Der Mangel an Hebammen ist nicht nur für Krankenhäuser zum Riesen-Problem geworden

mlzHebammen-Mangel

Eine Hebamme zu finden, ist für viele Frauen in Nordrhein-Westfalen reines Glücksspiel. Es herrscht eklatanter Mangel. Eine Frau, die sich auskennt, spricht von „gruseligen Zuständen“.

Castrop-Rauxel

, 29.11.2019, 16:05 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Zahlen sind alarmierend. Das Deutsche Krankenhaus Institut (DKI) berichtet, dass 41 Prozent der Krankenhäuser mit geburtshilflicher Abteilung Probleme haben, freie Stellen zu besetzen.

Der Deutsche Hebammenverband sammelt auf seiner Internetseite Meldungen schwangerer Frauen, die eine Hebamme suchen, aber keine finden. Mitte August gab es hier rund 28.000 Einträge.

Daher hat Ende Juli der Spitzenverband der Gesetzlichen Krankenkassen GKV eine Online-Seite zur Hebammensuche freigeschaltet. Dort können Frauen Kontaktdaten von Hebammen in ihrer Nähe finden. Der Deutsche Hebammenverband kritisiert die Liste: Kontaktdaten nützten nichts. Ob eine Hebamme in einem bestimmten Zeitraum verfügbar sei, sei nicht ersichtlich.

In Kliniken „brennt die Hütte“

Barbara Blomeier ist Vorsitzende des Landesverbands der Hebammen NRW, der mehr als 4200 Hebammen vertritt. Nein, sagt sie, die Probleme seien nicht gelöst.

Mit einer Ausnahme: Die explodierenden Haftpflichtprämien für freiberufliche Hebammen (2000: 413 Euro - 2018: 8174 Euro). Seit 2015 tragen die Krankenkassen den Großteil dieser Kosten. „Das hat die Lage verbessert, aber nicht gelöst“, sagt Blomeier.

Dramatisch sehe es in den Klinken sowie bei Vor- und Nachsorge aus. „Da brennt die Hütte“, sagt Blomeier. Die Arbeitsbedingungen seien oft „mehr als gruselig“. Es sei nicht selten, dass eine Hebamme fünf Geburten zeitgleich betreuen müsse. Um den Mangel zu beheben, müsse man die Arbeitsbedingungen drastisch verbessern.

Geburtshilfe ist meist ein Minusgeschäft

Doch dazu fehlt vielen Kliniken das Geld. Wie das DKI berichtet, ist für 57 Prozent der Krankenhäuser die Geburtshilfe ein Minusgeschäft. Das führt zu Schließungen. 2010 gab es noch 183 Entbindungsstationen in NRW, 2017 nur noch 153.

Erforderlich sei ein anderes Finanzierungssystem für Geburtshilfe in Kliniken, meint Blomeier. „Bisher wird auch bei Geburten nach Fallpauschalen abgerechnet.“ Dauere eine normale Geburt eine Viertelstunde, sei das okay. „Aber auch eine ganz normale Geburt kann durchaus schon mal zwei Tage dauern. Das kostet Personal, Material.“

Duales Studium kommt

Im Februar hat der Deutsche Hebammenverband Eckpunkte zur Verbesserung der Situation erstellt - bisher ohne Folgen. Dafür tut sich in Ausbildung etwas. Ab Januar 2020 sollen Hebammen nicht mehr in Fachschulen, sondern nur noch in Hochschulen ausgebildet werden, wo sie ein duales Studium mit dem Bachelor abschließen. Der Bundestag will das Gesetz im Herbst verabschieden.

Der Hebammenverband begrüßt das, aber: Noch steht nicht fest, welche Hochschulen das Studium anbieten. Es gebe bisher weder Studien- noch Prüfungsordnungen, so das NRW-Gesundheitsministerium. Im Übrigen könnten laut Gesetzentwurf Fachschulen noch bis Ende 2021 Ausbildungen nach altem Recht beginnen.

Lesen Sie jetzt