Bis zu neun Beamte sitzen in der Kreisleitstelle der Feuerwehr. © Kreis Recklinghausen
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Die Feuerwehr-Leitstelle: 180.000 Anrufe und Lebensrettung aus der Ferne

500 Mal täglich klingelt in der Feuerwehr-Leitstelle das Telefon. Wie dringend ein Anruf ist, muss das professionelle Team in Sekunden entscheiden. Und manchmal aus der Ferne Leben retten.

Wer im Kreis Recklinghausen die 112 wählt, landet unweigerlich hier, in der Einsatzzentrale der Feuerwehr. Bis zu neun Beamte sitzen rund um die Uhr vor vielen Monitoren, bereit jederzeit einen Anruf zu beantworten. Rund 180.000 Einsätze sind es im Schnitt jährlich. Die Zahlen steigen jedes Jahr. Brände machen den kleinsten Teil davon aus.

Früher, so erzählt Sven Wehrhagen, Leiter der Kreisleitstelle, haben hier die Kollegen gesessen, die „nicht mehr ins Feuer gehen konnten“. Heute erreichen die Bürger ein festes Team von Feuerwehrleuten, die auf mehrjährige Erfahrung im Brandschutz und Rettungswesen zurückblicken und technikaffin sind.

180.000 Einsätze werden im Jahr von dieser Leitstelle aus gestartet.
180.000 Einsätze werden im Jahr von dieser Leitstelle aus gestartet. © Kreis Recklinghausen © Kreis Recklinghausen

„Das hat zwei Gründe“, sagt Sven Wehrhagen. „Zum einen ist die Aufgabe sehr technisch und speziell.“ Jeder Neue wird zwei Monate lang für das softwareunterstützte Einsatzleitsystem ausgebildet. Zum anderen betreibt der Kreis die Leitstelle, die für alle zehn Städte zuständig ist. „Die Feuerwehrleute vor Ort dagegen sind in den eigenen Städten angestellt“, so Wehrhagen.

In 30 Sekunden sind im Ernstfall alle an ihrem Platz

Jeder macht 24-Stunden-Schichten. Nicht jeder sitzt die ganze Zeit vor den Monitoren. „Aber wenn der Ernstfall kommt, sind alle in 30 Sekunden an ihrem Platz“, so Wehrhagen. Bei der strukturierten Notruf-Abfrage klären die Feuerwehrleute blitzschnell, was zu tun ist. Ist die Lage lebensbedrohlich? Kann ein Rettungswagen ohne Blaulicht rausfahren? Braucht man einen Hubschrauber, eine Hundestaffel oder Taucher? All das ist bereits beim ersten Alarm entschieden.

„Sie haben alle hohe medizinische Kenntnisse“, sagt Sven Wehrhagen über die Beamten. Immer häufiger, so sagt er, leisten die Feuerwehrleute auch Telefon-Reanimation. Leiten einen Menschen vor Ort bei der Herzdruckmassage an, solange, bis der Rettungswagen da ist. „Jede Minute therapiefreies Intervall verschlechtert die Aussichten“, so Wehrhagen.

Gespräche mit Kollegen oder Kriseninterventionsteam können helfen

Professionell gehen die Beamten mit diesen Situationen um, sagt ihr Chef. Aber natürlich gebe es auch belastende Situationen. „Wenn man zum Beispiel einem Vater am Telefon erklären muss, wie er sein Kind reanimiert“, sagt er. Jeder habe da seine Bewältigungsstrategie. Gespräche mit den Kollegen oder Kriseninterventionsteams gehören auch dazu.

Sven Wehrhagen leitet die Leitstelle der Feuerwehren im Kreis Recklinghausen.
Sven Wehrhagen leitet die Leitstelle der Feuerwehren im Kreis Recklinghausen. © Foto: Instenberg © Foto: Instenberg

Meistens aber ist es nicht so dramatisch. Zwischen 7 und 15 Uhr klingeln die Telefone am häufigsten. Denn auch die Rufnummer für den Krankentransport „19222“ läuft in der Kreisleitstelle auf. Hoch ist der Anteil der Beratungsgespräche. Gerade an Wochenenden wird gerne mal über die 112 nach dem ärztlichen Bereitschaftsdienst oder Apothekennotdienst gefragt.

Und dann sind da auch leider Anrufer, so erzählt Sven Wehrhagen, die nur eine Frage haben: „Können Sie mal mein Handy entsperren?“ Nein, das können die Feuerwehrleute nicht. Zum Glück sei man mit der Technik heute weiter, so der Leitstellen-Leiter. Früher hätte man noch mit einem Handy ohne Karte den Notruf wählen können. Dann hätten sie in der Leitstelle gemerkt, wenn ein großer Trödelmarkt war, bei dem so das frisch gekaufte Handy getestet wurde.

Mehr als die Hälfte der Einsatze betreffen den Rettungsdienst

Sven Wehrhagen nennt Zahlen aus dem Jahr 2019: Von den 185.000 eröffneten Einsätzen entfielen rund 58.000 auf den Rettungsdienst (Notfallrettung), 36.000 Einsätze auf Krankentransporte, 10.000 auf Feuer, Unfälle, Unwetter. Dazu kamen

78.000 sonstige Einsätze beziehungsweise Gespräche , Information zum ärztlichen Bereitschaftsdienst oder ähnliches.

135.000 Anrufe kamen auf die 112, 34.000 Anrufe für den Krankentransporte auf 19222, 58.000 Anrufe über die Amtsleitung. Die Kreisleitstelle, die in dieser Form seit 2002 existiert, verfügt über 31 Rettungswagen, 21 Krankenwagen und elf Notarzteinsatzfahrzeuge.

2020 könnten die Zahlen niedriger ausfallen. Dank Corona. Weniger Sportveranstaltungen, keine Partys etwa am 1. Mai … Die Silvesternacht ist bislang immer der einsatzreichste Tag im Jahr. Brandeinsätze wegen Raketen und alkoholisierte Menschen sorgen dann für Hochbetrieb im Rettungsdienst. Das könnte in diesem Jahr anders sein.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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