Das steckte hinter der Friedhofsleuchten-Demo an der Kreuzung in Henrichenburg

mlzSchweinemast-Protest

Ein Schweinelaster kippte vergangene Woche auf der A2-Ausfahrt auf die B235 in Henrichenburg. Zwei Tage später standen an der Stelle Friedhofskerzen und Demonstranten. Was sollte das?

Henrichenburg

, 04.02.2019, 16:43 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Unfall hatte für drei Schweine fatale Folgen: Sie ließen ihr Leben, als der Schweinetransporter auf der B235 außer Kontrolle geriet und auf die Fahrbahn kippte. Er wollte von der A2 aus in Richtung Datteln abbiegen. Beim Aufprall lösten sich Teile der Verkleidung. Einige Tiere büxten aus, drei Schweine wurden vom Veterinäramt, wie es hieß, sachgerecht getötet. Vermutlich hätten sie sonst auch nicht mehr allzu lange gelebt...

Verkehrsprobleme und eine spontane Kurz-Kundgebung

Jedenfalls löste der Unfall nicht nur Verkehrsprobleme auf der viel befahrenen Route aus. Feuerwehr und Polizei mussten die Straße einige Zeit sperren, um den Laster mit einem Kran zu bergen und die Schweine einzufangen, die kurzzeitig frei umherliefen. Sie wurden dann in einen Ersatz-Transporter verladen und vermutlich wenig später zu Fleisch verarbeitet. Dagegen setzt sich die Bürgerinitiative „Stoppt Westfleisch“ ein - und in diesem Falle auch an Ort und Stelle in Henrichenburg.

Das steckte hinter der Friedhofsleuchten-Demo an der Kreuzung in Henrichenburg

Friedhofskerzen am Straßenrand: Eine Anti-Massentierhaltungs-Bewegung aus Oer-Erkenschwick demonstrierte nach dem Unfall des Schweinelasters in Henrichenburg damit gegen die Fleisch-Industrie. © BI Stoppt Westfleisch

Am Mittwoch, zwei Tage nach dem Unfall, versammelte sich eine Handvoll Aktivisten an der Unfallstelle und stellte Plakate und Friedhofskerzen auf, um gegen die Massentierhaltung zu demonstrieren: „Solche Unfälle entstehen nur dadurch, dass Tiere als Ware und nicht als fühlende Wesen angesehen werden“, hieß es von der Gruppe. Nach einiger Zeit löste sich die Kundgebung auf, nicht aber, ohne Aufsehen erzeugt zu haben.

BI kämpft vor allem gegen Schlachtfabrik-Erweiterung

Aber wer und was steckte eigentlich dahinter? „Wir veranstalten Mahnwachen, um auf das Tierleid in Massentierhaltungen hinzuweisen“, sagte Heike Doradzillo-Gehmeyr auf Anfrage unserer Redaktion. Die Aktivisten kommen aus Oer-Erkenschwick und Umgebung und protestieren als Bürgerinitiative gegen die Erweiterung des Werks des Fleischwaren-Unternehmens Westfleisch in Oer-Erkenschwick am Hübelkamp. Schweinelaster, die von der A2 kommen, verlassen die Autobahn in Henrichenburg und fahren dann weiter in die riesige Fabrik, die sogar noch vor einer Erweiterung steht.

Das steckte hinter der Friedhofsleuchten-Demo an der Kreuzung in Henrichenburg

Mario Bochtler engagiert sich in der Tierschutzpartei Marl und demonstrierte mit Transparenten und Plakaten an der Unfallstelle an der Autobahnausfahrt in Henrichenburg. © BI Stoppt Westfleisch

Die Zahl der Tiertransporte, gemessen in Lkw-Bewegungen, würde laut Planern von derzeit 652 auf dann 1.220 pro Tag ansteigen. Die Zahl der Schlachtungen, laut Petition der Bürgerinitiative 55.000 Schweine pro Woche, soll verdoppelt werden auf rund 100.000. Die Bürgerinitiative „Nein zur Westfleisch-Erweiterung“ sammelte 2018 Tausende Unterschriften dagegen.

Diese Aktivisten stecken hinter der BI

Hinter der Bürgerinitiative stecken Heike Doradzillo-Gehmeyr von den Grünen Oer-Erkenschwick, Anne Breidung, Stefanie Zorg-Klinger (Linke OE), Manfred Reinartz (BUND OE) sowie Sonja Henniges (Recklinghausen), Birgit Lueg (OE) und Mario Bochtler von der Tierschutzpartei Marl. Die Kerzen sammelte die BI nach dem Protest wieder ein, hieß es im Nachgang der Aktion.

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Sie ist gerade um diese Uhrzeit viel befahren: die B235 in Henrichenburg an der A2. An diesem Montag aber waren ab 16.30 Uhr Schweine auf der Straße unterwegs. Von Tobias Weckenbrock, Christian Püls

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