Grünflächen sind wichtig für die Anpassung der Stadt an den Klimawandel. © Jens Lukas
Digitalisierung

Die Stadt München will von Castrop-Rauxel lernen

Über Castrop-Rauxel wird anderswo gerne schon mal gelästert. Es geht aber auch andersherum. Ausgerechnet die bayerische Millionenstadt München will von Castrop-Rauxel lernen.

Dass Castrop-Rauxel den Spott der Satiriker auf sich zieht, ist nicht ungewöhnlich. So wurde die Ruhrgebietsstadt noch vor einem halben Jahr von der ZDF-“Heute-Show“ durch den Kakao gezogen. Was vor Ort vielleicht gar nicht so wahr genommen wird: Die Europastadt kann auch Vorbild sein. Das hat jetzt die Stadt München erkannt.

Dabei geht es um fundamentale demokratische Prinzipien und Digitalisierung. Hier hat die bayerische Landeshauptstadt im Gegensatz zu Castrop-Rauxel offensichtlich noch Nachholbedarf. „München will von Castrop-Rauxel lernen“: Unter dieser Überschrift berichtete die Abendzeitung München vergangene Woche in ihrer gedruckten Ausgabe über die Pläne der bayerischen Landeshauptstadt, die Open-Source-Software Consul einzuführen, um mehr Bürgerbeteiligung zu ermöglichen.

Im September 2020 war Castrop-Rauxel nach Detmold die zweite Stadt in Deutschland, die Consul einsetzte. Am Montag (11.1.) ist der Bericht aus München Anlass für die Castrop-Rauxeler Stadtverwaltung, noch einmal auf die mittlerweile europaweit genutzte Plattform und die eigene Vorreiterrolle hinzuweisen. Sie sei ein wichtiger Baustein bei den Digitalisierungsbestrebungen der Stadt, heißt es in einer Pressemitteilung.

Gegen die zunehmende Politikverdrossenheit der Bürger

Ende Januar wird in München im Stadtrat über den Vorschlag der Rathaus-Koalition entschieden, ob Consul eingesetzt werden soll und damit Bürgerbeteiligung möglich und Partizipation digitaler und damit schneller werden kann. Frühestens zur Jahresmitte könne sie eingesetzt werden.

Man stärke so das „demokratische Band“, wird im Süden der Republik argumentiert. So könne man Politikverdrossenheit und der Stärkung der radikalen Ränder entgegenwirken. „Von der Stadtplanung ganzer Viertel bis zum Radlständer in der eigenen Straße“, skizziert die SPD/Volt-Fraktion die Bandbreite der Mitgestaltung.

Castrop-Rauxels Bürgermeister Rajko Kravanja betont: „Mit der digitalen Bürgerbeteiligung schreiten wir den Weg Richtung Mitmach-Stadt weiter voran, hin zu einer modernen bürgernahen Verwaltung und einer zukunftsorientierten Kommune mit Blick auf den digitalen Wandel.“ Aktuell läuft eine Online-Beteiligung für das neue Klimaanpassungskonzept der Stadt Castrop-Rauxel über Consul.

Noch bis einschließlich Freitag, 15. Januar, können Bürger über die Seite mitmachen.castrop-rauxel.de über bereits eingegangene Vorschläge abstimmen sowie neue Vorschläge einreichen. Hier können sie sich außerdem über die Projekte und Hintergründe informieren und mitdiskutieren.

Konzept für ein besseres Klima in Castrop-Rauxel

Gemeinsam soll so ein Konzept für ein besseres Klima in Castrop-Rauxel erarbeitet werden. Mehr Grün in der Innenstadt, mehr Wasser im Stadtgebiet, mehr grüne Vorgärten, das sind Beispiele. Gerade in der Corona-Pandemie, wo eine Beteiligung vor Ort nicht möglich ist, biete sich diese Form der Online-Beteiligung an, so die Stadt.

Das Klimaanpassungskonzept ist das erste Projekt, für das die Stadt Castrop-Rauxel Consul nutzt. Außerdem lief Ende 2020 die Umfrage „Wir zusammen – für Dich noch besser“ für den Kinder- und Jugendförderplan 2021 über die neue Plattform. Bei der nächsten Abstimmung, die die Stadtverwaltung auf mitmachen.castrop-rauxel.de plant und an der sich alle Castrop-Rauxeler beteiligen können, wird sich alles um neue Spielgeräte drehen.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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