Das Team der Residenz um Besitzer Hans-Joachim Schmale-Baars (links) verabschiedet sich am Sonntag endgültig von seinen Kunden. © Matthias Langrock
Hotel Café Residenz

Café Residenz rechnet mit letztem Ansturm und backt Hunderte Torten

Nur wenige Tage noch, dann schließt das Café Residenz für immer. Für Hans-Joachim Schmale-Baars sind es ausgefüllte Tage. Jeder will noch einmal ein Stück Torte aus seiner Backstube.

Hunderte Brief, Mails, Nachrichten haben Hans-Joachim Schmale-Baars erreicht, kaum dass die Nachricht in der Welt war, dass er sein Hotel Café Residenz nach 36 Jahren schließt. „Das war überwältigend. Wir sind sehr gerührt“, sagt er am Donnerstag. Vielleicht noch wichtiger: Seitdem ist das Café in der Altstadt voll. Das hat Konsequenzen für den Konditormeister – bis Sonntag (17.1.), 18 Uhr, wenn er die Café-Türen endgültig abschließt.

Jeder möchte noch einmal ein Stück Torte, ein Stück Kuchen aus der Backstube von Hans-Joachim Schmale-Baars. „Wir hatten Sorge, dass wir am Ende etwas wegschmeißen müssen“, erzählt er. Nachdem der Termin der Schließung feststand, hat er Gebäck und Pralinen zum halben Preis verkauft. Damit am Sonntag nichts übrig bleibt.

Hätte er gewusst, was folgte, hätte er vielleicht anders entschieden. Denn: „Nach ein paar Stunden war alles weg“, berichtet er. Und es wird auch keinen Nachschub mehr geben. „Pralinen zu machen, ist sehr aufwendig. Das sind fünf Arbeitsschritte. Alles per Hand.“

Dafür hat Hans-Joachim Schmale-Baars jetzt keine Zeit mehr. Kuchen und Torten haben Vorrang. Hunderte backt er in diesen Tagen. Der Ansturm ist groß: „Am Sonntag, nachdem in der Zeitung von der Schließung stand, war um 16 Uhr die Kuchentheke ratzekahl leer.“ Der letzte Kunde hatte da nur noch vier Stücke Sachertorte zur Auswahl. Er hat sie genommen, Hauptsache noch einmal Kuchen aus dem Café Residenz, habe er gesagt.

Jeden Morgen um 3 Uhr beginnt jetzt die Arbeit in der Backstube

Hans-Joachim Schmale Baars steht seitdem jeden Morgen bereits um 3 Uhr in der Backstube. Aida-, Sacher-, Herren- oder Mozarttorte sind im Angebot, insgesamt mehrere Dutzend Sorten. Nicht alles ist jederzeit zu haben. „Die Kunden haben dafür aber Verständnis“, sagt er.

Fünf Minuten vor und im Café zu warten, reicht schon, um eine Ahnung der Vorlieben der Residenz-Liebhaber zu bekommen. „So ein Mousse kriegen Sie hier nirgendwo“, erklärt eine Dame in der Schlange – während drinnen eine andere sechs Stück Sahnetorte kauft. „Mensch, jetzt haben wir uns aber lange nicht gesehen“, sagt eine weitere Kundin beim Betreten der Residenz zur Frau hinter der Kuchentheke. Die Antwort nimmt das Schöne aus der Situation: „Ja, und jetzt ist es das letzte Mal.“

In der Woche vor der Schließung sind noch 4 der einst 13 Mitarbeiter von Hans-Joachim Schmale Baars übrig geblieben. Fast allen hat er wegen der Geschäftsaufgabe kündigen müssen, vereinzelt haben sie schon vorzeitig einen anderen Job gefunden.

Die Schließung der Residenz war angesichts der Corona-Pandemie und des Lockdown für den 64-jährigen Castrop-Rauxeler Schmale-Baars unumgänglich, nachdem er in der Vergangenheit vergeblich einen Nachfolger gesucht hatte. Als Mischbetrieb mit Konditorei-Ladenverkauf sei er durch alle Raster der Corona-Hilfsprogramme gefallen. Ihm fehle die Kraft für einen Neuanfang.

Koch-Azubi kann noch kurz vor Schluss seine Prüfung ablegen

Neben einer Konditorin, einer Mitarbeiterin im Verkauf und einer Reinigungskraft ist noch ein Koch dabei. Am Donnerstag hat der Auszubildende noch kurz vor dem Ende des Residenz seine Prüfung abgelegt. In den vergangenen Tagen konnte er beim Zubereiten der Mittagstisch-Angebote, die es ja auch noch gibt, Praxiserfahrung sammeln. „Wir haben daran gearbeitet, dass er seine Prüfung vorziehen kann“, berichtet Hans-Joachim Schmale-Baars.

Bis zum Sonntag (17.1.) will das kleine Team alles geben. „Wir rechnen noch einmal mit einem Ansturm“, sagt der Konditor. Bis dahin wird gebacken und gebacken. Ausschlafen wird Hans-Joachim Schmale-Baars aber auch am Montag nicht. Bis zum 31. Januar hat er noch ein paar Hotelgäste, die beruflich in Castrop-Rauxel zu tun haben, und die wollen natürlich morgens frühstücken.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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