Drei favorisierte Entwürfe für den „Sprung über die Emscher“

mlzBrückenbauwerk

Die Realisierung des „Sprungs über die Emscher“ rückt näher. Jetzt gibt es drei Entwürfe, die in die nächste Runde einziehen. Einer von diesen wird es. Aber: Alle müssen nacharbeiten.

Henrichenburg

, 23.02.2019, 11:45 Uhr / Lesedauer: 3 min

Drei zweite Plätze hat eine Jury an drei von zehn eingereichten Entwürfen für den „Sprung über die Emscher“ vergeben. Einen ersten Platz dagegen nicht. Warum nicht? Weil die drei zweitplatzierten Entwürfe zwar die Favoriten sind, es an allen drei Entwürfen aber Mankos gibt, die die Architektenbüros nun nacharbeiten müssen.

Ende März soll die Entscheidung stehen

Ende März soll die Entscheidung stehen: Welches Millionenprojekt wird rund um Kanal und Emscher-Düker in Henrichenburg realisiert? Wir stellen die Entwürfe und den weiteren Prozess vor.

Bürgermeister Rajko Kravanja zeigte sich Donnerstag im Hauptausschuss guter Dinge: Das Projekt sei die größte jemals einzeln geförderte Maßnahme aus dem Bundes-Fördertopf und umfasse 8,8 Millionen Euro, beziehe den Platz der Schichten, die Emscherterrassen zwischen Kanal und Emscher und die Brücke selbst mit ein. Das Risiko liege bei der Emschergenossenschaft, die Gesamt-Verantwortung auch.

Das Verfahren wird Ende März abgeschlossen, bis dahin müssen die Architekten Fehlendes nachliefern. Alle zehn Entwürfe gebe es bald in einer Ausstellung zu sehen. Der Technische Beigeordnete Heiko Dobrindt, der in der Jury saß, erläuterte die drei favorisierten Entwürfe.

Drei favorisierte Entwürfe für den „Sprung über die Emscher“

Das ist Entwurf 1 aus dem Architektenwettbewerb, der zusammen mit zwei anderen Entwürfen den besten, aber „nur“ den zweiten Platz im Wettbewerb belegte. © Stadt Castrop-Rauxel

1. Entwurf erinnert an die Millenium-Bridge

Diese Brücke ist eine der zwei aufwendigeren und markanten Bauwerke: Sie ist winkelförmig angelegt und hat sogar zwei Sprünge über die Emscher, schließt an am „Platz der Schichten“, der einen befestigten Teil für Veranstaltungen und einen naturnahen Teil beinhaltet, schließt an die Emscherpromenade an, führt über einen Steg über den Torfheider Bach hinweg.

Zwischen der Emscher und dem Kanal werden die dort liegenden Emscherterrassen angebunden. Die Brücke mündet dann in das Wegesystem des Naturwasser-Erlebnisparks. Imposant wirkt die Brücke durch eine schräg gestellte Seil-Netz-Konstruktion auf Y-Pylonen, die laut Dobrindt an die Millennium-Bridge in London erinnern.

Kritikpunkt: Es gibt viele notwendige Pfahlgründungsarbeiten für die Pylonen und dazu ein paar offene Fragen.

Drei favorisierte Entwürfe für den „Sprung über die Emscher“

Entwurf 2 belegte mit zwei anderen Entwürfen zusammen den besten Platz, aber gemeinsam „nur“ den zweiten. Der Brückenentwurf ist der nüchternste der drei Gewinner-Varianten. Er passt sich in die Umgebung ein. © Stadt Castrop-Rauxel

2. Brücke duckt sich in die Landschaft

Dieses Bauwerk ist weniger imposant, fügt sich laut Dobrindt in die bestehende Natur ein. Es beginnt auf dem Platz der Schichten, nimmt dann einen ganz anderen Wegverlauf als Entwurf 1. Ein Nebenarm der Brücke führt dann zum Naturwasser-Erlebnispark herab. Prägnant sei hierbei die Ausbildung des Platzes der Schichten mit einer Stützmauer und einer langsam ansteigenden Rampe.

