Bus und Bahn werden teurer: Deshalb erhöht der VRR auch in Castrop-Rauxel seine Preise

mlzVRR-Preiserhöhung

Der VRR erhöht zum 1. Januar 2020 seine Preise. Bernd Goerke, Mitglied der Castrop-Rauxeler SPD, hat dafür gestimmt. Er nennt die Gründe und verrät, warum er nicht der einzige Ja-Sager war.

Castrop-Rauxel

, 10.10.2019, 04:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Gefühlt alle Jahre wieder kommt nicht nur das Christkind mit Geschenken, sondern auch der VRR mit höheren Ticketpreisen. So erneut am 1. Januar 2020. „Im Sitzungsblock September des VRR haben die Mitglieder aller im VRR vertretenen Fraktionen dem Vorschlag einer Preisanpassung um 1,8 Prozent zugestimmt“, sagt Bernd Goerke, der die Castrop-Rauxeler SPD in der VRR-Verbandsversammlung vertritt.

Und er betont, dass damit auch die Grünen zugestimmt hätten, „die das nun in der Öffentlichkeit kritisieren“.

Die Preis-Erhöhung verteilt sich sehr unterschiedlich auf die verschiedenen Ticket-Kategorien. Betroffen sind vor allem die Monatstickets. Gar nicht teurer werden sollen hingegen Einzeltickets, Vier-Stunden-Ticket, das Happy-Hour-Ticket und das Zusatz-Ticket.

VRR bezeichnet die Preissteigerung als „moderat“

Der VRR selbst beschreibt die Preissteigerung als „moderat“. Die Gremien hätten versucht, „die Preise im Sinne eines sich ändernden Mobilitätsbewusstseins und auch der verkehrspolitischen Ziele zur Verkehrswende und zum Klimaschutz moderat zu halten.“

VRR-Vorstand José Luis Castrillo erklärt das Problem: „Unsere Tarifentwicklung bewegt sich immer auf dem schmalen Grat zwischen akzeptierten Fahrpreisen, die unterschiedliche Kundenbedürfnisse berücksichtigten, und der Finanzierbarkeit des ÖPNV in unserem Verbundgebiet.“

Ohne Preisanpassung drohen Angebotskürzungen

Der Aufwand für den Nahverkehr sei gestiegen – damit seien die Verkehrsunternehmen auch auf höhere Einnahmen angewiesen. Und diese Einnahmen müssten zur Zeit von den Nutzern kommen, erklärt Goerke, denn: „Bislang hat weder der Bund noch das Land signalisiert, die unvermeidlichen Kostensteigerungen in den Unternehmen auszugleichen. Die Kommunen im Ruhrgebiet, die kaum ihre Haushalte genehmigt bekommen, wollen auch keine höheren Defizite im ÖPNV finanzieren.“

Bereits jetzt könnten notwendige Infrastrukturerhaltungsmaßnahmen und -ausbau nicht finanziert werden: „Schon jetzt wird in den Unternehmen mit Stadtbahn- und Straßenbahnbetrieb auf Verschleiß gefahren. Wer keine Angebotskürzung im ÖPNV will, muss sich ohne Fremdfinanzierung für eine Preisanpassung aussprechen“, sagt Goerke.

Bund und Land müssen sich an den Kosten beteiligen

Doch Castrillo betont auch, dass der weiter steigende Aufwand für den ÖPNV nicht mehr alleine von den Nutzern getragen werden kann. „Um auch in Zukunft einen attraktiven Nahverkehr mit einem großen Leistungsangebot zu gewährleisten, benötigen die Verkehrsunternehmen neben der Nutzerfinanzierung weitere Finanzmittel. Unsere Partnerkommunen, Land und Bund müssen gemeinsam die Finanzierung des ÖPNV nachhaltig ausbauen.“

Auch für das Sozialticket-Angebot sei der VRR zwingend auf die weitere finanzielle Unterstützung des Landes angewiesen.

Diesen Standpunkt vertritt auch Goerke, eine neue Finanzierungsgrundlage müsse dringend geschaffen werden, um die jährliche Diskussionen um die Preisanpassung vermeiden zu können. Dass Bund und Land sich an den Kosten beteiligen, sei „dringend geboten“, so Goerke.

„Der Nahverkehr ist im Umweltverbund mit Fahrrad und ‚Wegen zu Fuß‘ der unbestritten umweltfreundlichste Weg, viele Menschen zwischen ihren Lebensmittelpunkten von Wohnen, Arbeit und Freizeitgestaltung einen zuverlässigen und sicheren ‚Transport‘ zu bieten.“

VRR gegen 365-Tage-Ticket für 365 Euro

Eine klare Absage erteilt der VRR unter den aktuellen Rahmenbedingungen der Forderung nach einem 365-Tage-Ticket für 365 Euro. Dies würde Einnahmeverluste für den VRR in Höhe von rund 250 Millionen Euro innerhalb einer Stadt bedeuten, bei verbundweiter Gültigkeit sogar um die 450 Millionen Euro.

Nicht zuletzt würde es bei eventuell betroffenen Verkehrsunternehmen auch zu Kapazitätsengpässen führen. Dann drohe das System zu kollabieren, so der VRR-Chef.

Die neuen Preise

  • Das Ticket 1000 verteuert sich von 77,35 Euro auf 79,20 Euro, das Ticket 2000 von 87,15 Euro auf 89,25 Euro.
  • Das VRR-weit gültige Bärenticket für Senioren kostet künftig monatlich 91,35 Euro statt 88,70 Euro
  • Das Schokoticket für Schüler kostet in der Selbstzahler-Variante 37,35 Euro statt 36,70 Euro.
  • Auch der Preis für das Sozialticket in der Preisstufe A steigt - von 38,65 Euro auf 39,35 Euro.
  • Der Preis für das Vierer-Ticket für Erwachsene steigt von 10,50 Euro auf 10,70 Euro.
  • VRR-Pressesprecher Dino Niemann gibt die neuen Preise für Castrop-Rauxel bekannt: „Für Fahrgäste innerhalb der Stadt gilt ab Januar ein Preis von 1,70 Euro für die Kurzstrecke, 2,80 Euro für den innerstädtischen Bereich der Preistufe A1. Fahren Sie in einer der umliegenden Gebiete, kostet das Ticket der Preisstufe B 6 Euro. Fahrgäste, die darüber hinaus in Preisstufe C unterwegs sind, zahlen 12,80 Euro und verbundweite Fahrten kosten 15,70 Euro.“
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