Die Zahl der Passanten in der Castroper Altstadt ist rückläufig. Nur im Kernbereich nicht. © Thomas Schroeter
Gutachterausschuss

Castrop: Weniger Passanten, weniger Läden, mehr Nagelstudios

Die Zahl der Menschen, die sich in der Altstadt bewegen, ist seit 2016 geringer geworden, so eine frische Erhebung. Und auch die Zahl der Läden ist geschrumpft. Nur in einer Kategorie nicht.

Der Gutachterausschusses für Grundstückswerte im Kreis Recklinghausen, in der Stadt Castrop-Rauxel und in der Stadt Herten (GAA) hat als unabhängige Instanz am 29. Oktober wieder einmal die Fußgänger in der Castroper Altstadt gezählt.

Und zwar, weil der 29. Oktober ein Donnerstag war, an einem Markttag. Von 10.15 bis 11.15 Uhr ermittelte der GAA, wie viele Passanten an 15 Standorten vorbeikommen. Mit eingeschlossen sind hier zum besseren Vergleich auch die beiden Zählpunkt (Im Ort 7 und Am Markt 25), die auch die IHK regelmäßig beobachtet.

Frequenz blieb im Kernbereich recht stabil

Wie schon bei den Zählungen in den vergangenen Jahren zeigten sich an diesen beiden Zählpunkten konstant die höchsten Durchlaufzahlen mit 939 bzw. 1080 Passanten pro Stunde. Im Vergleich zur letzten Zählung 2016 sind die Zahlen an diesen Stellen auch nicht, wie vielleicht wegen der Corona-Pandemie erwartet, erheblich gefallen, sondern relativ konstant geblieben, so Christoph Warmbrunn vom GAA. Hier, so die Vermutung des Ausschusses, sorge „der Wochenmarkt wohl dafür, dass viele Passanten zu diesem Zeitpunkt des Tages in die Stadt laufen“.

Um die Passantenzahl in der Spitzenlage Castrop-Rauxels einmal einzuordnen: Auf dem Westenhellweg in Dortmund bewegen sich laut Analyse der Firma Hystreet in der Stunde im Schnitt über 7000 Menschen.

Die Fußgängerfrequenz in der Castroper Altstadt 2016 und 2020. Erhoben wurden die neuen Daten am 29. Oktober von 10.15 bis 11.15 Uhr.
Die Fußgängerfrequenz in der Castroper Altstadt 2016 und 2020. Erhoben wurden die neuen Daten am 29. Oktober von 10.15 bis 11.15 Uhr. © Grafik Klose/Quelle GAA © Grafik Klose/Quelle GAA

Insgesamt aber sind die Zahlen rückläufig zu 2016. Schaut man sich die Zahlen in der Altstadt genauer an, so fällt laut Warmbrunn besonders auf, dass die Fußgängerfrequenzen rund um den Busbahnhof (siehe Karte) teilweise erheblich zurückgegangen sind. Hier scheint die zurückhaltende Nutzung des ÖPNV in der Corona-Zeit eine Rolle zu spielen.

Verkehrschaos an Dortmunder und Wittener Straße

Im Gegensatz dazu sind deutlich mehr Menschen an der Ecke „Am Bennertor/Ecke Wittener Straße“ unterwegs. Hier ist dem Team des GAA laut Christoph Warmbrunn aufgefallen, dass offenbar „viele Bürger im Bereich Dortmunder Straße/Edeka-Center mit dem Auto anreisen und dann in die Stadt laufen“. Gerade an der Ecke Dortmunder Straße/Wittener Straße wurde bei der Zählung ein hohes Verkehrsaufkommen beobachtet, „mit zum Teil chaotischen Verhältnissen“ beim Ein-/- bzw. Abbiegen auch auf den Edeka-Parkplatz.

Neben der Fußgängerfrequenz hat der GAA Ende Oktober auch die aktuellen Leerstände in der Altstadt erhoben. Über 300 Geschäftslokale wurden dazu abgelaufen. Dabei kam man auf 24 Leerstände in der Erdgeschosslage (ohne Einkaufszentrum Widumer Tor). Bei der letzten Analyse 2016 waren es nur 15 Leerstände.

Bei der jüngsten Zählung standen mehr Ladenlokale leer als vor vier Jahren.
Bei der jüngsten Zählung standen mehr Ladenlokale leer als vor vier Jahren. © Thomas Schroeter © Thomas Schroeter

In Gesprächen mit Hausbesitzern, so der GAA-Vertreter, „zeigt sich aber besonders in den Nebenlagen die Bereitschaft, in Zukunft Ladenlokale in Wohnraum umzuwandeln, weil der Mietzins hier in gleicher Höhe liegen kann, das Objekt aber konstant Erträge einbringt“.

Weniger Verkauf, mehr Dienstleistung

Die Mieter der Ladenlokale haben sich laut Warmbrunn seit 2016 deutlich verändert. „2016 war das Verhältnis von Einzelhandel zu Dienstleistung etwa 60 zu 40, das hat sich bei unserer Erhebung jetzt zu einem Verhältnis von 40 zu 60 gewandelt“. In der Altstadt gebe es dabei zum Beispiel inzwischen allein gut 40 Ladenlokale, in denen Betriebe aus dem Bereich Gesundheit/Körperpflege angesiedelt seien. „Allein fünf Nagel- und Kosmetikstudios sind dabei“, so Warmbrunn.

Die Entwicklung geht aber auch zulasten von Einzelhändlern im Verhältnis zu Filialisten. Zählte man vor vier Jahren noch 70 Prozent einzelne Händler und 30 Prozent Filialisten, ist der Wert jetzt auf ein Verhältnis von 65:35 geschmolzen. Dabei haben so manche Filialisten wie Zeeman oder Backbord zuletzt sogar noch geschlossen.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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