen kommunalen Themen“, so Fulgenzi. „Die Vielzahl der direkten Kommunikationswege macht das deutlich: Facebook, persönliche Sprechstunden, Infostände auf Marktplätzen, Kuchenbesuche, zu denen die Bürger ihn einladen können, oder Hausbesuche, bei denen er einfach mal anschellt.“

Eine Einschränkung gibt es: Kravanja als Privatmensch

Eine Einschränkung gibt es doch: „Eine längere Debatte bei zufälligen Begegnungen, gerade wenn Rajko Kravanja mit seinen Kindern privat unterwegs ist, ist dabei verständlicherweise nicht immer so möglich, wie es die Themen erfordern. Bei der Vielzahl der Kontaktmöglichkeiten kann der Dialog an anderer Stelle weitergeführt werden.“

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