Daniel Schwarzmann: Priester sein ist "cool"

CASTROP-RAUXEL Bei einem Ferienaufenthalt vor zehn Jahren im noch vom Krieg gebeutelten Bosnien hat Daniel Schwarzmann (27) "coole Priester" kennen gelernt. Für den Castrop-Rauxeler ein Aha-Erlebnis. Er selber spricht von dem Beginn seiner Berufung, die am Samstag in Rheda-Wiedenbrück in der Weihe zum Diakon gipfelt.

von Von Christoph Witte

, 19.06.2008, 15:16 Uhr / Lesedauer: 2 min

Noch befindet sich der studierte Theologe gemeinsam mit vier anderen Weihekandidaten im Kloster Marienrode bei Hildesheim, um sich zu besinnen, zu beichten und auch um ein letztes Mal zu überlegen, ob man den richtigen Weg einschlägt. "Priester werden ist ja durchaus etwas Ungewöhnliches heutzutage", sagt Daniel Schwarzmann. Doch seine Entscheidung steht fest, ohne Wenn und Aber. "Die Berufung lässt einen nicht mehr los."

Sicherlich war es nicht immer einfach, sich ein Leben ohne eigene Familie vorzustellen, räumt der angehende Diakon ehrlich ein. "Ich hatte in der Oberstufe am ASG ja auch eine Freundin und habe die Zeit genossen."

Abenteuer und Freiheiten

Aber inzwischen sieht Daniel Schwarzmann das Leben als katholischer Pfarrer als ein "Abenteuer" mit vielen Freiheiten. "Ich habe mehr Zeit für soziale Dienste und die Gemeinde", meint der Castrop-Rauxeler. In seiner künftigen Priesterrolle sieht er sich "in erster Linie als Sozialarbeiter und Seelsorger, auch wenn das die Kirche nicht so gerne hört". Dabei konnte er sich den Dienst am Menschen und für den Menschen lange Zeit auch als Mediziner vorstellen. Den Studienplatz in Bochum hatte er bereits sicher und seine Arbeit als Rettungssanitäter bedeutete ihm viel: "Ich habe aber schnell gemerkt, dass mein Talent nicht im medizinischen Bereich liegt, dafür den Menschen gut zuhören und Trost spenden konnte."

Handlanger Christi

Den Menschen im Sinne Jesus Christis helfen, so versteht Daniel Schwarzmann seinen Beruf im Kern. Deswegen lautet sein Primiz-Spruch auch: "Ihr aber seid Handlanger Christi und Verwalter seiner Geheimnisse." Mit Geheimnissen, so Schwarzmann, seien die Sakramente wie Taufe, Trauung und Eucharistie gemeint. Und auf diese Aufgaben freut er sich besonders. "Ich habe schon einige Terminanfragen aus dem Bekanntenkreis", sagt er und benutzt wieder dieses Wort, das aus Priestermund zunächst komisch klingt: "Das ist schon cool."

Daniel Schwarzmann, so viel ist sicher, möchte die freudige Seite der Kirche zeigen und leben: "Für mich ist die Kirche wie eine liebe Oma: Sehr weise, aber manchmal auch etwas veraltet." 

In Ickern zu Hause

Daniel Schwarzmanns Heimatgemeinde ist St. Barbara in Ickern. Sein Diakonat absolviert er in der St. Johannes Baptist-Gemeinde in Herford. Studiert hat Schwarzmann Theologie in Münster, Rom und Paderborn. Thema seiner Diplomarbeit: Armut in Deutschland am Beispiel der Dortmunder Tafel. Sein Cousin Nils Petrat wurde dieses Jahr zum Priester geweiht.

Das Diakonat bildet in der katholischen Kirche die unterste Stufe des Weihesakraments. Es folgen Priester und Bischof. Die Diakonweihe von Daniel Schwarzmann findet in der St. Aegidius zu Rheda-Wiedenbrück statt. Schwarzmann nimmt dort in seiner Predigt Bezug auf die Freude der Fußballfans bei der EM. Am 30. Mai 2009 steht die Priesterweihe in Paderborn an.

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