„Die Brücke unterscheidet sich völlig von den anderen“, so Dobrindt: „Sie wird in der Anmutung als Hohlkastenprofil errichtet, erhält keine Pylonen und Seile. Das erfordert recht aufwendige Widerlager-Profile, die sich in die Landschaft einbinden. Diese Brücke ist nicht der Leuchtturm, sondern eher eine Brücke, die sich in die Landschaft duckt.“ Weniger spektakulär, aber sicherlich auch eine interessante Lösung, so Dobrindt.

Kritikpunkt hier: Einige Punkte aus den Vorgaben zur Freihaltung für die Abwasserkanäle sind nicht beachtet.

Drei favorisierte Entwürfe für den „Sprung über die Emscher“

Den größten Schwung nimmt die Variante 3 des Brückenbauwerks übers Wasserkreuz: Das ist einer der drei Entwürfe, die auf Platz 2 im Wettbewerb kamen und nun nachgebessert werden müssen, um alle Anforderungen zu erfüllen. © Stadt Castrop-Rauxel

3. Absolute Prägnanz im Landschaftsbild

Die dritte Brücke fällt dadurch auf, dass sie die Wegebeziehungen in einem großen Schwung aufgreift. Der Platz der Schichten bleibt hier recht naturnah gestaltet. In der Pflasterung wird der Verlauf der zum Teil unterirdischen Kanäle (Abwasserkanal Emscher) abgebildet. Auch hier gibt es zwei Sprünge über die Emscher.

„Diese Brücke hat ein ganz anderes Konstruktionsprinzip“, so Dobrindt: „Eine Zugwand-Konstruktion, die an einem zentralen Element hängt, das massiv im Erdboden verankert werden muss.“ Hauptelement sei aber auch hier eine Hohlkastenkonstruktion. „Hier haben wir eine absolute Prägnanz im Landschaftsbild“, sagt Dobrindt, die an die Erasmus-Brücke in Rotterdam erinnere.

Kritikpunkt ist die Frage danach, ob das Projekt zu den Kosten umsetzbar sein wird.

Überlegungen begannen vor 15 Jahren

Heiko Dobrindt bettete das Projekt in den großen Zusammenhang ein: Vor 15 Jahren habe es begonnen mit der Untersuchung „Das blaue Band“, um Wasserpotenziale in Castrop-Rauxel auszuloten. Bestandteil war ein Plan, der damals schon den Titel „Sprung über die Emscher“ trug. Diese Idee der Brücke habe man weitergetragen – und die Idee, den Strukturwandel zu dokumentieren.

Das soll über die Herausarbeitung von Schichten geschehen: Unter der Erde liegt der Emscherkanal, acht Meter höher die Emscher, weitere acht Meter darüber der Rhein-Herne-Kanal und noch mal acht Meter darüber die Brücke.

Erst wollte man es über eine Landesgarten- oder Wasserschau realisieren. Daraus wurde nichts, aber es blieb eine Förderzusage des Landes für das Projekt Emscherland 2020. Inhalt ist ein naturnah ausgebildeter Suderwicher Bach, ein Naturwasser-Erlebnispark, die Emscherterrassen zwischen Emscher und Kanal mit der Option, ein Weinanbaugebiet zu entwickeln. Als Förderaussicht stand einst ein zweistelliger Millionenbetrag im Raum.

Jetzt steht die finale Abstimmungsphase bevor

Geblieben ist der hochformalisierte Wettbewerb, der 2018 ausgelobt wurde. Nachdem nun am 6. Februar das Preisgericht getagt hat, um die anonym eingereichten Entwürfe zu sichten, geht es jetzt in die finale Abstimmungsphase.

Zu den Rahmenbedingungen, die die Wettbewerbsteilnehmer vor eine große Herausforderung gestellt hätten, gehört, dass die Trasse der Kanäle, also des Stauraumkanals und des jüngst gefluteten Abwasserkanals Emscher sowie eine Ersatztrasse freizuhalten sind. Es darf nur auf Grundstücken der Emschergenossenschaft gebaut werden. Zudem muss ein Bereich für mögliche Kräne am Düker frei bleiben. Aussichtspunkt, gläserner Schacht und Brücke sind Pflicht.

Lesen Sie jetzt
Lesen Sie jetzt