Coronavirus: Musiker rechnen mit „Zitterpartie“, bislang gibt es aber noch keine Absagen

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Eskimo Callboy gehen auf Russland-Tournee, Seven Cent warten ab und Markus Malchow sorgt sich um das Wohl seines Publikums. Das Coronavirus könnte Teile der Musikbranche empfindlich treffen.

Castrop-Rauxel

, 14.03.2020, 17:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus ziehen weitere Kreise. Inzwischen ist auch die Musikbranche davon betroffen. Veranstaltungen mit mehr als 1000 Besuchern sollen in NRW nicht mehr stattfinden. Wir haben uns umgehört, wie die heimische Musikszene damit umgeht.

Die Castrop-Rauxeler Band Eskimo Callboy will Ende März zu ihrer Russland-Tournee aufbrechen, wo sie jeweils vor mehreren hundert Besuchern auftritt. „Wir wollen die Tour spielen“, sagt Sänger Kevin Ratajczak auf Nachfrage der Redaktion, „wir haben da Bock drauf. Aber es ist natürlich auch eine wirtschaftliche Entscheidung.“

Festival-Situation wird schwierig

Schaue man darauf, dass nach und nach immer mehr Veranstaltungen abgesagt werden, „ist das schon eine kleine Herausforderung für Leute, die von Live-Einnahmen leben“, so Ratajczak. Seiner Band bliebe immerhin noch, im Studio am nächsten Album weiter zu arbeiten und so Einnahmen zu generieren.

Viel härter könnten die Beschränkungen die großen Konzertveranstalter treffen. „Festivals gehen in Vorkasse, die haben im Vorfeld bereits Millionen ausgegeben. Das könnte ihr Ruin sein“, sagt Ratajczak. „Bereits jetzt gibt es Forderungen an den Staat, solche Ausfälle aufzufangen. Aber wie soll das bitte alles funktionieren?“

Für große Festivals gebucht

Eskimo Callboy sind für Rock am Ring und Rock im Park (5. bis 7. Juni) gebucht. Vorher steht für die heimische Metalcore-Formation das Impericon-Festival (11. bis 19. April) im Kalender mit den Stationen Leipzig, Oberhausen und München .

Nun soll es aber zunächst nach Russland gehen. Ratajczak: „Anschließend bin ich gespannt, was die Zukunft bringt. Das wird für uns alle eine kleine Zitterpartie.“

Seven Cents Auftritt in der Stadthalle Castrop-Rauxel an Weiberfastnacht. Zum Tanz in den Mai will die Coverband in der Waltroper Stadthalle spielen. Musiker und Veranstalter warten die Entwicklungen ab.

Seven Cents Auftritt in der Stadthalle Castrop-Rauxel an Weiberfastnacht. Zum Tanz in den Mai will die Coverband in der Waltroper Stadthalle spielen. Musiker und Veranstalter warten die Entwicklungen ab. © Christian Püls

Die bekannte Castrop-Rauxeler Cover-Band Seven Cent stand zu Weiberfastnacht noch auf der Bühne. Unbeschwert wurde in der Stadthalle gefeiert. Der nächste geplante Auftritt wäre am 30. April zum Tanz in den Mai in der Waltroper Stadthalle.

„Bis zum 30. April ist es ja noch etwas hin“, teilt die Band auf Nachfrage der Redaktion mit, „wir und die Veranstalter werden zeitnah Entscheidungen treffen.“ Diese Auftritte sind für die Bandmitglieder lediglich ein Nebenerwerb. „Wir müssen nicht davon leben“, erklärt die Band, „unsere Nebenkosten für den Proberaum sind bereits finanziert.“

Update: Am Freitag, 13. März, gab die Stadt Waltrop auf Ihrer Homepage bekannt: „Alle Veranstaltungen des Kulturbüros bis einschließlich 01.05.2020 entfallen.“ Somit ist der Tanz in den Mai mit Seven Cent abgeblasen.

Markus „Marlow“ Malchow muss abwarten

Eine gewisse Sonderstellung - was sein Publikum angeht - nimmt Markus „Marlow“ Malchow ein. Seine musikalische Dienstleistung nennt sich Musicare. Er geht in Altenheime, Krankenhäuser und Seniorenresidenzen, um in kleinen Gruppen gemeinsam zu singen. Das ist sein Hauptberuf, er beschäftigt drei Mitarbeiter.

„Bis jetzt ist noch kein Termin abgesagt worden“, erklärt Malchow, „aber man macht sich halt seine Gedanken.“ Absagen könnten jederzeit kommen, beispielsweise falls die Besuchsregelung aufgrund des Coronavirus eingeschränkt wird. Bislang gehe aber alles seinen normalen Gang.

Markus Malchow hat sich vor einigen Jahren mit Musicare selbstständig gemacht. Der Castrop-Rauxeler, hier im Proberaum an der Wartburgstraße, und seine drei Mitarbeiter besuchen Senioren in Wohneinrichtungen, um mit ihnen zu musizieren. Damit verdient er sein Geld.

Markus Malchow hat sich vor einigen Jahren mit Musicare selbstständig gemacht. Der Castrop-Rauxeler, hier im Proberaum an der Wartburgstraße, und seine drei Mitarbeiter besuchen Senioren in Wohneinrichtungen, um mit ihnen zu musizieren. Damit verdient er sein Geld. © Christian Püls

Würde alles abgeriegelt und käme er nicht mehr zu seinem Publikum, wäre der „Geldhahn zugedreht, dann sähe es für mich schlecht aus. Das ist aber ein Risiko, das jeder Selbstständiger hat, wenn er seine Dienstleistung nicht mehr anbieten kann.“ Malchow singt mit Senioren alte Volks-, Wander- und Tanzlieder; teils zur Unterhaltung, teils im Rahmen von Demenz-Therapie.

Handwaschregeln in der Musikschule

Bei der Rock‘n‘Roll-Musikschule an der Wartburgstraße geht man offensiv mit dem Thema Corona um. „Wir haben unsere Lehrer zu grundlegenden Hygienemaßnahmen informiert und an unseren Waschbecken Regeln für das richtige Händewaschen aufgehängt“, erklärt Musiklehrer Patrick Nagel. Manche Schüler würden auf das Händeschütteln verzichten, was für diese Jahreszeit aber nicht ungewöhnlich sei. Aktuell sei nicht vorgesehen, das Angebot einzuschränken.

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