Christian Kühne ist seit Juli 2017 Chefarzt der Klinik für Viszeralchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel. © Matthias Stachelhaus
Rückblick auf das Corona-Jahr

Der Herr der roten Masken: Dieser Chefarzt startete die Corona-Kampagne

Christian Kühne ist Chirurg in Castrop-Rauxel. Er gehört damit nicht zu den Ärzten, die täglich gegen Corona kämpfen. Doch das Virus hat ihn trotzdem beschäftigt. Und die ganze Stadt hat es gemerkt.

Christian Kühne kann sich noch gut an den Tag im März dieses Jahres erinnern, als seine Frau vom Einkauf zurückkam und berichtete, dass Sicherheitskräfte am Eingang des Supermarkts postiert waren, um zu verhindern, dass sich Kunden um eine Rolle Toilettenpapier und eine Tüte Nudeln prügelten. „Als ich das hörte, platzte mir der Kragen und ich hatte den Gedanken, etwas gegen diesen Egoismus zu tun.“

2020 war ein außergewöhnliches Jahr für den Mediziner – als Chirurg für den Bauchraum kümmert er sich zwar nicht in erster Linie um Patienten, die gegen das Coronavirus kämpfen. Aber das Virus hat ihn trotzdem nicht losgelassen. Kühne hat sich unter anderem mit der Aktion „Castrop gegen Corona“ und dem EvK-Adventskalender für mehr Gemeinschaftssinn eingesetzt. Und viel Zeit in diese Projekte gesteckt.

Das Jahr begann schon stressig, noch ganz ohne Corona: Chefarzt Christian Kühne erinnert sich: „Ich hatte in der Silvesternacht Bereitschaft und saß mit Freunden zusammen, um das Jahr ausklingen zu lassen. Um zehn vor zwölf klingelte mein Handy: ein Notfall im Krankenhaus. Ich machte mich sofort auf den Weg. Ein Feuerwerk nach dem anderen auf der Straße und zusätzlich der starke Nebel – die Fahrt war kein Vergnügen. Als ich nach drei Stunden im Operationssaal nach Hause kam, war ich fix und fertig.“

Das Corona-Virus kommt näher

Zu dieser Zeit war die Corona-Pandemie weit entfernt. Der Arzt erzählt von der Begegnung, die ihm das Virus näher brachte: „Ich war Ende Februar zu einem Vortrag in Madrid. Auf dem Rückflug saß hinter mir ein Mann, der die ganze Zeit sehr stark hustete und schnupfte. Drei Tage später war ich richtig krank. Möglicherweise hatte ich mich da bereits infiziert“, sagt Kühne. Aber Corona war damals noch kein Thema in Deutschland. Wenige Tage später wurde Madrid zum Hotspot erklärt. Kühne: „Da spürte ich, dass Corona immer näher rückte.“

Chefarzt seit 2017

Dr. Christian Kühne ist seit 2017 Chefarzt der Klinik für Viszeralchirurgie am Evangelischen Krankenhaus Castrop-Rauxel. Der Mediziner war vorher neuneinhalb Jahre als leitender Oberarzt an der Klinik für Allgemein-, Viszeralchirurgie und Koloproktologie am Evangelischen Krankenhaus Hamm tätig.

Initiative „Castrop gegen Corona“

Während des ersten Lockdowns im März startete Christian Kühne seine erste Initiative für mehr Gemeinschaftssinn und Verantwortungsbewusstsein. Zusammen mit dem Lions-Club rief er die Aktion „Castrop gegen Corona“ ins Leben. Die Kampagne startete am 25. März mit einem Videodreh, bei dem emotionale Botschaften an Castrop-Rauxeler gesendet wurden. Gern erinnert sich der Mediziner an den überwältigenden Zuspruch: „Ganz viele Castroper sind zusammen gerückt und haben die Idee geteilt.“

Was ursprünglich als ein Appell gedacht war, achtsamer zu sein und den Egoismus nicht so stark auszuleben, entwickelte sich zu einer Spendenaktion, die letztlich 40.000 Euro einbrachte. Kühne ist noch heute beeindruckt: „Ich bin überwältigt, wie aus der ursprünglichen Mund-/Nasenschutz-Aktion die Spendenaktion entstanden ist. Das Geld haben wir für verschiedene Projekte in Castrop-Rauxel eingesetzt. Darüber hinaus habe ich bei der Aktion viele interessante Castroper Menschen kennengelernt, die sofort ihre Hilfe angeboten haben und denen ich sonst wahrscheinlich nie begegnet wäre“, sagt er. Als ein Beispiel sei nur Ruziye Malkus, die Vorsitzende des IBKF (Internationale Bildungs- und Kulturverein für Frauen) genannt, die beim Nähen der roten Kampagnen-Masken geholfen hat.

