Diebstähle auf Castrop-Rauxeler Friedhöfen haben immer Saison

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Eine besondere Häufung von Fällen gibt es aktuell nicht, aber Diebstahl auf Friedhöfen ist in Castrop-Rauxel immer wieder Thema. Der Wert der Beute ist gering, aber Betroffene leiden sehr.

Castrop-Rauxel

, 24.06.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Mehrfach sind in den vergangenen Wochen auf Friedhöfen im Vest Grablampen gestohlen worden. Am Montag (22.6.) klickten nun die Handschellen.

Die Polizei im Kreis Recklinghausen nahm einen 51-jährigen Mann aus Mönchengladbach fest, bei dem es sich mutmaßlich um den Täter handelt, der auf Friedhöfen in Herten und Recklinghausen Beute gemacht hat.

„Diebstähle auf Friedhöfen oder gar Vandalismus an Gräbern sind kein neues Phänomen oder etwas, das gesondert in der Kriminalstatistik erfasst wird, aber für die Opfer ist es immer mit einer besonderen, emotional sehr schmerzhaften Belastung verbunden“, sagt Andreas Lesch von der Polizei im Kreis Recklinghausen.

Es kann jeden treffen

Schließlich wolle man das Andenken an Verstorbene pflegen. Eine Grablampe, Kränze, der Grabstein und Blumenschmuck würden auch nach außen hin die Verbundenheit zu dem Menschen signalisieren, der schmerzlich vermisst werde.

Treffen könne es jeden, der schon einmal einen ihm nahe stehenden Angehörigen verloren habe.

Denn die Orte der letzten Ruhe bieten gerade aufgrund ihrer weitläufigen und manchmal schwer einsehbaren, verzweigten Wege in der Dunkelheit zwielichtigen Gestalten genügend Schutz, nicht gesehen zu werden.

Sieben kommunale Friedhöfe

Sieben kommunale Friedhöfe gibt es auf Castrop-Rauxeler Stadtgebiet. Und zu Diebstählen ist es hier immer wieder gekommen. Der Bereich Stadtgrün und Friedhofswesen der Stadt führt aber keine Statistik in Sachen Diebstahl, sodass es keinen Vergleich zu früheren Jahren gibt.

Zu den Gegenständen, die zumeist auf Friedhöfen gestohlen werden, gehören laut Pressestelle der Stadt Grablampen, Vasen, Wasserhähne von öffentlichen Toiletten und teilweise Kränze und Blumen.

Bei Einbrüchen in Gebäuden am Friedhof sei schon die gesamte Palette an tragbaren Werkzeugen gestohlen worden: „Bohrmaschinen, Flex, Kettensägen. Im Grunde alles, was irgendwie Wert hat und getragen werden kann", sagt Stadtsprecherin Maresa Hilleringmann.

Jeden Fall anzeigen

Laut Hilleringmann muss unterschieden werden zwischen Diebstählen von städtischem Eigentum und privatem Eigentum auf Gräbern.

Einbrüche in die städtischen Friedhofsgebäude und Diebstähle von städtischem Eigentum würden durchweg zur Anzeige gebracht.

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„Falls wir von Diebstahl privaten Eigentums erfahren, raten wir in jedem Fall zur Anzeige“, erklärt Klaus Breuer, Leiter des Bereichs Stadtgrün und Friedhofswesen.

Einbruch in Leichenhaus

Dass Kriminelle auf Friedhöfen auf Diebestour gehen kam in der Vergangenheit ebenfalls auf den Evangelischen und Katholischen Friedhöfen vor.

Sandra Radinger vom Gemeindebüro St. Lambertus erinnert sich an einen Fall, der einige Jahre zurückliegt.

„Einbrecher waren damals in das Leichenhaus des Friedhofsgeländes eingestiegen und einen Sachschaden von über 3000 Euro verursacht“, so Radinger. Die Täter seien nie geschnappt worden.

Wenn sich Fremde an privaten Gräbern vergehen, dann sind mitunter auch die schockiert, die mit der beruflichen Pflege der Grabstätten betraut sind. „Es gibt schon Fälle, da könnte man vor Wut aus der Hose springen“, meint ein Mitarbeiter aus dem Team des Castrop-Rauxeler Bestattungshauses Friedrich.

Auf dem Henrichenburger Friedhof haben Unbekannte jüngst Blumen ausgegraben, offenbar um sie anderweitig wieder zu pflanzen.

Auf dem Henrichenburger Friedhof haben Unbekannte jüngst Blumen ausgegraben, offenbar um sie anderweitig wieder zu pflanzen. Ein Angehöriger, der sich um das Grab kümmert, hat nun ein Schild aufgestellt - in der Hoffnung, dass es abschreckend wirkt. © privat

Eine ungewöhnliche Methode, um künftige Diebe abzuschrecken, wählte nun Angehörige, der auf dem Henrichenburger Friedhof bemerkt hatten, dass Unbekannte neu gepflanzte Grabpflanzen aus dem Beet beziehungsweise Blumenschale eines verstorbenen nahen Verwandten entwendet hatten.

Sie stellen spontan ein Hinweisschild mit der Aufschrift auf: „Wer hier weiterhin Blumen stiehlt, kommt in die Hölle.“

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