Die Maskenpflicht in der Fußgängerzone und der Lockdown zeigen bisher wenig Wirkung im Kreis Recklinghausen. © Thomas Schroeter
Coronavirus

Corona-Krise: Nächtliche Ausgangssperre droht auch in Castrop-Rauxel

Die Corona-Zahlen sinken nicht. Eine Studie empfiehlt dringend regionale Einschränkungen. In anderen Gebieten mit Inzidenzen wie im Kreis Recklinghausen wurden bereits Ausgangssperren verhängt.

Was das Robert-Koch-Institut am Wochenende meldete, stimmt in der Corona-Krise nicht gerade optimistisch: Aktuell ist weiterhin eine hohe Anzahl an Übertragungen in der Bevölkerung in Deutschland zu beobachten. Daher wird dringend appelliert, dass sich die gesamte Bevölkerung noch stärker als bisher für den Infektionsschutz engagiert.

Guckt man sich die aktuelle Entwicklung der 7-Tage-Inzidenz dazu im Kreis Recklinghausen an, kann man die Warnungen der Wissenschaftler nachvollziehen. Noch immer bewegt sich die Inzidenz weit über dem Bereich von 200. Dieser Wert war eigentlich ausgerufen worden, um an dieser Stelle regional weitere Einschränkungen einzuführen.

Im Kreis Recklinghausen passiert bisher nichts

Doch im Kreis Recklinghausen geschieht bislang nichts dergleichen. Neben den Beschränkungen, die das Land ausgerufen hatte, und den schon seit Wochen geltenden Maskenpflichten in Fußgängerzonen ist aus Recklinghausen bis heute keine weitere Maßnahme zur Eindämmung des Infektionsgeschehens erfolgt.

Dabei hatten Kanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten noch bei ihrem letzten Treffen unterstrichen, dass die Maßnahmen „bei besonders extremen Infektionslagen mit einer Inzidenz von mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern in einer Woche und diffusem Infektionsgeschehen … vor Ort nochmals erweitert werden.“

Wie unsere Grafik zeigt, liegt der Inzidenz-Wert im Kreisgebiet aber nun schon seit dem 11. Dezember konstant über der 200er-Marke, bewegt sich seit derzeit eher um die 250er-Marke als eine nachhaltig fallende Tendenz zu zeigen.

Dabei könnte eine regional verschärfte Einschränkung des öffentlichen Lebens die Zeit verkürzen, in denen bundesweite Beschränkungen nötig sind, wie schon im Juli vor der zweiten Corona-Welle eine Studie der Max-Planck-Gesellschaft aufgezeigt hat: „Die Ergebnisse der Studie sind eindeutig: Im Vergleich zu einer zentralisierten nationalen Strategie kann eine regionale Eindämmung den Zeitraum, in dem es für die Bürger zu Einschränkungen kommt, erheblich verkürzen – in einigen Fällen um den Faktor zehn.“ So heißt es bei der Max-Planck-Gesellschaft.

Ausgangssperre ist andernorts schon verhängt

Was könnte an härteren Maßnahmen anstehen, was ist in anderen Gebieten getan worden, um das Virus in seiner Ausbreitung einzuschränken, um auf jeden Fall eine drohende Überlastung der Intensivstationen in den Krankenhäusern zu vermeiden, was der Super-Gau wäre?

Eine besonders scharfe Maßnahme ist die Ausgangssperre. Sie kann jeden treffen. Der Kreis Lippe etwa hat eine solche Ausgangsbeschränkung angeordnet. Die häusliche Unterkunft darf demnach „in der Zeit von 22 Uhr bis 6 Uhr (an Silvester/Neujahr von 3 bis 6 Uhr) nur mit triftigem Grund, wie der Weg zur Schule, der Ausgang mit dem Hund, zur Arbeit, Kita sowie zum Arzt, für die Unterstützung Hilfsbedürftiger oder die Begleitung Sterbender verlassen werden“, heißt es auf der Seite des Kreises Lippe.

Düren liegt bei 241,1, Recklinghausen bei 244,4

Auch im Kreis Düren gelten nächtlichen Einschränkungen. Am 15. Dezember hat auch die Stadt Solingen wegen hoher Corona-Infektionszahlen eine nächtliche Ausgangssperre verfügt. Sie gilt zwischen 22 Uhr und 5 Uhr im gesamten Stadtgebiet. In dieser Zeit ist Bürgern der Aufenthalt außerhalb der eigenen Wohnung nur in Ausnahmefällen wie einem ehrenamtlichen Einsatz bei Hilfsorganisationen, medizinischen Notwendigkeiten oder der notwendigen Versorgung von Tieren erlaubt.

Sowohl der Kreis Lippe als auch die Stadt Solingen und der Kreis Düren waren in der zurück liegenden Woche zusammen mit dem Kreis Recklinghausen die Schlusslichter in der Inzidenz-Liste, die das Landesamt für Gesundheit täglich veröffentlicht. In Düren liegt der Wert am Sonntag (20.12.) bei 241,1, im Kreis Recklinghausen bei 244,4.

Landrat Bodo Klimpel und der Kommunalrat des Regionalverbands Ruhr hatten eine Ausgangssperre zuletzt zwar als letztes Mittel gewertet. Man werde aber handeln, wenn der Lockdown keine echte Wirkung zeigt. Danach sieht es im Augenblick vor Ort nicht aus.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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