Die Grimbergstraße ist eine Straße unter vielen mit Raser-Problemen

mlzFrage der Unfallhäufung

Klagen über Raserei gehören zum Alltag in Castrop-Rauxel. Auch für die Polizei. Das Problem: Nicht jede Straße, an der Anwohner darüber klagen, ist auch immer ein Unfallhäufungspunkt.

Castrop-Rauxel

, 11.11.2020, 11:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Das Problem mit Menschen, die zu schnell in ihren Autos unterwegs sind, ist hinlänglich bekannt, ist schon zig Mal thematisiert, beschrieben und beklagt worden. Auch in Castrop-Rauxel.

Anfang Oktober noch berichteten wir von Amela Bilgin und Christian Koß, die sich in ihrer Straße Im Osterkotten in einer Habinghorster Zechensiedlung über Raserei beklagen. Regelmäßig sprechen Amela Bilgin und Christian Koß Autofahrer auf die Raserei an. „Dann wird man aggressiv angemacht: ‚Ich hau dir was auf die Mappe‘“, erzählt Koß. „Das ist erbärmlich.“

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Im jüngsten Fall wandten sich nun Jenna und Denis Oloff an unsere Redaktion. Sie und ihre Nachbarn fühlen sich mit Rasern in der Grimbergstraße auf Schwerin im Stich gelassen. Ort des Geschehens ist wie schon in Habinghorst wieder eine verkehrsberuhigte Straße. Oder eben das, was der Gesetzgeber und die Anlieger als verkehrsberuhigten Bereich verstehen. Aber längst nicht alle Verkehrsteilnehmer.

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Auf Facebook machten die User der Facebook-Seite unserer Redaktion ihrem Ärger schon mehrfach Luft, nachdem wir über solche Fälle berichtet haben: „Das ist doch überall so“, schreibt User Bernd Hübel. „Es gibt überall Unbelehrbare. Wie soll die Lösung aussehen?“

Die Menschen fahren einfach zu schnell

Eine für alle Beteiligten befriedigende Lösung haben weder die Polizei in Recklinghausen noch die Stadt Castrop-Rauxel anzubieten. Die Menschen fahren mit ihren Autos einfach zu schnell, egal, wie der Straßenzustand ist, egal, was die Beschilderung sagt. „Sonst bräuchten wir ja nicht zu blitzen“, bringt es Polizei-Sprecher Andreas Lesch quasi achselzuckend auf den Punkt.

Dem haben wir die aktuelle Klage der Familie Oloff auf Schwerin vorgelegt. „Ich kann die Anwohner ja gut verstehen“, schickt Lesch voraus, nachdem er sich in die Frage Grimbergstraße eingearbeitet hat. „Aber die Grimbergstraße ist eben nur eine Straße unter vielen, an denen es das Problem gibt“, schickt Lesch hinterher.

"Wenn nicht viel zu viele Menschen zu schnell fahren würden, müssten wir ja nicht ständig blitzen." Polizeisprecher Andreas Lesch hat keine Illusionen.

„Wenn nicht viel zu viele Menschen zu schnell fahren würden, müssten wir ja nicht ständig blitzen.“ Polizeisprecher Andreas Lesch hat keine Illusionen. © picture alliance / dpa

Ob in verkehrsberuhigten Bereichen, in echten Spielstraßen oder in ausgewiesenen 30er-Zonen: Zu schnell gefahren werde immer und überall. Man gehe Anwohnerhinweisen auf Raser-Schwerpunkte sehr ernsthaft nach, betont der Sprecher der Kreispolizeibehörde. Und schicke immer wieder auch Kollegen hinaus, um in solchen Bereichen Laser-Messungen durchzuführen. „Das haben wir ja an der Grimbergstraße schon getan und das werden wir da sicher auch wieder tun“, so Lesch.

Viel mehr könne von Seiten der Polizei dann aber auch nicht geschehen, dafür gebe es viel zu viele Stellen und Straßen, an denen über rasende Autofahrer geklagt wird. Unter denen nicht wenige Anwohner sind.

Zehn Unfälle insgesamt seit Anfang 2017

Tatsache sei aber auch, dass die Grimbergstraße kein wirklicher Unfallhäufungspunkt sei, an dem man von Polizei- oder Stadt-Seite dringend tätig werden müsste. Seit 2017, also in jetzt fast vier Jahren, hat es nach den Recherchen von Andreas Lesch in den Unfallberichten auf der Grimbergstraße zehn Unfälle gegeben. „Davon entfallen sechs auf Vorfälle mit parkenden Autos, also typische Ein- oder Ausparkvorfälle“, erzählt der Polizeisprecher.

Übrig blieben damit also „nur“ vier registrierte „echte“ Verkehrsunfälle auf der Grimbergstraße. „Und vier Unfälle in vier Jahren: Das ist einfach nicht viel, das ist sogar richtig wenig“, ordnet Lesch die Zahlen ein. Bei der Grimbergstraße handele es sich aus Polizeisicht damit um eine unauffällige Straße.

Dass sich das für Anwohner anders darstelle, kann Lesch zwar verstehen, ein Handlungsdruck für die Polizei ließe sich aus solchen Zahlen aber nun einmal nicht ableiten. Bis etwas passiert, wie von Anwohnern wie den Oloffs immer wieder prognostiziert wird.

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