Corona-Fall an Grundschule: Bürgermeister kritisiert Landesregierung

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Die Grundschule Am Hügel ist wegen Corona geschlossen. „Das war zu erwarten“, sagen Kritiker. Zu ihnen gehört Bürgermeister Rajko Kravanja, der die Grundschulöffnung zunächst verteidigt hatte.

Castrop-Rauxel

, 23.06.2020, 11:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

In einem langen Post zur Corona-Situation geht Bürgermeister Rajko Kravanja auf die aktuelle Situation in Castrop-Rauxel und der Republik ein. Denn seit Montag steigen auch die Infiziertenzahlen in Castrop-Rauxel wieder, musste wegen eines Corona-Falls bei einem Schulkind die Castroper Grundschule Am Hügel geschlossen werden.

Keine Grundschulöffnung vor den Ferien

Rajko Kravanja schreibt zur Situation: „Die Zahlen steigen, überall, auch bei uns (Man bedenke die zwei Wochen Infektionsgeschehen). Man muss aber klar sagen, dass wir alle (zumindest die Meisten) das Risiko irgendwo eingegangen sind. Ein paar Gedanken dazu: In der Anfangszeit hat der Staat mit (strengen) Verboten in unseren Alltag eingegriffen und das halte ich auch im Rückblick für richtig. Danach wurden nach und nach die Verbote gelockert, erst langsam dann schneller.

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Jetzt kommt aber ein großes Missverständnis – nicht alles was nicht verboten ist, muss man auch wieder machen! Der Staat hat uns die Verantwortung wieder übergeben. Gleichzeitig haben wir uns als Gesellschaft aber mit weiteren Lockerungen dafür entschieden, dass es nicht mehr zu 100% darum geht, dass wir Infektionen vermeiden, denn dann würde man keinen Freizeitpark öffnen, keine Kletterhalle, kein Freibad, keine Kneipe usw. öffnen. (...)

Fazit: Entweder wir machen wieder alles dicht oder wir nehmen ein gewisses Risiko in Kauf. Ich würde übrigens das Zweite sagen. Dennoch hätte ich im Detail das ein oder andere anders gemacht. Ich hätte z.B. nicht mehr vor den Ferien die Grundschulen komplett geöffnet, sondern die „Halbierung“ und Notbetreuung in Kraft gelassen.“

Grundschullehrer wettert gegen das Land

Vor knapp zwei Wochen hatte sich Kravanja im Video-Interview mit unserer Redaktion allerdings noch anders geäußert. „Die Lockerungen trage ich mit“, hatte er am 10. Juni in Bezug auf Lockerungen in Kitas und Schulen gesagt.

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„Mulmig ist mir dabei schon ein wenig zumute, trotz alledem glaube ich, dass wir das in kontrolliertem Rahmen durchführen können und durchführen sollten.“ Er sehe ein „riesiges Bedürfnis bei Eltern und Kindern, ein Stück Normalität im Schulalltag herzustellen“. Und ergänzte: „Im Zweifelsfall muss man eben Dinge wieder zurücknehmen, wenn sie aus dem Ruder zu laufen scheinen.“

Kritik, die Landesregierung missbrauche Lehrer und Schüler als „Versuchsballon“, empfinde er als Unterstellung.

Grundschul-Lehrer beklagt „Wahnsinn“ der Schulöffnung

Nun hält nicht nicht nur Kravanja hält die Öffnung der Schulen für einen Fehler. Das gilt auch für einen der Lehrer der Grundschule Am Hügel, der vom Corona-Fall dort direkt betroffen ist. Uli Boge ist Sportlehrer und war zuletzt als Fachlehrer unter anderem in der Klasse 1b tätig, in der das an Corona erkrankte Kind saß.

Jetzt sitzt er zu Hause in Quarantäne. Oder in „Hausarrest“, wie Boge das in einem Telefonat mit der Redaktion selbst nannte. „Ich habe das genau so kommen sehen. Das ist doch Wahnsinn, die Schulen kurz vor den Ferien wieder komplett zu öffnen. Unser Fall war vorprogrammiert“, wettert Boge in Richtung Landesregierung.

Das tut er nicht nur gegenüber unserer Zeitung. „Ich habe auch sofort an Ministerin Gebauer geschrieben, als die Pläne veröffentlicht wurden. Aber darauf habe ich natürlich keine Antwort erhalten“, erzählt der Grundschullehrer.

Eigentlich wollte er jetzt nicht nur Ferien machen, sondern hatte sich für ein halbes Jahr frei genommen, um nach Costa Rica zu reisen. Das wird jetzt erst mal nichts.

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