Die Castroper Marktpreise von 1979 bis 2019: Wird wirklich alles teurer?

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Alles wird immer teurer! Den Spruch kennt jeder. Aber stimmt das auch? Wir haben verglichen: Castrops Wochenmarktpreise von 1979 und heute. Manches wurde sogar deutlich günstiger.

Castrop

, 08.02.2019, 16:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Ob der Markt nun auf dem Marktplatz oder in der Castroper Fußgängerzone ist – am Ende zählt für den Kunden: Was kann ich dort kaufen, was kostet das und wo kommt das her? Einen speziellen Preisvergleich haben wir auf dem Wochenmarkt am Donnerstag gemacht. Und zwar einen mit Zeitreise.

Denn während der Recherchen für einen anderen Bericht stolperte die Redaktion im Archiv über eine Aufstellung der Preise auf dem Wochenmarkt vom 6. Februar 1979. Also vor ziemlich genau 40 Jahren, alle Preise damals natürlich in D-Mark. Interessanterweise hat die Inflation dazu geführt, dass die Beträge von heute fast eins zu eins mit denen von 1979 vergleichbar sind. Denkste, alles wird teurer!

Die Castroper Marktpreise von 1979 bis 2019: Wird wirklich alles teurer?

In unserer Zeitung vom 6. Februar 1979 berichteten wir über die Marktpreise zur damaligen Zeit. Witzig, dachten wir uns - und checkten die Preise heute.

Das Ei

Ein Ei kostete 1979 zwischen 12 und 29 Pfennig, wenn man es auf dem Markt kaufte. 2019 liegt der Preis, je nach Händler und Größe, bei 12 bis 29 Cent. Das scheint im ersten Moment recht teuer, spiegelt aber Inflationswerte und Gehaltsentwicklung recht gut wieder. Rechnet man die 12 Pfennig von 1979 über einen Inflationsrechner auf die heutige Kaufkraft um, hätten sie einen Wert von 6 Pfennig, sprich 3 Cent. Zeitgleich stieg das Durchschnittsgehalt der Deutschen, laut Webportal Statista von rund 15.200 Euro (etwa 30.000 D-Mark) im Jahr 1980 auf rund 33.400 Euro (entspräche etwa 66.000 D-Mark) im Jahr 2016. Sprich: Ein Arbeitnehmer verdient heutzutage durchschnittlich mehr als doppelt so viel wie vor 40 Jahren. Da kommen die 12 Cent (oder 24 Pfennig), die man für ein kleines Ei 2019 auf dem Markt bezahlt, dann wieder ganz gut hin.

Die Castroper Marktpreise von 1979 bis 2019: Wird wirklich alles teurer?

Eier auf dem Markt kosten so viel wie 1979. © Thomas Schroeter

Der Kohl

Anders sieht es beim Blumenkohl aus: 1979 kostete ein Kopf (deutscher) Blumenkohl 98 Pfennig. 2019 bekommt man ihn für 1,50 Euro. Recht teuer sind in diesem Jahr auch die Kartoffeln. Aber nicht im Vergleich zu 1979, sondern zum Vorjahr: Das Kilo kostete am Donnerstag, je nach Händler und Sorte, zwischen 2 und 2,20 Euro. Im Gegensatz zu etwa 1,80 Euro, die man 2018 bezahlen musste. „Das liegt an der schlechten Ernte durch die lange Dürre im Sommer“, sagt Kartoffelhändler Ralf Ifland. Der Ernteausfall bei den Bauern habe rund 40 Prozent betragen. Als Bonus gibt es dafür zu jedem Einkauf einen „Treuepunkt“, sprich eine Zwiebel (Kilopreis: 1,20 Euro).

Der Panhas

Auch wer die westfälische Spezialität Panhas kaufen will, muss 2019 etwas tiefer in die Tasche greifen als 1979. Kostete das Pfund damals 2,50 DM, lag es Donnerstag bei 3,45 Euro bis 3,95 Euro. Je nach Händler. Das dem Panhas ähnliche Möpkenbrot ist heute nicht mehr im Programm der Fleischerei Bork zu finden. Es ist ja auch, wie schon 1979 beschrieben, eine münsterländische Spezialität.

Teurer als vor 40 Jahren sind auch Bratwurst (4,99 Euro das Pfund), und polnische Würste (4,45 Euro pro Pfund). Für ein Kotelett zahlt man heute allerdings nur noch zwischen 2 Euro und 2,50 Euro. Im Vergleich mit 1979 (3,78 D-Mark) ist das also recht günstig. Ob es 1979 bereits Kikok-Filet (14,90 Euro/Kilo) oder Keule (8,90 Euro/Kilo) auf dem Markt zu kaufen gab, ist nicht überliefert. Das Fleisch vom Hähnchen ist heutzutage jedenfalls schwer gefragt, erklärt uns der der Händler von Schräder‘s Spezialitäten für Wild und Geflügel. Auch die Preise für Geflügelfleisch finden sich nicht in der Liste von 1979. Das ganze Hähnchen kostete am Donnerstag 6,25 Euro pro Kilo. Das Maishähnchen von Kortmann nebenan kostet 6,59 Euro pro Kilo.

Die Castroper Marktpreise von 1979 bis 2019: Wird wirklich alles teurer?

Fleisch ist allgemein teurer geworden. © Thomas Schroeter

Das Obst

Bei Obst und Gemüse günstiger geworden sind Paprika (50 Cent pro Pfund), Gurken (50 Cent das Stück) und auch Äpfel (1 Euro pro Kilogramm). Der heiße Sommer mag den Erdäpfeln geschadet haben, die Ernte am Baum, da sind Gemüse und Kartoffelhändler einer Meinung, war üppig. Auch die Erdbeeren, am Donnerstag waren die gegen Mittag schon ausverkauft, sind mit 1 Euro auf 500 Gramm deutlich günstiger als sie 1979 zur gleichen Jahreszeit waren. Da hätten 500 Gramm nämlich 4,80 D-Mark gekostet.

Der Fisch

Eine Kehrtwende beim Preis hat der Fisch hingelegt. Die Verkäuferinnen bei Tevils Fischwerk sind sicher: „Fisch war früher ein Arme-Leute- Essen.“ Heute bezahlt man für ein Kilo Schillerlocke oder geräucherten Aal 65 Euro. Auch Wildlachs ist mit 45 Euro für das Kilogramm alles andere als ein Schnäppchen. Etwas handlicher werden die Preise beim Seelachs (18,80 Euro/Kilo) oder gebratenem Rollmops (20 Euro/Kilo).

Die Backwaren

Kein direkter Vergleich möglich war bei Käse und Brot – sie blieben 1979 unerwähnt. Einen Streifen Kuchen hätten wir Donnerstag für 3 Euro bekommen, 10 Brötchen für 2 Euro (Einzelpreis 25 Cent) und ein Brot für 2,80 Euro bis 3,40 Euro je nach Sorte. Beim Käse hat der Kunde die (Preis-)Auswahl vom Schweizer Emmentaler (18,90 Euro/Kilo) bis zum Comté (29,90 Euro/Kilo).

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