Die Stadt Castrop-Rauxel, hier der in den 60er-Jahren geschaffene „Stadtmittelpunkt“ und Teile von Rauxel (rechts), schrumpft leicht. Wie groß sie zurzeit ist, da gibt es verschiedene Daten. © Tobias Weckenbrock (Archiv)
Bevölkerungsstatistik

Castrop-Rauxel schrumpft 2020 leicht, die genaue Größe ist aber unklar

Die Einwohnerzahl in Castrop-Rauxel ist nach eigenen Fortschreibungs-Daten aus dem Rathaus 2020 leicht gesunken. Es gab mehr beurkundete Todesfälle als Geburten.

Dass Castrop-Rauxel rund 75.000 Einwohner hat, ist weitgehend bekannt. Wie sich die Einwohnerzahl aber tatsächlich genau entwickelt, ist eine Frage, die seit Jahren diskutiert wird. Werden es mehr? Werden es weniger? Die Meinungen und Betrachtungsweisen gehen da auseinander. Fakt ist: Die Stadtverwaltung kommt in ihren eigenen Fortschreibungs-Daten als Meldebehörde auf ein minimales Schrumpfen der Stadt im Vergleich zum Vorjahr.

Städtische Statistik geht von 75.338 Einwohnern aus

Demnach liegt die Einwohnerzahl zum Stichtag 1. Januar 2021 nach städtischer Statistik bei 75.338. Das sind 100 Personen weniger als im Vorjahr, 240 weniger als noch vor fünf Jahren, 610 Personen weniger als vor zehn Jahren. Allerdings war der Tiefstand dieser Statistik zufolge 2014 erreicht. Da lag die Zahl auf 74.769.

Wie kommt die neue Zahl zustande? 2020 verzeichnete das Standesamt 804 hier beurkundete Geburten und 954 Sterbefälle. Um die 50 Geburten konnten allerdings aus diversen Gründen, z.B. durch fehlende Unterlagen, bis Jahresende nicht abschließend beurkundet werden. Gleiches galt bei 9 Sterbefällen. Sie zählen also nicht mit.

In der Landesstatistik sind es rund 2000 Menschen weniger

Kritik an der eigenen Fortschreibung der Zahlen kommt seit jeher von Thomas Krämerkämper, einem sachkundigen Bürger im Umweltausschuss aus Henrichenburg. Sein Vorwurf: Bürgermeister Rajko Kravanja nutze seit Jahren falsche Zahlen für kommunalplanerische Fragestellungen wie die Entwicklung des Wohnungsmarktes, Neubaugebiete und andere Fragen.

Ende 2019 habe die Einwohnerzahl bei 73.343 gelegen, nicht bei den von der Stadt berichteten 75.439. Dabei beruft sich Krämerkämper auf die offizielle Einwohner-Statistik des Landes Nordrhein-Westfalen. Es geht aber nicht nur um einen statistischen Streit. 2000 Personen weniger könnten beispielsweise bei der Frage eine Rolle spielen, wie viele (neue) Wohnungen Castrop-Rauxel eigentlich braucht.

Die städtischen Zahlen sind auch in anderer Hinsicht mit Vorsicht zu deuten: Die Zahl der beurkundeten Geburten und Sterbefälle zum Beispiel weicht immer etwas von den Zahlen der Krankenhäuser ab. Im Januar 2020 wurden noch Fälle beurkundet, die sich 2019 ereignet hatten, ebenso wie Anfang 2021 noch zahlreiche Geburten und Sterbefälle aus dem Jahr 2020 beurkundet werden.

Die Zahl der Hausgeburten ist laut Standesamt im Corona-Jahr 2020 im übrigen gestiegen: Fünf Geburten fanden zu Hause statt. In den Vorjahren wurde jeweils maximal eine Hausgeburt verzeichnet.

278 Eheschließungen gab es 2020. Im Vorjahr waren es 306. Das Standesamt führe den Rückgang auf Corona-bedingte Terminverschiebungen und Absagen zurück, heißt es.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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