Bürgermeister Kravanja warnt vor zu laschem Umgang mit Coronavirus

mlzInterview

Von Dienstag auf Mittwoch gab es in Castrop-Rauxel keine Neu-Infektion mit dem Coronavirus. Bürgermeister Rajko Kravanja appelliert trotzdem an die Bürger, die Regeln nicht zu umgehen.

Castrop-Rauxel

, 01.04.2020, 18:19 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahlen scheinen eine hervorragende Sprache zu sprechen: In den vergangenen Tagen ist die Zahl der gemeldeten Neu-Infektionen mit dem Coronavirus kaum gestiegen, von Dienstag auf Mittwoch sind es gar unverändert 47 Infizierte geblieben. Gestiegen ist dagegen die Zahl der Corona-Patienten, die als gesund gelten - Stand Mittwoch waren es 17.

Für Bürgermeister Rajko Kravanja sind diese Zahlen kein Anlass zur Erleichterung. Aussagen wie „ausgezeichnete Zahlen“ oder „Wir dürfen uns freuen“ seien im Zusammenhang mit dem Coronavirus „fehl am Platze“, sagte er im Video-Interview. Es gelte unbedingt, einen zu positiven Eindruck zu verhindern. Vielmehr laute die Devise: „Weiterhin durchhalten, weiterhin zu Hause bleiben“.

Kravanja: Coronavirus ein „gesamtgesellschaftliches Problem“

Wann es zu einer positiven Bewertung der Situation kommen könnte, sei nicht absehbar: „Da müssten wir über ganz andere Zahlen reden“, sagte Kravanja. Es helfe auch nichts, das Virus in Castrop-Rauxel oder der Region eingedämmt zu haben, wenn es woanders noch Infektionsherde gebe. Das Virus sei „ein gesamtgesellschaftliches Problem, das wir auch nur gesamtgesellschaftlich lösen können“. Also: „Vorsicht an der Bahnsteigkante“, mahnte Kravanja.

Keine frühe Entwarnung in Sachen Corona: Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja

Keine frühe Entwarnung in Sachen Corona: Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja © Kevin Kisker

Allerdings möchte der Bürgermeister etwa die Verbote von Veranstaltungen in der Stadt auch noch nicht verlängern. Einschätzungen über den 1. Mai hinaus gebe er nicht ab, sagte Kravanja. „Wir bereiten alles vor, dass wir weiter absagen können, wir bereiten aber gleichzeitig vor, dass wir einzelne Veranstaltungen langsam wieder anfahren können, wenn die Gelegenheit da ist.“

In anderen Städten wie zum Beispiel Dortmund sind alle städtischen Veranstaltungen bereits vor Tagen bis Ende Mai abgesagt worden.

„Castrop kocht über“ ist noch offen

Kravanja sagte im Interview, seiner persönlichen Einschätzung nach könnten einzelne Veranstaltungen wieder stattfinden, während andere noch abgesagt blieben: „Aber wann, da trau‘ ich mir keine Einschätzung zu.“

Konkret stehe etwa noch nicht fest, ob die nächste Auflage von „Castrop kocht über“ vom 10. bis 14. Juni stattfinden könne. Kravanja sagte, er sei sich mit den Veranstaltern einig, eine Entscheidung noch abzuwarten. „Wir fahren auf Sicht, so wie viele Familien auch“, sagte der Bürgermeister.

Ähnliches gelte auch für den Start in die Freibad-Saison. Dort bereite man sich so vor, dass das Freibad bei Überwindung der Corona-Krise recht schnell wieder öffnen könne. „Aber wann, kann ich Ihnen nicht sagen.“

Bürgermeister appelliert: „Bitte gesunden Menschenverstand einschalten“

Eine zu enge Diskussion über die Anwendung der Regeln zum Kontaktverbot in der Öffentlichkeit lehnte der Bürgermeister ab: „Als Erstes geht es darum, den gesunden Menschenverstand einzuschalten“, appellierte Kravanja. Es gehe vor allem darum, „die Menschen zu schützen und nicht, jemanden auszutricksen“.

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Wenn es ehrliche Unsicherheiten bei Bürgern gebe, könnten diese sich an die Stadt wenden. Die Menschen könnten eine Mail an service@castrop-rauxel.de schreiben. „Da wird geholfen, da werden Fragen beantwortet, da finden wir eine Lösung.“

Alle Parteien unterstützen Maßnahmen der Stadt

Unterdessen haben alle im Castrop-Rauxeler Rat vertretenen Fraktionen in einer gemeinsamen Erklärung die Maßnahmen der Stadtverwaltung begrüßt. Konkret werde die Gewerbesteuer auf Antrag bis 30. September gestundet, eine weitere Stundung bis 31. Dezember könne beantragt werden.

Alle Elternbeiträge für den Besuch einer Kita oder einen Platz im Offenen Ganztag einer Grundschule sollten für April erstattet werden.

Anders als die Ausschüsse und Beiräte werde die April-Ratssitzung stattfinden, allerdings mit weniger Ratsmitgliedern als üblich. Außerdem solle die Sitzung live ins Internet übertragen werden.

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