Castrop-Rauxeler Möbel-Händlerin: „Das ist das falsche Signal!“

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Seit dieser Woche dürfen trotz des Coronavirus viele Geschäfte wieder öffnen. Darunter auch Möbelläden. Ein Möbelhändler aus Castrop-Rauxel hält das für falsch und lässt den Laden zu.

Habinghorst

, 23.04.2020, 14:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bund und das Land NRW haben den Lockdown in der Corona-Krise nach den Osterferien gelockert. Viele Möbelgeschäfte haben jetzt wieder geöffnet. Ein alteingesessener Betrieb in Castrop-Rauxel aber geht einen anderen Weg und lässt den Laden geschlossen.

Barbara Fiolka ist mit ihrem Mann Armin Inhaberin von Polster+Möbel Habinghorst an der Langen Straße. „Es war für uns hart nach dem Shutdown, nicht für unsere Kunden da sein zu können“, erklärt Barbara Fiolka nun im Gespräch mit unserer Redaktion.

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Einige Kunden hätten sie angerufen, der Rufweiterleitung aufs Handy sei Dank. „Für die waren als Ansprechpartner präsent“, sagt Barbara Fiolka. Sie sei aber froh gewesen über die erste Erklärung des Wettbewerbers Ikea, dass der seine Geschäfte Montag noch geschlossen hielt. „Sie schrieben, sie sähen keine Möglichkeit, zu öffnen, ohne die Kunden zu gefährden. Das entspricht genau unserer Einschätzung.“

„Wir warten bis zum 30. April“

Ikea änderte seine Meinung und öffnete nun in NRW doch, zum Beispiel im Indupark in Dortmund-Oespel. Das macht das Ehepaar Fiolka anders: Sie halten ihr Geschäft in Habinghorst geschlossen. „Wir warten bis zum 30. April ab, wenn sich die Regierung wieder trifft, um über die Lockerungen zu diskutieren, wie die Zahlen dann sind. Dann werden auch wir wieder überlegen.“

„Zu früh geöffnet ist schnell bereut! Das hilft wirklich keinem.“
Barbara Fiolka
Barbara Fiolka betreibt mit ihrem Mann das Geschäft Polster+Möbel an der Langen Straße. Das Ehepaar wohnt in Henrichenburg.

Barbara Fiolka betreibt mit ihrem Mann das Geschäft Polster+Möbel an der Langen Straße. Das Ehepaar wohnt in Henrichenburg. © Fiolka

Ihre Meinung sei klar, sie wolle Haltung zeigen: „Zu früh geöffnet ist schnell bereut! Das hilft wirklich keinem.“ Es sei das falsche Signal zum falschen Zeitpunkt. „Es ist zu früh, zum normalen Leben zurückzukehren“, sagt Barbara Fiolka.

„Das Leben ist nicht normal. Alle bisher erreichten Regierungserfolge werden infrage gestellt und gefährdet. Es waren ja nur vier Wochen Schließung und wir sprechen gleichzeitig darüber, dass keine Feste bis August stattfinden dürfen, keine Fußballspiele, kein Oktoberfest.“

Barbara Fiolka sagt: „Ich habe den Eindruck, dass das, was wir erzielt haben, verloren geht.“ Wo jetzt Normalität einkehre, entstehe schnell der Eindruck, dass die Krise überwunden sei. „Und das ist nicht richtig!“

Pacht müssen sie nicht zahlen

Die Fiolkas, um die 60 Jahre alt und aufgrund von hohem Blutdruck und Vorerkrankungen zur Risikogruppe gehörend, machen wenig Umsatz in dieser Zeit. Sie müssen aber zumindest keine Pacht bezahlen: Das Geschäft befindet sich in einem Gebäude im Eigentum der Familie.

Im Herbst hatten sie angekündigt, zu schließen. Seitdem lief ein Räumungsverkauf. Armin Fiolka sagt nun: „Wir haben diese Pläne zurückgezogen. Vielleicht freuen wir uns ja nach Corona darüber, dass wir unser Möbelgeschäft noch haben.“

Corona habe „alles verändert. Unsere Denkweise ist vorher anders gewesen als während Corona - und sicher auch als nach Corona.“

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