Thorsten Stiller im Kriechkeller, der sich 240 Meter lang unter dem Rathaus hinzieht. © Ronny von Wangenheim
Wir öffnen Türen

Das Rathaus von unten: Unterwegs im 1,57 Meter hohen Kriechkeller

Thorsten Stiller und Axel Wittich sind die Hausmeister im Rathaus. 12 bis 15 Kilometer legt jeder von ihnen am Tag zurück. Manchmal geht das nur im Entengang. Zum Beispiel unter dem Ratssaal.

Thorsten Stiller (38) führt hinab in den Keller. Da wo das Herz des Rathauses schlägt. Gleich geht es noch tiefer hinein in die Blutbahnen und Venen der Stadtverwaltung. Der Hausmeister öffnet eine kleine Tür: „Wollen Sie wirklich da rein?“, fragt er. Ja, wir wollen, auch wenn man erst ein wenig gebückt klettern muss, und auch dann nicht gerade stehen kann.

Wir sind im Kriechkeller und der Name sagt schon alles: Maximal 157 Zentimeter hoch sind die Gänge, häufig versperren Rohre und Leitungen an der niedrigen Decke zusätzlich den Weg. Irgend ein Vorgänger hatte hier einen Liegestuhl deponiert, erzählt Axel Wittich (52). Warum – das Geheimnis hat er mitgenommen.

In dem Kriechkeller liegt alles, was für die Versorgung notwendig ist. Der eine, noch etwas unzugänglichere, liegt unter dem Ratssaal. Es riecht streng. Irgendwo müssen Abwasser fließen. Eine schräge Rampe weist daraufhin, dass hier auch mal Wasser abfließen kann. Durch kleine Durchbrüche geht es noch weiter, doch so genau wollen wir es dann doch nicht wissen.

Kriechgang führt vom Treppenhaus A bis zum Treppenhaus F

Der andere Kriechkeller ist so lang wie das Rathaus. Auf 240 Metern sind Kilometer von Kabeln, Leitungen und Rohren verlegt. Abwasser, Feuerlöschwasser, Strom, Heizung, Netzwerk-Leitungen, alles ist hier untergebracht. Müssen Wasser abgestellt, die Brandmeldeanlagen überprüft, Ventile an den Heizungen erneuert oder ein Defekt gefunden werden, geht es für die beiden Hausmeister in die Kriechtunnel. „240 Meter im Entengang, da weiß man, was man getan hat“, sagt Torsten Stiller lächelnd.

Die schiefe Ebene im Kriechkeller unter dem Rathaus dient dem Wasserabfluss. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Immerhin 12 bis 15 Kilometer legen die Hausmeister täglich zurück. Zwischen 5.30 und 21 Uhr arbeiten sie in zwei Schichten. „Irgendwas ist immer zu tun“, sagt Axel Wittich und lacht. „Wir haben 499 Büros und knapp 1000 Chefs hier“. Die Versorgung des Gebäudes, die Arbeit im Kriechkeller oder bei den Lüftungs- und Klimaanlagen macht nur ein Bruchteil der Aufgaben aus.

Die Hausmeister Axel Wittich (l.) und Thorsten Stiller an der Lüftungsanlage im Keller des Rathauses.
Die Hausmeister Axel Wittich (l.) und Thorsten Stiller an der Lüftungsanlage im Keller des Rathauses. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Wittich ist gelernter Automechaniker, Stiller gelernter Tischler. Fast alles machen sie selbst, wie sie erzählen. Sie sind viel in den Büros unterwegs. Möbel schleppen, Müll entsorgen, verstopfte Toiletten reinigen und für neue Handseife sorgen – alles gehört zu ihrem Job.

Auf dem Dach wird die Photovoltaikanlage gewartet

Keine Zuschauer haben sie dabei definitiv nur im Keller oder oben auf dem Dach. Dort ist die Photovoltaikanlage installiert. Auch hier sind Wartungsarbeiten notwendig. Einen weiten Blick hat man vom Dach. Selbst im Winter kann man sehen, wie grün Castrop-Rauxel ist.

Das Gerät im Vordergrund transportierte früher den Fensterputzer. Es funktioniert aber nicht mehr.
Das Gerät im Vordergrund transportierte früher den Fensterputzer. Es funktioniert aber nicht mehr. © Ronny von Wangenheim © Ronny von Wangenheim

Beim direkten Blick runter fällt das in den Rasen gemähte Wappen der Stadt auf. Axel Wittich richtet nachmittags gerne seinen Blick etwas weiter in die Stadt. Dann kann er sehen, ob sein Kollege schon den Feierabend im Garten genießt.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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