Den Castrop-Rauxeler Bäckern tun weggeworfene Brötchen weh

mlzAlte Brötchen

Ein frisches Brötchen oder Brot – am besten noch abends. So wollen wir Kunden das von unseren Bäckern. Gleichzeitig landen viele Lebensmittel auf dem Müll. Was passiert damit?

Castrop-Rauxel

, 08.02.2019, 05:23 Uhr / Lesedauer: 2 min

Wenn die Backstube Vieting an der Ickerner Straße um 13 Uhr schließt, bedeutet das nicht immer, dass auch alle Brötchen, Sahneteilchen und Puddingplätzchen über die Theke und in die Mägen hungriger Kunden gewandert sind. Der Dortmunder Mitja Wolf ist Bäckermeister in der Bäckerei Vieting, eine Ewigkeit schon, wie es ihm vorkommt. „Natürlich bleibt jeden Tag etwas über, das passiert eben. Dass alles verkauft wird, kommt nicht wirklich vor.“ Und damit ist seine Backstube nicht die Einzige.

Alarmierende Zahlen präsentierte die Umweltorganisation WWF im Herbst 2018. In manchen Geschäften bleibe jede fünfte Backware liegen, so eine Studie. Im Schnitt lägen die Retouren der Bäckereien zwischen 12 und 15 Prozent. Auffällig sei, so der WWF, dass in kleineren Handwerksbetrieben „weitaus weniger Retouren zu beklagen“ seien. Mittlere und große Backwarenunternehmen hätten dagegen Verluste von bis zu 19 Prozent.

Es gibt keine genauen Zahlen und Studien

Mitja Wols ist mit der Retoure in seiner Bäckerei zufrieden. „Brot und Kuchen bleiben über, das schreiben wir uns dann auf und orientieren uns an den Zahlen. Aber meistens ist es wirklich nicht viel.“ Genaue Zahlen und Studien fehlen. Sowohl der WWF beklagt fehlende valide Zahlen als auch der Bäckerinnungsverband Westfalen-Lippe. „In der Tat gibt es keine flächendeckenden Studien, wie hoch die Retourenquote in den Betrieben ist“, heißt es von dort.

Den Castrop-Rauxeler Bäckern tun weggeworfene Brötchen weh

Auch bei der Bäckerei Vieting an der Ickerner Straße 46 wird nicht jeden Tag alles verkauft. Bäckermeister Mitja Wols sagt: „„Natürlich bleibt jeden Tag etwas über, das passiert eben.“ © Marc-André Landsiedel

Was passiert aber mit den alten Backwaren, die am Tag nicht verkauft wurden? „Was als Lebensmittel weiter verwendet werden darf, wird in den allermeisten Fällen an Tafeln weitergegeben“, sagt Michael Bartilla von der Innung. Produkte mit Fleischanteilen dürften nicht weitergegeben werden. Die zweite Möglichkeit ist Tierfutterverwertung. Rund 400.000 Tonnen überschüssige Backwaren würden pro Jahr in Deutschland verfüttert, vor allem in der Schweinemast, so der WWF.

Oder schmeißen Bäcker ihr nicht verkauftes Brot einfach in den Müll? Der Bäckerinnungsverband Westfalen-Lippe weist das zurück. „Das macht finanziell keinen Sinn. Tafeln holen es kostenlos ab. Den Müll müssen sie bezahlen“, sagt Michael Bartilla.

So plant die Bäckerei Vieting den täglichen Bedarf

Den Bedarf zu planen ist für die Bäcker nicht einfach. Das Gewerbe ist stark vom Wetter abhängig. Wenn es regnet und kalt ist, bleiben die Leute zu Hause und kaufen keinen Kuchen. Die Bäckerei Vieting schreibt für die Planung alles traditionell auf - mit modernen Mitteln, wie einer Software, wird hier nicht gearbeitet. Dann wird anhand von Erfahrung und den Notizen der vergangenen Tage geschätzt, wie viel von allem produziert werden muss. „Es kommt halt auf die Laufkundschaft an, da können auch mal spontan viel mehr oder viel weniger Leute kommen“, sagt Mitja Wols.

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Wenn Kunden per Telefon oder App vorbestellen, kann das helfen, die Retouren zu vermeiden, so Michael Bartilla von der Innung: „Wenn wir das reduzieren wollen, können wir es nur gemeinsam mit den Kunden tun.“

Auch Bäckermeister Mitja Wols von Vieting in Ickern wünscht sich das. „Jedes weggeworfene Brötchen ist weggeworfenes Geld“, sagt er. Bei ihm melden sich die meisten Kunden am selben Tag per Telefon, wenn sie etwas vorbestellen möchten. Würden sie dies vermehrt tun, könnten Kunden der Bäckerei ihre Brötchen direkt frisch aus dem Ofen auf den Teller bekommen und dazu beitragen, die Verschwendung von Brot zu verringern.

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