Die Castrop-Rauxelerin Luise von Agris macht in den USA ihren Master und sorgt sich, dass es weitere Unruhen geben könnte. Die Amtsübernahme Bidens verfolgte sie via Livestream. © Luise von Agris
Neuer US-Präsident

Castrop-Rauxelerin in den USA: „Niemand weiß, was jetzt passiert“

Die USA haben mit Joe Biden einen neuen Präsidenten. Die Castrop-Rauxelerin Luise von Agris studiert derzeit in Detroit. Sie berichtet von einem gespaltenen Land und der Sorge vor weiteren Unruhen.

Am 20. Januar übernahm der Demokrat Joe Biden die Präsidentschaft von Donald Trump. Luise von Agris aus Castrop-Rauxel studiert aktuell in den USA und verfolgte das Event per Livestream mit.

Erst seit ein paar Tagen ist die 24-Jährige wieder in den Staaten. Die Semesterferien hatte von Agris in Castrop-Rauxel verbracht. Hier betreibt sie zusammen mit ihrer Familie und einem Familienfreund das nachhaltige Strohhalmunternehmen „Back to Nature“. In den USA macht sie ihren Master in Business Administration an der Lawrence Tech University in Southfield, einem kleinen Vorort von Detroit im Bundesstaat Michigan.

Mit Ende ihrer Semesterferien flog sie zurück in die Staaten – pünktlich zur Amtsübergabe. Nach dem Angriff auf das Capitol in Washington bestätigt Luise von Agris den Eindruck, dass die USA aktuell ein zutiefst gespaltenes Land sind: „Ich habe viele Freunde, Mitstudierende und auch Verwandte in den USA, die den Wechsel lange herbeigesehnt haben. Auffällig ist aber, dass überall noch Trump-Flaggen und Plakate hängen, an Autos und Häusern der Trump-Supporter. Eine Freundin erzählte mir auch, dass einige ihrer Nachbarn das Ergebnis nicht akzeptieren und anerkennen wollen.“

Sorge, dass es wieder zu Aufständen kommt

In Detroit sei die Lage glücklicherweise etwas entspannter als in Washington, so von Agris. Trotz der Entfernung zur Hauptstadt hat sie Sorge, dass es wieder zu Aufständen kommen könnte. Viele Menschen seien beunruhigt, da sie davon ausgehen, dass es unter Biden deutliche Veränderungen geben könne.

„Niemand weiß genau, was jetzt passiert oder nicht passiert“, erklärt sie. „Es ist schwer einzuschätzen, welche Auswirkungen der Amtswechsel auf die Menschen haben wird. Für mich als internationale Studentin ist besonders interessant zu wissen, ob es in Zukunft härtere Einreisebeschränkungen oder Visa-Auflagen geben könnte.“

Luise von Agris wäre gerne in Castrop-Rauxel geblieben

Hatte sie denn keine Angst, zurück in die USA zu fliegen? Nicht nur wegen Corona, sondern auch wegen der aktuellen Unruhen? „Ein komisches Bauchgefühl hatte ich schon, weil ich mich natürlich nicht anstecken wollte. Ich war auch überrascht, dass es am Flughafen keine Einschränkungen gab und dass ich da einfach durchgekommen bin.“

Sie wäre gerne in Castrop-Rauxel geblieben. Das wäre theoretisch auch möglich gewesen, da ihre Vorlesungen ausschließlich digital stattfinden. Das Problem ist nur: „Das Studium in den USA ist extrem teuer, das kann ich mir nur über ein Stipendium leisten. Eine der Bedingungen dafür ist meine Tätigkeit als Trainerin der College-Tennis-Mannschaft. Wäre ich in Castrop-Rauxel geblieben, hätte ich mein Stipendium verloren.“

Luise von Agris spielt in der ersten Damenmannschaft des TC Castrop 06 und trainiert eine US College-Mannschaft.
Luise von Agris spielt in der ersten Damenmannschaft des TC Castrop 06 und trainiert eine US College-Mannschaft. © privat © privat

Ihr Studium schließt sie im Mai nächsten Jahres ab. Bis dahin wird sie versuchen, die persönlichen Kontakte so weit wie möglich einzuschränken oder ganz zu vermeiden.

Studienprojekte laufen über Video-Konferenzen. Das gibt ihr aber trotzdem Gelegenheit, sich mit ihren Freunden über die politische Lage zu unterhalten: „Unter den jungen Leuten, mit denen ich zu tun habe, besteht große Hoffnung, dass sich die Lage politisch verbessert. Und persönlich hoffe ich, dass hier in Detroit alles so ruhig bleibt wie bisher.“

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
In Castrop-Rauxel geboren und in der Heimatstadt geblieben. Schätzt die ehrliche und direkte Art der Menschen im Ruhrgebiet. Besonders interessiert am Sport und den tollen Radwegen im Revier.
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Dieter Düwel

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