Auf dem Friedhof in Habinghorst wurde in den vergangenen Wochen regelmäßig Schmuck und Dekoration von den Gräbern geklaut. © Marius Paul
Friedhöfe

Diebstahl auf Papas Grab: „Erklären Sie das mal einem vierjährigen Kind“

Dass auf den Friedhöfen in Castrop-Rauxel regelmäßig Grabschmuck abhanden kommt, ist traurige Normalität. In der Vorweihnachtszeit waren die Diebstähle aber besonders perfide.

Die Weihnachtsfeiertage sind normalerweise auch immer eine Gelegenheit, um auf den Friedhöfen bei den familieneigenen Gräbern nach dem Rechten zu schauen. Dabei ist es längst keine Seltenheit mehr, dass von den einzelnen Gräbern regelmäßig Lampen, Kränze und andere Dekorationen spurlos verschwinden. In der Vorweihnachtszeit hatten es die Übeltäter mancherorts aber auf spezielle Dinge abgesehen.

„Das ist unterste Schublade“

In den Sozialen Medien machte Romy Stefanski deshalb jetzt ihrem Ärger Luft: „Was sind das eigentlich für Menschen, die in Habinghorst von den Gräbern Lichterketten klauen, nur um die Batterien mitzunehmen? Das ist schon ziemlich traurig“, so die Castrop-Rauxelerin, die mit ihrer Schilderung auf ein großes Echo stieß. Denn das Klauen von Dekoration scheint in Habinghorst beinahe an der Tagesordnung zu sein.

Ähnliche Vorfälle schildert nämlich auch Olaf Burkhardt, dessen Frau mindestens einmal am Tag auf dem Friedhof vorbeigeht: „Gerade zu Weihnachten dekoriert meine Frau gerne unsere Gräber und sie ist jetzt bereits mehrfach nach Hause gekommen und hat erzählt, dass schon wieder einzelne Dinge verwüstet wurden. Das ist doch unterste Schublade“, betont Burkhardt.

Die Diebe haben auch am Grab der Familie Burkhardt zugeschlagen und die Batterien gestohlen.
Die Diebe haben auch am Grab der Familie Burkhardt zugeschlagen und die Batterien gestohlen. © Privat © Privat

Die Diebe hätten es bei ihren Taten laut Stefanski im Moment insbesondere auf die einzelnen Batterien abgesehen. „Die dazugehörigen Lichterketten werden dann einfach weggeschmissen und man kann sie nachher in den Büschen und Sträuchern wiederfinden.“

Mehrere Vorfälle bekannt

Tatsächlich seien von dem Friedhof in Habinghorst schon mehrere dieser Vorfälle bekannt, erklärt Dennis Lieskamp, der unter anderem auch für die Friedhöfe in Ickern und Henrichenburg zuständig ist. Dort seien derartige Vorfälle in der Vorweihnachtszeit zwar nicht gemeldet worden, allerdings habe man in der Vergangenheit auch auf diesen Friedhöfen immer wieder Diebstähle registriert.

„In Ickern wurden im letzten Jahr kurz vor Weihnachten auch einige Dinge von den Gräbern gestohlen. Das ist vor allem für die Angehörigen sehr ärgerlich. Aktuell ist uns dort aber keine besondere Häufung bekannt“, so Lieskamp. Ähnlich ist die Situation unter anderem auf den Friedhöfen in Frohlinde und Bladenhorst.

Gleiches Problem im Dortmunder Westen

Laut Andreas Klimmek, dem zuständigen Ansprechpartner der Stadt, habe man in der Vorweihnachtszeit keine Vorfälle gemeldet bekommen. Das gilt auch für den katholischen Friedhof St. Lambertus. „Wir hatten vor einigen Jahren mal das Problem, dass vermehrt vor allem wertvolle Bronze-Lampen abhanden gekommen sind. Seitdem sind wir aber glücklicherweise verschont geblieben“, hieß es von der Friedhofsverwaltung.

Sind die Friedhofs-Diebstähle in Habinghorst derzeit also vor allem ein lokales Problem? Keineswegs. Schaut man über die Castrop-Rauxeler Stadtgrenze in den Dortmunder Westen wird klar, dass auch hier regelmäßig Friedhöfe von Dieben heimgesucht werden. Auch dort waren in den zurückliegenden Wochen immer wieder Fälle von Vandalismus und verschwundenem Grabschmuck gemeldet worden.

In Habinghorst hat sich Romy Stefanski in der Zwischenzeit an die zuständige Friedhofsverwaltung gewendet. Diese habe ihr geraten, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Bislang habe sie von diesem Schritt noch abgesehen, denn der Diebstahl an sich sei laut Stefanski gar nicht das größte Problem. „Erklären sie mal einem vierjährigen Kind, weshalb auf dem Grab des Vaters auf einmal die Lichterketten fehlen. Meine Tochter hat erst gedacht, dass es ein Fuchs gewesen sein muss. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, dass Menschen so etwas machen.“

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Vor einiger Zeit aus dem Osnabrücker Land nach Dortmund gezogen und seit 2019 bei Lensing Media. Für die Ruhr Nachrichten anfangs in Dortmund unterwegs und jetzt in der Sportredaktion Lünen tätig – mit dem Fußball als große Leidenschaft.
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Marius Paul

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