Kurz vor dem zweiten Corona-Lockdown übernahm Esther Arnold-Strunz die Geschicke in der Polizeiwache Castrop-Rauxel. © Marius Paul
Polizeiwache Castrop-Rauxel

Die neue Polizeichefin: „Viele lerne ich nur mit halbem Gesicht kennen“

Anfang Dezember übernahm Esther Arnold-Strunz die Leitung der Polizeiwache Castrop-Rauxel. Neben allen Corona-Schwierigkeiten wartet auf die 45-Jährige zu Beginn eine Besonderheit.

Zehn Jahre hörten die Polizisten der Wache an der Erinstraße auf das Kommando von Rolf Skraburski. Seit Anfang Dezember gibt es nun eine neue Chefin in Castrop-Rauxel. Mit Esther Arnold-Strunz übernimmt die Leitung der Wache eine Polizeihauptkommissarin, die zuvor in Datteln tätig war und um die besonderen Herausforderungen der aktuellen Lage weiß.

Im Interview mit dieser Redaktion spricht die 45-Jährige allerdings nicht nur über ihren Polizeiberuf, sondern auch darüber, was passiert, wenn Uniform und Dienstwaffe mal nicht in der Nähe sind.

Frau Arnold-Strunz, bevor wir zu Ihren Vorhaben in Castrop-Rauxel kommen vielleicht zunächst ein Blick zurück. Wie sind Sie überhaupt zur Polizei gekommen?

Meine Ausbildung bei der Polizei NRW habe ich 1994 begonnen. Nach einem Jahr im Wach- und Wechseldienst in Wuppertal war ich anderthalb Jahre bei der Einsatzhundertschaft in Gelsenkirchen, bevor ich von 1999 bis 2001 mein Studium an der Fachhochschule Gelsenkirchen absolviert habe. Anschließend habe ich zwei Jahre in Gelsenkirchen-Buer gearbeitet und bin dann 2003 zum Polizeipräsidium nach Recklinghausen gewechselt.

Nach einem kurzen Zwischenstopp in Selm-Bork und meiner Elternzeit für meine beiden Kinder bin ich 2010 nach Recklinghausen zurückgekehrt. Dort war ich dann unter anderem Wachdienstführerin und Dienstgruppenleiterin in der Polizeiwache Datteln und in den letzten zwei Jahren Leiterin des Bezirks- und Schwerpunktdienstes Ost-Vest und gleichzeitig stellvertretende Leiterin der Polizeiwache Datteln.

Esther Arnold-Strunz tritt die Nachfolge von Rolf Skraburski an, der nach zehn Jahren den Dienst in Castrop-Rauxel beendete.
Esther Arnold-Strunz tritt die Nachfolge von Rolf Skraburski an, der nach zehn Jahren den Dienst in Castrop-Rauxel beendete. © Marius Paul © Marius Paul

Was hat Sie denn dann schließlich zu dem Schritt nach Castrop-Rauxel bewogen?

Ich habe das Aufgabenfeld einer Wachleiterin ja bereits in den letzten zwei Jahren als stellvertretende Wachleiterin kennengelernt und habe mich deshalb dann sehr darüber gefreut, dass sich die Möglichkeit ergeben hat, hier die Nachfolge von Rolf Skraburski in Castrop-Rauxel zu übernehmen.

Jetzt sind es aktuell natürlich sehr außergewöhnliche Zeiten. Worauf werden Sie in den nächsten Wochen und Monaten besonderen Wert legen? Welche Aufgaben erscheinen Ihnen besonders wichtig?

Mir liegt insbesondere die Sicherheit der Menschen, für die ich verantwortlich bin, sehr am Herzen. Die meisten meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind im Wechseldienst tätig und sind daher besonderen Anforderungen ausgesetzt. Ihnen den Rücken zu stärken und gemeinsam für eine bürgernahe und rechtsstaatliche Polizei einzustehen, das ist mir doch sehr wichtig. Letztlich steht einfach das Wohl der Castrop-Rauxeler im Vordergrund.

Was sind Ihrer Meinung nach die dringendsten Themen, die angegangen werden müssen?

Im Moment bin ich noch etwas in der Findungsphase. Ich lerne meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und viele Menschen in Castrop-Rauxel kennen. Mein Vorgänger hat mir eine gut funktionierende Wache hinterlassen. Dafür bin ich ihm sehr dankbar. Aktuell stellt uns die Corona-Pandemie sicherlich vor große Herausforderungen und bestimmt unsere Arbeit maßgeblich. Eine Besonderheit zum Start ist natürlich, dass in Kürze das Polizeigewahrsam nach umfangreicher Renovierung wiedereröffnet wird.

Wie sind Ihre ersten Tage in der neuen Position bislang verlaufen?

Ich muss schon sagen, dass ich mich in Datteln mit einem weinenden und einem lachenden Auge von meinen Kollegen sowie von den Akteuren der Stadt verabschiedet habe. Jetzt bin ich dann aber gespannt auf die ersten Treffen mit den Vertretern der Stadtverwaltung Castrop-Rauxel, der Feuerwehr und anderer Institutionen.

Aufgrund der Corona-Pandemie und dem erneuten Lockdown werden diese Treffen aber leider erst im neuen Jahr möglich sein. Bislang besteht nur telefonischer Kontakt. Von den Kolleginnen und Kollegen der Wache bin ich sehr freundlich aufgenommen worden. Das Arbeitsklima ist trotz der belastenden Zeit sehr angenehm. Viele Menschen lerne ich momentan allerdings nur mit Gesichtsmaske, also nur mit halbem Gesicht, kennen. Das erschwert die Sache natürlich, aber auch das werden wir gemeinsam hinkriegen.

Gibt es Erfahrungen und Ereignisse, die Ihnen aus der Vergangenheit besonders im Gedächtnis geblieben sind und von denen Sie heute möglicherweise noch profitieren?

Ich habe in meinen bislang 26 Jahren Dienstzeit viele positive, aber auch negative Ereignisse erlebt. Diese Erfahrungen haben mich geprägt, ich habe von vielen profitiert, von Netzwerken außerhalb und der Teamarbeit innerhalb der Polizei. Vielen Menschen bin ich sehr dankbar. Einen Einzelfall zu benennen, fällt mir aber schwer. Ich arbeite sehr gerne für und mit der Polizei und kann für mich sagen, dass ich auf jeden Fall in meinem Traumjob gelandet bin.

Zum Abschluss noch eine etwas persönlichere Frage: Auch eine Polizeichefin wird hin und wieder mal abschalten müssen. Was machen Sie in Ihrer Freizeit, wenn Sie nicht im Dienst sind?

Ich lebe mit meiner Familie in Olfen und neben dem Beruf ist mein großes Hobby der Reitsport. Außerdem bin ich gerne in der Natur unterwegs, zu Fuß, mit dem Rad und im Winter gerne auch auf Skiern. Ansonsten treffe ich mich gerne mit meinen Freunden, Nachbarn und Bekannten. All das ist während der Corona-Pandemie aber zwangsläufig etwas schwieriger geworden.

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Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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Marius Paul

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