Der Regionalplan Ruhr wird die Zukunft Castrop-Rauxels beeinflussen

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Das Thema klingt dröge, aber es wird die Entwicklung Castrop-Rauxels über Jahrzehnte beeinflussen. Der Regionalplan Ruhr wurde am Donnerstag im Rat diskutiert. Was steckt dahinter?

Castrop-Rauxel

, 24.02.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Im Regionalplan Ruhr wird die Zukunft unserer Region vordefiniert: Wo dürfen Städte Gewerbegebiete ausweisen? Wo sollen Wohnbauflächen entstehen? „Wohin entwickelt sich eine Stadt?“, sagt Bürgermeister Rajko Kravanja.

Damit nicht jede der 53 beteiligten Städte macht, was sie will, gibt es das Instrument. Und damit die Metropolregion Ruhr, besser bekannt als Ruhrgebiet, zusammengefasst werden kann und nicht die verschiedenen Regierungsbezirke Arnsberg, Düsseldorf und Münster jeweils ihr eigenes Süppchen kochen, gibt es dieses gemeinsame Planwerk, das der Regionalverband Ruhr (RVR) verantwortet.

Diskussionen und Debatten in allen Städten

Die Lösung für alle Probleme ist aber auch das Instrument bei weitem nicht. Und genau darum gibt es jetzt auch politische Diskussionen und Debatten in den Städten – in dieser Woche im Stadtrat.

Denn zurzeit sind alle Landkreise und Städte und Gemeinden aufgerufen, Stellungnahmen zum ersten Entwurf abzugeben. Das nennt man Beteiligungsverfahren der Bürger und Behörden und läuft seit August und bis zum 27. Februar, also Mitte kommender Woche. Alle Bedenken und Anregungen müssen bis dann, spätestens bis 1. März, beim RVR abgegeben werden.

Die Fläche nördlich der A42, auf der einst der Xscape-Freizeittempel gebaut werden sollte, spielt eine wichtige Rolle in der Stadtplanung.

Die Fläche nördlich der A42, auf der einst der Xscape-Freizeittempel gebaut werden sollte, spielt eine wichtige Rolle in der Stadtplanung. © Neubauer

Das tut die Stadt Castrop-Rauxel nun mit einer im Rat verabschiedeten Stellungnahme, die angehängt wird an eine Stellungnahme des Kreises Recklinghausen. Darüber gab es am Donnerstag zwei Abstimmungen: eine für einen Änderungsantrag der Grünen, der gegen die Stimmen der Grünen, Linken, UBP und FWI aber abgelehnt wurde.

Und eine über die Abgabe der Stellungnahme, die dann mit großer Mehrheit beschlossen wurde – auch mit den Stimmen der genannten Fraktionen zusätzlich zu den Stimmen der CDU und der SPD.

Positionen in der Politik wurden Donnerstag deutlich

Die Positionen in der Politik wurden Donnerstag noch mal deutlich: Die Grünen haben ihren (ideologisch begründeten) Fokus darauf, keine weiteren Naturflächen zu versiegeln. Vor allem CDU und FDP, aber auch SPD und differenziert die FWI und Linke haben klare ansiedlungspolitische Bestrebungen, um die Wirtschaft in der Stadt zu beleben.

Auch die Stichworte Xscape-Fläche zwischen A 42, B235, Grutholz und EvK-Gelände sowie der NewPark spielen hier eine Rolle, denn hier soll derzeit landwirtschaftlich genutzte Fläche zu Gewerbeflächen entwickelt, folglich also bebaut werden. Das alles vor dem Hintergrund der Rolle Castrop-Rauxels als kleine Stadt zwischen den großen Nachbarn und einer demografischen Entwicklung, die eher von abnehmenden Einwohnerzahlen ausgeht – Teil der Überlegungen.

Inhalte der Stellungnahme

Was steht nun drin? Unter anderem wird kritisiert, dass Siedlungsbereiche in Ortsteilen unter 2500 Einwohnern nicht als allgemeine Siedlungsbereiche dargestellt werden, somit also bei der Entwicklung nicht steuerbar wären und auf sich selbst gestellt blieben.

Eine Siedlungssteuerung wäre damit in Becklem, Pöppinghausen, Dingen und Deininghausen vielleicht nicht möglich. „Es ist nur vertretbar, diese Ortsteile nicht explizit als Siedlungsfläche darzustellen, wenn damit nicht gleichzeitig der Ausschluss jeglicher städtebaulichen Entwicklung ausgeschlossen wird“, schreibt die Stadt in ihrer Stellungnahme.

Der Ortsteil Pöppinghausen im Nordwesten der Stadt. Seine Entwicklung wäre laut Plan kaum noch möglich. Dagegen erhebt die Stadt Einspruch.

Der Ortsteil Pöppinghausen im Nordwesten der Stadt. Seine Entwicklung wäre laut Plan kaum noch möglich. Dagegen erhebt die Stadt Einspruch. © Oskar Neubauer

Außerdem werden über die bereits im Flächennutzungsplan dargestellten Bauflächen hinaus keine wesentlichen weiteren Siedlungsflächen sowie Bereiche für Gewerbe- und Industrie dargestellt.

So gehen Entwicklungsspielräume verloren, die die Stadt Castrop-Rauxel aber eigentlich braucht, um attraktiv für die Ansiedlung von Unternehmen zu sein. Zu acht einzelnen Standorten in einer Karte, vor allem auf Schwerin, in Rauxel, am Stadtmittelpunkt, in Merklinde, am Landwehrbach, in Dingen und Deininghausen gibt es konkrete Anmerkungen.

Und wie geht es jetzt genau weiter?

Wie geht es weiter? Der RVR bewertet die Stellungnahmen. Er wird eine Abwägungsvorlage über den Umgang mit den Anregungen erstellen. Sofern aufgrund von Stellungnahmen der Planinhalt substanziell verändert wird, wird der Regionalplan neu vor- und offengelegt. Die Verbandsversammlung des RVR hat über die im Verfahren eingegangenen und nicht ausgeräumten Bedenken und Anregungen zu entscheiden. Ebenfalls berücksichtigt sie die aus der Öffentlichkeit eingegangenen Stellungnahmen.

Die Landesplanungsbehörde prüft dann das Verfahren und genehmigt den Plan. Mit seiner Bekanntmachung tritt der Regionalplan in Kraft. Er ist verbindlich für Entscheidungen der Politik und Behörden der Region. Wann er in Kraft tritt, ist noch nicht abzusehen.

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