Der Klassiker fährt immer noch

mlzVW Käfer

Er gehört zu den Klassikern: der VW Käfer. Vor 40 Jahren lief das letzte Exemplar in Emden vom Band. Matthias Breilmann fährt heute immer noch mit seinem Käfer durch Castrop-Rauxel. Vor gar nicht so langer Zeit war die Stadt sogar regelmäßig Treffpunkt vieler Käfer- und anderer VW-Freunde.

Castrop-Rauxel

, 18.02.2018, 07:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Bis zum Jahr 2002 war er mit über 21,5 Millionen Fahrzeugen das meistverkaufte Auto der Welt. Dann kam der VW Golf. Doch der Käfer gilt heute noch als Klassiker. Im Jahr 1938 wurde er erstmals produziert, im Jahr 1978 wurde die Produktion in Deutschland eingestellt.

In diesen 40 Jahren gab es etliche Modelle des Käfers, darunter auch das Cabrio 1303. Eins davon fährt heute noch in Castrop-Rauxel. Matthias Breilmanns Vater konnte dem Fahrzeug vor 18 Jahren nicht widerstehen. Für 15.000 DM kaufte er den Wagen. Der Sohn ist von April bis Oktober immer wieder mit dem Auto unterwegs. 

39 Jahre alt ist der VW Käfer von Matthias Breilmann, er stammt aus einer anderen Produktionslinie. Seitdem hat sich auf dem Automobilmarkt viel verändert, vor allem die Technik. Breilmann zeigt uns, welche Besonderheiten der Käfer bietet. Zudem haben wir uns auf Spurensuche des Käfers in Castrop-Rauxel begeben - und sind beim VW Forum gelandet, das von 1990 bis 2005 in der Europastadt stattfand. 

Im Video spricht Matthias Breilmann über die Besonderheiten des Wagens:

Das VW Forum in Castrop-Rauxel

Der VW Käfer wurde in Castrop-Rauxel nicht nur gerne gefahren, sondern auch präsentiert. 15 Jahre lang, von 1990 bis 2005, kamen immer im Juni mehrere Tausend VW-Fans in Castrop-Rauxel zusammen, um am Europaplatz am VW-Forum teilzunehmen. Den Höhepunkt erreichte die Veranstaltung Mitte der 90er-Jahre, als regelmäßig mehr als 30.000 Besucher an einem Wochenende zum Stadtmittelpunkt strömten. Wir sprachen mit Peter Breuer, Geschäftsführer der Forum GmbH und früher Veranstaltungsleiter, über das jährliche Ereignis und die Gründe, warum das VW-Forum heute nicht mehr stattfindet.

Herr Breuer, 30.000 Besucher am Europaplatz – ist das heute überhaupt noch vorstellbar?

Nein. Das waren Ausmaße, die wir uns als Veranstalter im Vorfeld nicht vorgestellt hatten. Wir mussten uns ehrlich gesagt eingestehen, dass wir am Anfang mit dieser Masse etwas überfordert waren.

Peter Breuer sprach über das VW Forum. Er war früher Veranstaltungsleiter des VW-Treffens am Europaplatz.

Peter Breuer sprach über das VW Forum. Er war früher Veranstaltungsleiter des VW-Treffens am Europaplatz. © Marcel Witte

Aber dennoch wurde auch in dieser Zeitung berichtet, dass das Ereignis jährlich ein voller Erfolg war.

Richtig. Insgesamt war das ganze VW-Forum eine schöne Geschichte. Vor allem in den Anfangsjahren gab es eine tolle Atmosphäre. Die Besucher und VW-Fans waren nett und liebenswert. Sie verbrachten ihr Wochenende auf den bereitgestellten Campingflächen unter anderem hinter dem Hallenbad und auf der heutigen Fläche des Café del Sol und der L‘Osteria. Allerdings war damals auch die Technik noch nicht so weit, das machte einen Unterschied.

Warum?

In den ersten Jahren kamen viele VW-Fans mit ihrem Käfer und tauschten sich untereinander aus. „Woher bekomme ich neue Teile für den Käfer?“ war eine der meistgestellten Fragen. Auch viele Käfer-Clubs fanden ihren Weg nach Castrop-Rauxel. Und Händler boten eben auch neue Teile an.

Was änderte sich dann in den nächsten Jahren?

Die Technik entwickelte sich weiter. Der Käfer hatte seinen eigenen Charme. Doch VW brachte neue Modelle auf den Markt, wie beispielsweise den Golf. Der verführte die Leute im Laufe der Jahre mehr zum Tuning. Es wurde lauter auf den umliegenden Straßen, die Beschwerden der Anwohner häuften sich. Und die Besucher veränderten sich ebenfalls.

Inwiefern veränderten sich die Besucher?

Die Gelage auf den Campingplätzen wurden immer intensiver, Partys bis zum Morgengrauen. Es gab sogar Vandalismus-Schäden an den umliegenden Wohnhäusern, die Hemmschwelle zur Gewalt war immer niedriger. Das wurde mit der Zeit zu viel. Nachts wurden „Burn-Outs“ (ein Auto bleibt auf der Stelle stehen, während sich die Reifen schnell drehen und Rauch verursachen, Anm.d.Red.) veranstaltet. Der Aufwand für uns Veranstalter wurde immer höher, durch die Versammlungsstättenordnung waren wir verpflichtet, Fachkräfte als Security einzusetzen. Der Stadtmittelpunkt mit der Wohnbebauung im Umkreis war einfach nicht mehr der richtige Ort für die Veranstaltung.

Wäre also heute eine Veranstaltung wie das VW-Forum am Europaplatz nicht mehr möglich?

Nein. Als seriöser Veranstalter mussten wir damals die Reißleine ziehen. Und im Nachhinein betrachtet war es auch der richtige Schritt. Natürlich war es immer ein Highlight, die Leute hatten einen guten Eindruck von Castrop-Rauxel und erinnern sich auch gerne an das VW-Forum zurück. Aber mit der heutigen Technik der Autos und dem Umfang der Veranstaltung mit allen Sicherheitsaspekten wäre eine Ausrichtung einfach nicht mehr möglich.

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