Castrop-Rauxel braucht mehr Ausbildungsstellen

Arbeitsmarkt

Zwei Bewerber pro Ausbildungsplatz – derzeit schaut jeder zweite Ausbildungssuchende in Castrop-Rauxel in die Röhre. Eine Aktionswoche der Arbeitsagentur soll nun Betriebe sensibilisieren. Es gibt dafür Vorbilder.

CASTROP-RAUXEL

von Till Meyer

, 28.02.2018, 14:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Anna-Maria Kruk, Stefan Bunse, Frank Karlowski Andreas Rzeznik und Ariane Hohengarten (v.l.) setzen gemeinsam ein Zeichen pro Ausbildung. 

Anna-Maria Kruk, Stefan Bunse, Frank Karlowski Andreas Rzeznik und Ariane Hohengarten (v.l.) setzen gemeinsam ein Zeichen pro Ausbildung.  © Till Meyer

Unter dem Motto „Ausbildung klarmachen“ steht die aktuell fünfte Auflage der so genannten Woche der Ausbildung der Arbeitsagentur im Kreis Recklinghausen. Ziel ist es, ein Zeichen pro Ausbildung zu setzen. In einigen Städten sogar mit organisierter Fahrradtour. So auch in Castrop-Rauxel. Und bei dieser Tour war nicht nur der Weg das Ziel.

Trotz winterlicher Temperaturen setzten sich die Agenturmitarbeiter Andreas Rzeznik, Teamleiter Berufsberatung, und Ariane Hohengarten, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt, am Montag dieser Woche auf das Rad und steuerten den KAB Elektroinstallationsbetrieb auf Schwerin an.

Dort stießen dann auch Anna-Maria Kruk, Ausbildungsstellenvermittlerin, und Stefan Bunse, Geschäftsstellenleiter der Agentur für Arbeit, dazu. „Wir haben die Fahrradtour wegen der Minusgrade aber etwas abgespeckt“, sagte Bunse. Das Ziel blieb dennoch unverändert. Bunse erklärte: „Wir fahren Betriebe an, um dort über die Ausbildungsmöglichkeiten zu sprechen, Unterstützung und Bewerberprofile anzubieten.“

Fachkräfte selber ausbilden

Es geht darum, Betriebe zu animieren, Fachkräfte selbst auszubilden. Das schaffe, so erklärte Bunse, nicht nur eine größere Loyalität des späteren Gesellen gegenüber dem Betrieb, sondern helfe zudem, den Ausbildungsplatzmangel kleiner werden zu lassen.

Zwar gab es in Castrop-Rauxel in den vergangenen zwei Jahren jeweils einen Zuwachs an Ausbildungsstellen, aber das reiche noch nicht aus, wie die aktuellen Zahlen belegen.

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Denn seit Beginn des Berichtsjahres – 1. Oktober 2017 – wurden der Agentur für Arbeit in Castrop-Rauxel 189 Ausbildungsstellen gemeldet. Das sind zwar 25 Stellen mehr als im Vorjahr, aber das reicht nicht aus, um in die Nachfrage zu decken. Denn derzeit gibt es 411 Ausbildungsplatzsuchende. Damit steht lediglich für jeden zweiten Suchenenden eine Ausbildungsstelle zur Verfügung. Und das, obwohl viele handwerkliche Betriebe Fachkräfte suchen. „Die Schere zwischen Angebot und Nachfrage wird zwar kleiner, aber sie muss natürlich noch kleiner werden“, so Bunse. An dieser Stelle seien die lokalen Betriebe gefordert, weitere Ausbildungsstellen zu schaffen.

Der KAB Elektroinstallationsbetrieb gilt als Vorbild

Dass dies möglich ist, zeigt der KAB Elektroinstallationsbetrieb. Erst vor drei Jahren mit drei Arbeitskräften gestartet, bildet das Unternehmen jetzt schon seine Mitarbeiter selbst aus. „Das ist vorbildlich und nicht selbstverständlich für so ein junges Unternehmen“, so Bunse.

Betriebsleiter Frank Karlowski hat bei der Ausbildung ein klares Ziel vor Augen: Die Auszubildenden sollen möglichst alle Bereiche der Elektroinstallation kennenlernen und überall mit anpacken. „Ein Auszubildender darf niemals als billige Arbeitskraft gesehen werden. Das hilft dem Betrieb doch auf Dauer nicht“, so Karlowski.

Auch Eltern und Lehrer sind gefordert

Aber nicht nur die Betriebe sind beim Thema Ausbildung gefordert. Denn auch die Eltern und Lehrer spielen eine wichtige Rolle, wie Ariane Hohengarten erklärt: „Sie haben jeweils eine Schlüsselrolle, denn sie können die Kinder auch gezielt in Richtung Ausbildung navigieren.“ Zudem wüssten viele Jugendliche oftmals nicht ausreichend Bescheid, welche Möglichkeiten das Handwerk biete, sowohl was die Vielfalt der Berufe als auch die Verdienstmöglichkeiten anbelange.

Besonders Mädchen und junge Frauen würde sich noch viel zu wenig mit dem Thema Handwerk auseinandersetzten, berichtete Stefan Bunse. Dabei hätten diese die gleichen Chancen. Frank Karlowski zur Chancengleichheit in seinem Betrieb: „Was einem Mädchen vielleicht manchmal an Kraft fehlt, gleicht es ganz sicher durch eine gute Fingerfertigkeit wieder aus.“

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