Coronavirus in NRW ausgebrochen: Kreis Recklinghausen reagiert

mlzLungenkrankheit

Der erste Fall in NRW im Kreis Heinsberg ist da: Der Coronavirus ist in der Region angekommen. Dort blieben Schulen und Kitas Mittwoch geschlossen. Der Kreis Recklinghausen bereitet sich vor.

Castrop-Rauxel, Haltern

, 26.02.2020, 14:17 Uhr / Lesedauer: 2 min

Was tun die Schulen? Wie reagieren Kindertagesstätten? Diese Frage stellen sich viele Menschen in der Region, seitdem bekannt ist, dass der Coronavirus aktuell nicht nur Deutschland, sondern Nordrhein-Westfalen erreicht hat. In Dortmund wurde am Mittwoch eine Veranstaltung abgesagt, bei der viele Italiener zu Gast sein sollten.

Als Behörde zuständig sind im Kreis Recklinghausen nicht die Städte, sondern das Kreis-Gesundheitsamt. Jochem Manz, Pressesprecher des Kreises Recklinghausen, sagte mittags auf Anfrage unserer Redaktion: „Das Gesundheitsamt ist seit geraumer Zeit auf den Fall der Fälle vorbereitet.“

Drei Heimkehrer-Paare von Kreuzfahrtschiff

Das liegt daran, dass es im Kreis Recklinghausen sechs Heimkehrer (drei Ehepaare) vom Kreuzfahrtschiff Westerdam gab. Die MS Westerdam hatte Schlagzeilen gemacht, weil ihr in vielen asiatischen Häfen das Einlaufen untersagt wurde – aus Sorge vor einer Einschleppung des Virus. Erst Kambodscha stimmte dem Andocken zu. 57 deutsche Passagiere waren an Bord.

Erst gab es keinen Fall auf dem Schiff, doch eine Amerikanerin wurde auf ihrer Heimreise in Malaysia positiv getestet. Das änderte die Situation für die „Westerdam“ und warf die Pläne der Heimkehrer durcheinander. „Dadurch hatten wir erste Berührungspunkte“, sagt Kreissprecher Jochem Manz.

Aber keine, die ihn beunruhigen: „Letzter Stand ist, dass die Leute bis Ende dieser Woche auf ihre Gesundheit achten müssen.“ Sie seien aber vom Robert-Koch-Institut schon herabgestuft worden – „und bisher haben wir keine Rückmeldung auf Erkrankungen“, so Manz.

Das ist der Maßnahmen-Katalog

Wenn ein Fall auftauchen würde, wie nun in Heinsberg geschehen, würde das bedeuten, dass der Katalog der Infektionsschutz-Maßnahmen gelte.

  • Die Person wird in ein Krankenhaus gebracht, isoliert und behandelt. Der Kreis kann hier eine Einweisung verpflichtend aussprechen. Das Prosper-Hospital Recklinghausen und das Elisabeth-Krankenhaus in Dorsten sind dafür die vorgesehenen Standorte, da die Kliniken über spezielle technische Vorrichtungen zur Isolierung von Patienten verfügen.
  • Dann wird abgeklopft, zu welchen anderen Personen sie in den vergangenen Tagen Kontakt hatte. Eine Inkubationszeit von 14 Tagen ist entscheidend, in der keine Symptome auftreten.
  • Der Kreis Recklinghausen kann zur Vorsicht eine häusliche Quarantäne für Einzelne aussprechen.
  • Außerdem kann der Kreis nach dem Infektionsschutzgesetz Veranstaltungen verbieten, Schulen und Kitas schließen.

Kreissprecher Jochem Manz erklärt: „Alle Krankenhäuser sind in der Lage, Personen zu isolieren. Die haben aber andere Schleusensysteme. Recklinghausen und Dorsten haben technisch eine andere Qualitätsstufe.“

Kein Vorgehen wie im Kreis Heinsberg

Einrichtungen schließen, so Manz, würde man nicht nach der Rasenmähermethode: „Das machen wir vom Einzelfall abhängig. Wer ist betroffen? Schüler, Erzieher, Eltern?“

Der Kreis schlösse gezielt einzelne Einrichtungen, nicht gleich alle in einer Stadt, so Manz. „Man muss das realistisch betrachten und sehen: Wo ist der Betroffene? Dann treffen wir eine Risikoabwägung.“ Die Coronavirus-Epidemie sei nicht das erste Mal, dass man diesen Maßnahmenkatalog beachte. „Die Schritte, die zu ergreifen sind, sind uns bekannt“, so Manz.

Wichtig sei: „Wir haben keinen Fall, darum gibt es keinen Grund, Maßnahmen zu ergreifen. Der Kreis ist vorsichtig, trifft Vorsorge und wird einen Krisenstab einberufen, wenn es erste Fälle gibt.“

Der wichtigste Hinweis in dieser Situation sei trivial und bekannt: Menschen sollten die Handhygiene beachten. „Mehrfach am Tag gründlich waschen, in die Armbeuge husten - all das, was man bei einer normalen Grippe beachten solle“, so Manz.

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