Regierung macht Einzelhandel dicht: Viele Castrop-Rauxeler Geschäfte müssen vorerst schließen

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Einzelhändler in der Castrop-Rauxeler Altstadt sind sich am Dienstag unsicher, ob sie schließen müssen. Gegen Abend scheint mehr Klarheit zu herrschen. Doch dann ändert sich noch mal alles.

von Marian von Hatzfeld und Matthias Langrock

Castrop-Rauxel

, 17.03.2020, 21:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Angst sich zu halten hat jeder, egal ob klein oder groß, egal ob Kette oder nicht“, sagt eine Angestellte von Blumen Risse (Am Markt 7) und drückt damit die Besorgnis von Angestellten, Geschäftsführern und Betreibern von Geschäften in der Castrop-Rauxeler Innenstadt aus.

Viele Castrop-Rauxeler Geschäfte haben Maßnahmen getroffen, um ein Ansteckungsrisiko mit dem Coronavirus zu verringern. Sie haben Desinfektionsmittel bereitgestellt, weisen auf Aushängen auf die Hygieneregeln hin und lassen zwischen Gästen immer einen Tisch frei. Dennoch hat die nordrhein-westfälische Landesregierung am Dienstag die Regelungen für den Einzelhandel und die Gastronomiebetriebe weiter verschärft.

Gaststätten sollen ab Mittwoch (18.3.) schon um 15 Uhr schließen; Kneipen und Cafés müssen laut Erlass ganz dichtmachen. „Wir nehmen es, wie es kommt“, kommentiert Lilli Leuthold, Betreiberin von Leuthold’s 1910 Brasserie.

„Alles mitnehmen, was geht“

Die Brasserie hält sich schon am Dienstag an die von der Regierung geforderten Maßnahmen. So findet man auf dem Tresen unter anderem einen Zettel, auf dem sich die Gäste zur vorgeschriebenen Kontaktaufnahme eintragen müssen, direkt neben einem bereitgestellten Desinfektionsmittel.

Bis zu einer möglichen zeitlich begrenzten Schließung wolle die Betreiberin „alles mitnehmen, was noch geht“ und „notfalls nach Schließung liefern“, um auch die „Ware in den Kühlhäusern nicht wegwerfen zu müssen“.

Leuthold´s 1910 Brasserie war am Dienstag noch gut besucht. Zu gut, wenn es nach dem Willen der Landesregierung geht. Gastronomien müssen sich ab Mittwoch (18.3.) weiter einschränken.

Leuthold´s 1910 Brasserie war am Dienstag noch gut besucht. Offenbar zu gut, wenn es nach dem Willen der Landesregierung geht. Gastronomien müssen sich ab Mittwoch (18.3.) weiter einschränken. © Marian von Hatzfeld

Das Problem, so haben es auch die Regierungsvertreter am Mittag in Düsseldorf formuliert: Die Menschen halten sich nicht an das, was der Regierung vorschwebt. Den ganzen Nachmittag sitzt eine Gruppe junger Menschen vor dem „1910“. Von Abstand kann bei ihnen kaum die Rede sein.

Emotionale Botschaft der Eisdiele Hitzefrei

„Am wichtigsten ist es uns natürlich, dass alle unsere kleinen und großen Eisfans gesund bleiben.“ Diese emotionale Botschaft steht neben Maßnahmen für die Angestellten und Hilfestellung für die Kunden an einem Aushang an der Filiale der Eisdiele Hitzefrei (Am Markt 23).

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„Wir leben momentan von Tag zu Tag“, sagt Shahab Nouri, ein Gesellschafter des „jungen Start-Ups“, und weist damit auf die täglich neue Informationslage bezüglich des Coronavirus hin. Im Betrieb herrschen „hohe Hygienemaßnahmen“ erläutert Nouri.

Eine neue zusätzliche Regelung sei unter anderem, dass das Eis momentan ausschließlich in Bechern ausgegeben werde und nicht mehr in Hörnchen. Auch in der Eisdiele wird ein Desinfektionsmittel im Verkaufsbereich zur Verfügung gestellt.

„Gucken, ob wir das überleben“

Eine mögliche, zeitlich begrenzte Schließung würde auch das Start-Up treffen. „Wir müssten gucken, ob wir das als Betrieb überleben“, zweifelt Nouri. Eine Schließung würde er zudem bedauern, „weil gerade Eis einen Glücksmoment und eine Auszeit in dieser turbulenten Zeit bringt“.

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Wie genau die Regelungen für den Einzelhandel ab Mittwoch aussehen, weiß bis zum späten Nachmittag auch die Castrop-Rauxeler Stadtverwaltung nicht genau. Erst kurz vor 18 Uhr legt das Landes-Gesundheitsministerium einen Erlass vor. Der stellt klar: Einzelhandelsgeschäfte dürfen weiter öffnen, müssen aber „erforderliche Maßnahmen zur Hygiene, zur Steuerung des Zutritts und zur Vermeidung von Warteschlangen“ treffen.

Manche Castrop-Rauxeler Einzelhändler haben den Erlass aber gar nicht abgewartet: Unter anderem teilen „Zimmer-Manufakturschmuck“ (Am Markt 25) und zwei Textilgeschäfte in der Innenstadt mit, sie würden am Mittwoch nicht öffnen.

Wie prophetisch sie damit handeln, ahnen sie zu diesem Zeitpunkt wohl selbst nicht: Denn um kurz vor 22 Uhr verschickt die Landesregierung einen Tweet, der die Lage wieder komplett auf den Kopf stellt: „Der Einzelhandel in Nordrhein-Westfalen wird ab Mittwoch grundsätzlich geschlossen“, heißt es da.

Ausnahmen gälten noch für Lebensmittel-Einzelhändler, Drogerien, Apotheken, aber auch Baumärkte und ein paar weitere Branchen. Auch Handwerker und Dienstleister „können ihrer Tätigkeit weiter nachgehen“, heißt es in dem Erlass.

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