Die Polizei konnte den Räuber trotz unverzüglicher Fahndung nicht mehr aufspüren. © picture alliance/dpa
Landgericht Essen

Castrop-Rauxeler soll Burger-King-Schichtleiter bedroht haben

Ein Mann aus Castrop-Rauxel soll vor vier Jahren an einem Überfall auf ein Fastfood-Restaurant in Recklinghausen beteiligt gewesen sein. Vor Gericht schweigt er.

Die Täter kamen kurz vor Feierabend, dem Schichtleiter soll sogar ein Messer an den Hals gehalten worden sein. Im November 2016 wurde in Recklinghausen eine Burger-King-Filiale überfallen. Einer, der damals mit dabei gewesen sein soll, ist ein Mann aus Castrop-Rauxel. Seit Freitag steht er in Essen vor Gericht – und schweigt.

Der Angeklagte ist 33 Jahre alt und war lange Zeit untergetaucht. Deshalb kann ihm auch erst jetzt der Prozess gemacht werden. Wo er sich aufgehalten hat, ist unklar. Möglicherweise in Russland. Dort ist er geboren, hat aber längst einen deutschen Pass.

Komplize bereits zu zehn Jahren verurteilt

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er für den Überfall regelrecht angeworben worden ist: von einem Bekannten, der wegen des Überfalls auf Burger King und einer anderen Raubtat bereits zu zehn Jahren Haft verurteilt worden ist.

Es war kurz vor vier Uhr morgens, als der Castroper in die Filiale am Dordrechtring gestürmt sein soll. Neben dem Schichtleiter war auch noch ein Mitarbeiter überwältigt worden, ein sogenannter Night-Cleaner. Ihn hatte die Staatsanwaltschaft später ebenfalls angeklagt – als eingeweihten Insider.

Der Mann habe die Hintertür geöffnet, hieß es, und sei nur zum Schein in die Rolle eines Opfers geschlüpft. Beweisen ließ sich das vor Gericht allerdings nicht. Der Mitarbeiter wurde freigesprochen.

„Leg‘ Dich auf den Boden!“

Nun also der Prozess gegen den 33-Jährigen aus Castrop-Rauxel. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er den Schichtleiter bedroht und auch in den Schwitzkasten genommen hat. „Sei leise! Leg dich auf den Boden!“ So oder so ähnlich sollen seine Anweisungen damals gelautet haben.

Beim Prozessauftakt am Essener Landgericht schwieg der Angeklagte aus Castrop-Rauxel. Links im Bild sein Verteidiger Artur Jakobi.
Beim Prozessauftakt am Essener Landgericht schwieg der Angeklagte aus Castrop-Rauxel. Links im Bild sein Verteidiger Artur Jakobi. © Jörn Hartwich © Jörn Hartwich

Laut Anklage wurde der Schichtleiter gezwungen, den Tresor zu öffnen, bevor er mit Kabelbindern gefesselt wurde. Genau wie auch der Mitarbeiter. Das Bargeld soll der Angeklagte in einem roten Rucksack verstaut haben – insgesamt rund 7300 Euro.

Der Versuch, mit wuchtigen Hammerschlägen auch noch einen Innentresor zu öffnen, schlug fehl.

Überwachungskamera lief mit

Die Richter am Essener Landgericht hatten dem 33-Jährigen im Vorfeld des Prozesses signalisiert, dass sie sich bei einem vollen Geständnis eine Verurteilung zu fünf Jahren Haft vorstellen könnten. Auch die Staatsanwaltschaft hielt das nach vorläufiger Würdigung für „annehmbar“.

Verteidiger Artur Jakobi hatte daraufhin das Gespräch mit dem Castrop-Rauxeler gesucht, dem Gericht dann aber mitgeteilt, dass die Vorwürfe bestritten werden.

Die Richter müssen nun Zeugen vernehmen. Außerdem soll es Aufzeichnungen einer Überwachungskamera geben. Die Anklage lautet auf schweren Raub und Freiheitsberaubung. Mit einem Urteil ist voraussichtlich Ende Januar zu rechnen.

Über den Autor
Gerichtsreporter

Ahaus, Heek und Legden am Abend

Täglich um 18:30 Uhr berichten unsere Redakteure für Sie im Newsletter über die wichtigsten Ereignisse des Tages.

Informationen zur Datenverarbeitung im Rahmen des Newsletters finden Sie hier.

Lesen Sie jetzt