Kreativität in Corona-Zeiten

Was ist Christian Kühne im Corona-Jahr noch in Erinnerung geblieben? Es war vor allem die Kreativität der Menschen und dass alle zusammenrückten. Er schildert eine Begebenheit: „Meine Frau und ich waren im Mai mit dem Fahrrad unterwegs. Plötzlich bemerkten wir an der Straße viele Menschen, die nach oben schauten. Was war geschehen? Auf mehreren Balkonen hatten sich Musiker versammelt, die ein spontanes Konzert gaben.“ Beeindruckend sei das gewesen.

Dr. Christian Kühne konnte auch Bürgermeister Rajko Kravanja für seine Kampagne gewinnen. Beide halten das Symbol der Kampagne, die rote Maske hoch.
Dr. Christian Kühne konnte auch Bürgermeister Rajko Kravanja für seine Kampagne gewinnen. Beide halten das Symbol der Kampagne, die rote Maske, hoch. © Marian von Hatzfeld © Marian von Hatzfeld

Auch an seiner Arbeitsstätte konnte der Mediziner diese Atmosphäre spüren: „Alle im Krankenhaus sind näher zusammengerückt. Vor allem haben wir uns um das Vertrauen der Patienten bemüht.“

Christian Kühnes etwas anderer Adventskalender

„Ein starkes WIR“. Dass dies nicht nur ein Slogan ist, sondern gelebter Alltag, wollte Christian Kühne mit dem EvK-Adventskalender demonstrieren, den er in diesem Jahr zusammenstellte. Jeden Tag öffnete er ein Törchen, in dem ein guter „EvK-Geist“ präsentiert wurde.

Gemeinsam mit dem Chirurg konnte man auf Facebook einen Blick auf die vielen Mitarbeiter des Hauses werfen, wie zum Beispiel auf die Damen und Herren an der Eintrittspforte, auf die in der Wäscherei oder auf die Reinigungskräfte. Was war sein Anliegen mit diesem ungewöhnlichen Adventskalender? „In Corona-Zeiten haben sich viele Leute sehr wichtig genommen. Ärzte und Virologen stehen im Rampenlicht, aber keiner redet über die kleineren Berufsgruppen, die genauso wichtig sind. Es war mir einfach ein Bedürfnis, nicht einzelne Personen in den Vordergrund zu stellen, sondern diese Berufsgruppen und ihre Arbeit mal zu zeigen“, so Christian Kühne.

Hoffnungen und Wünsche für das neue Jahr

Für das nächste Jahr geht der Arzt davon aus, dass trotz des Impfstoffs die Pandemie nicht schnell vorbei sein wird: „Ich hoffe aber, dass wir in 2021 ein Stück weit mehr Normalität in unserem Leben bekommen werden.“

Christian Kühne befürchtet allerdings, dass unsere Gesellschaft dann Gefahr laufen könnte, wieder zur Tagesordnung überzugehen: „Ich wünsche mir, dass es dann nicht wieder die alte Tagesordnung sein wird, sondern dass wir ein wenig entschleunigen und uns mehr der Dinge bewusst werden, die in unserem Leben wichtig sind, wie zum Beispiel Familie und Gesundheit.“

DAS CORONA-JAHR

FÜNF CASTROP-RAUXELER BLICKEN ZURÜCK

2020 war nichts normal in Castrop-Rauxel. Unseren Jahresrückblick haben wir deshalb auch nicht in eine klassisch chronologische Form gebracht, sondern wir lassen fünf Castrop-Rauxeler aufs Jahr zurückschauen. Castrop-Rauxeler, die 2020 eine besondere Rolle eingenommen haben. Lesen Sie heute Folge 5: So war das Corona-Jahr für Chefarzt Christian Kühne.

Über den Autor
Freier Mitarbeiter
In Castrop-Rauxel geboren und in der Heimatstadt geblieben. Schätzt die ehrliche und direkte Art der Menschen im Ruhrgebiet. Besonders interessiert am Sport und den tollen Radwegen im Revier.
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Dieter Düwel

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