Corona-Hinweise finden sich überall an der Fridtjof-Nansen-Schule. Hinweise auf die Schließung gab es aber erst spät. © Thomas Schroeter
Meinung

Die Geheimniskrämerei um die Schließung der FNR schadet allen

Mit der Schließung der FNR ist ein neuer Höhepunkt in der Ausbreitung des Coronavirus in Castrop-Rauxel erreicht. Umso bedauerlicher, dass darüber am Montag kaum aktiv informiert wurde.

Kommentare beginnen normalerweise nicht mit einer Vorrede. Aber in diesem Fall sind ein paar einleitende Worte wichtig. Deshalb: Ich bin überzeugt davon, dass alle wichtigen gesellschaftlichen Institutionen unserer Stadt, unseres Kreises, unseres Landes das Ziel haben, die Verbreitung des Coronavirus so gut wie möglich einzudämmen.

Und: Eine Schule ist in erster Linie dazu da, Kinder zu bilden und aufs Leben vorzubereiten. An einer Schule arbeiten keine Kommunikationsprofis, sondern Lehrer. Und oft genug lässt man eine Schule mit ihren Problemen alleine. Deswegen darf einer Schule eher ein Kommunikationsfehler unterlaufen als einem großen Unternehmen.

Genauso überzeugt bin ich aber davon, dass die Gesellschaft über alle Corona-Ereignisse schnell, klar und transparent informiert werden muss. Denn jegliche Intransparenz führt zu Gerüchten und im schlimmsten Fall zu Fehlinformationen.

Der Informationsfluss rund um die Schließung der Fridtjof-Nansen-Realschule (FNR) am Montag war in diesem Sinne nur eines: katastrophal.

Offizielle Wege wurden nicht genutzt

Die FNR selbst verfügt sowohl über eine Homepage als auch über eine App. Auch die Stadt Castrop-Rauxel, sie ist Schulträger, verfügt über eine App, über die sie am Montag zum Beispiel mitgeteilt hat, dass eine Straße wegen einer Baustelle gesperrt werden muss.

Warum sind all diese Kommunikationsinstrumente nicht sofort genutzt worden, als die Schließung einer Schule mit Hunderten Schülern und einer vierstelligen Zahl an Eltern beschlossen war? Warum wurden die Medien nicht aktiv informiert? Auch darüber hätten sich viele Menschen schnell, verlässlich und seriös erreichen lassen.

Wir reden hier schließlich nicht über ein Betriebsgeheimnis, sondern über eine hochrelevante Mitteilung für Tausende Menschen aus Castrop-Rauxel.

Schul-App informiert erst nach fast 90 Minuten

Verbreitet hat sich die Nachricht größtenteils über WhatsApp-Gruppen. Zunächst offenbar von Eltern, nach unseren Informationen erst nach fast 90 Minuten über die Schul-App.

Natürlich lässt sich der Schulleitung der hohe Stress zugute halten. Aber ein Anruf, zum Beispiel bei der Stadt, hätte genügt, um eine Informationskette in Gang zu setzen. Jedenfalls gibt es auf der Schul-Homepage bis jetzt (Montag, 19.35 Uhr) keine offizielle Information. Über die CAS-App ist ebenfalls keine Nachricht geschickt worden.

Doch das Kommunikationsdefizit beschränkte sich nicht auf die erste Info. Stundenlang war nicht klar, warum die Schule überhaupt dicht war. Hatte es massenhaft neue Fälle übers Wochenende gegeben? Das vermuteten Facebook-Kommentatoren. Rauszukriegen war das zunächst nicht. Außer dem Fakt der Schließung war überhaupt nichts zu erfahren.

Die Schule verwies an die Pressestelle der Stadt. Eine Antwort von dort gab es um 15.44 Uhr. Und die Frage, wer denn nun eigentlich die Schließung der Schule veranlasst hatte, wird von Schule, Kreis-Gesundheitsamt und Stadt auch noch unterschiedlich beantwortet.

Informationen gab es bei Facebook

Um 15.44 Uhr waren längst mehrere Facebook-Posts zu dem Thema in der Welt, mit unzähligen Kommentaren. Deren Informationsgehalt – Gerücht oder Wahrheit, Vermutung oder Fakt – ließ sich für uns am Montag nur noch teilweise bestätigen oder dementieren.

So bleiben am Ende eines langen Tages mit immer neuen, bruchstückhaften Informationen leider viele Fragen offen. Zu viele. Zum Beispiel: Wann hat das Gesundheitsamt von dem positiven Test-Ergebnis erfahren, wann die Schulleitung? Hätte die Schulgemeinschaft früher informiert werden können?

Diese Fragen richten sich an verschiedene Institutionen: Schule, Stadt, Kreis, Bezirksregierung, Land. Aber alle gehören zum „Staat“. Gerade der darf in der Corona-Krise nichts vertuschen, sondern muss mit offenen Karten spielen. Aus diesem Kommunikationsdesaster rund um einen einzigen Corona-Fall müssen alle Beteiligten lernen.

Sie müssen künftig offener kommunizieren und weniger Geheimniskrämerei betreiben. Denn mit Intransparenz schaden sie der aktuell wichtigsten gesellschaftlichen Aufgabe: das Coronavirus mit allen verfügbaren Mitteln zu bekämpfen. Sie gefährden das Vertrauen, das der Staat in weiten Teilen der Gesellschaft genießt. Es gibt keinen Grund, etwas zu verbergen!

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
Fühlt sich in Castrop-Rauxel und im Dortmunder Westen gleichermaßen zu Hause. Mag Politik, mag Kultur, mag Sport, respektiert die Wirtschaft und schreibt zur Not über alles, was anfällt.
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Matthias Langrock

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