Matthias Klar betrachtet die jungen Bäume, die im Grutholz eingesetzt werden, um den Wald zu retten. Der Förster sicherte sich 18.000 Jungpflanzen bei der Aktion "Eine Million Bäume". © Tobias Weckenbrock
Groß-Aufforstung

„Der ganze Wald wird sterben!“ 12.000 neue Bäume sollen Grutholz retten

Das Grutholz ist einer der schönsten Wälder in Castrop-Rauxel. Wenn man ihm jetzt nicht helfen würde, droht ihm Dramatisches: „Der ganze Wald wird sterben“, sagt der Förster. Und tut etwas.

Das Wildgehege, der Spielplatz, die Wander- und Spazierwege, die frische Luft, die schöne Natur: Kaum ein Wald in Castrop-Rauxel ist so schön wie das Grutholz. Gerade in der Corona-Zeit, in der viele Menschen ihre Freizeit vermehrt auch in den heimischen Wäldern verbringen, wird das deutlicher denn je. Doch der Wald ist in Gefahr.

Um das deutlich zu machen, sagt Revierförster Matthias Klar (62) klipp und klar: „Der ganze Wald wird sterben. Das erkläre ich in den Ausschüssen und Sitzungen schon seit drei, vier Jahren.“ Wenn man jetzt nicht etwas dagegen täte.

Der Grund: Der 90 Hektar große Laubwald, der vor rund 170 Jahren angelegt wurde, wurde an vielen Stellen Opfer des Pfingststurms Ela. Damals, im Jahr 2014, wurden auf mehreren größeren Flächen zum Teil 160 Jahre alte Buchen und Eichen entwurzelt oder abgeknickt.

Gefährlicher Prozess setzte sich in Gang

Dadurch setzte sich ein Prozess in Gang, der dem Wald nun schwer zusetzt. Auf den betroffenen Flächen änderte sich damals von jetzt auf gleich der Lichteinfall. Plötzlich waren viele Bäume, die den Sturm überstanden, mancherorts bis unten auf dem Boden an den Stämmen der Sonneneinstrahlung voll ausgesetzt. Dadurch kam es zu einem Phänomen, das sich Rindenbrand nennt: Die Saftströme brachen ab, die das Wasser aus dem Boden über die Wurzeln durch die Haut des Baumstammes, Borke oder Rinde, in die Krone verteilte. Hinzu kamen zuletzt drei Sommer mit extremer Trockenheit.

Revierförster Matthias Klar im Grutholz: Der Experte warnt seit drei, vier Jahren, dass der Wald vor dem Tod steht.
Revierförster Matthias Klar im Grutholz: Der Experte warnt seit drei, vier Jahren, dass der Wald vor dem Tod steht. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Schwerpunktmäßig davon betroffen sind die Buchen. „Die alten Buchen haben keine Chance! Ich befürchte aber, dass das auf die Eiche auch zukommt. Nur später, denn sie hat tiefere Wurzeln.“ Auf dem lehmig-tonigen Untergrund kann sie damit noch länger an das Grundwasser heran, dessen Spiegel über die Jahre stark abgesunken ist. Die Buche wurzelt hier eher flach.

160 Jahre alt: Vier Buchen und eine Eiche gefällt

So starben schon viele Bäume ab in den vergangenen Jahren. Am Freitag (22.1.) musste ein Team vier abgestorbene Buchen und eine Eiche im Alter von rund 160 Jahren fällen, weil dicke Äste auf den Weg zu stürzen drohten. „Im Innern des Waldes lassen wir sie dann stehen, aber an den Wegen haben wir die Verkehrssicherungspflicht“, erklärt Revierförster Matthias Klar.

Wo noch ausreichend Beschattung ist, weil der Sturm weniger Schäden anrichtete, erziele man noch die gewünschte Naturverjüngung. In den Schad-Gebieten ergreift dagegen die Brombeere den leeren Raum und wuchert. So haben Bucheckern und Eicheln keine Chance, neu zu keimen. „Darunter wächst nichts“, so Klar.

Waldarbeiter pflanzen junge Bäume in einem von Ela 2014 stark beschädigten Waldstück in Bladenhorst.
Waldarbeiter pflanzen junge Bäume in einem von Ela 2014 stark beschädigten Waldstück in Bladenhorst. © Matthias Klar © Matthias Klar

Der Förster kämpft dagegen an: Betroffene Flächen, rund 2,2 Hektar im Grutholz und 0,8 Hektar in Bladenhorst am Westring, wurden jetzt maschinell gemulcht und befreit vom Strauchbewuchs. Dort werden bis Mitte kommender Woche rund 18.000 zweijährige Bäume als Stecklinge in einem Abstand von etwa einem Meter eingesetzt: rund 13.000 im Grutholz, 5000 in Bladenhorst.

Profiteur der Aktion „Eine Million Bäume“

Jede diese Pflanzen koste 1,10 Euro, sagt Klar. Aber diesmal half ihm das Sponsoring einer Gemeinschaftsaktion der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald und der Baumarkt-Kette Bauhaus, die eine Million Bäume spendeten. „Wir konnten 18.000 bekommen“, sagt Klar, der sich bei der Aktion bewarb und den Zuschlag für Castrop-Rauxel erhielt.

11.000 Traubeneichen, die mit der Bodenbeschaffenheit und der Trockenheit besser klar kommen als die Stieleichen, 2500 Hainbuchen, 3900 Flatterulmen und 600 Kirschen von 80 Zentimeter bis 1,50 Metern Höhe werden nun als Mischung einzeln und von Hand eingesetzt.

18.000 Stecklinge, junge Bäume im Alter von zwei Jahren, werden Anfang 2021 im Grutholz und in Bladenhorst in den Wäldern gepflanzt, um beschädigte Flächen wie diese wieder aufzuforsten und auch alte Bäume zu retten.
18.000 Stecklinge, junge Bäume im Alter von zwei Jahren, werden Anfang 2021 im Grutholz und in Bladenhorst in den Wäldern gepflanzt, um beschädigte Flächen wie diese wieder aufzuforsten und auch alte Bäume zu retten. © Tobias Weckenbrock © Tobias Weckenbrock

Früher habe man erst im März/April gepflanzt, also nach der Frostperiode. Heute, sagt Klar, hätte er es am liebsten schon im November getan, damit die Wurzeln der Jungpflanzen sich im durchgeschwemmten Boden etablieren können, ehe er im Sommer wieder austrocknet. Eines der Zeichen des Klimawandels bei uns.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Gebürtiger Münsterländer, Jahrgang 1979. Redakteur bei Lensing Media seit 2007. Fußballfreund und fasziniert von den Entwicklungen in der Medienwelt der 2010er-Jahre.
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Tobias Weckenbrock

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