Drei gebrochene Halswirbel werfen Rätsel auf

mlzPaar-Streit eskaliert

Streitigkeiten und Schreierei gehörten zum Alltag des Paares. Der traurige Höhepunkt: ein Sturz und drei gebrochene Wirbel. Die Frau band ihrem Kind gerade die Schuhe zu.

Castrop-Rauxel

, 01.06.2020, 14:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

In der Beziehung flogen häufiger die Fetzen, auch schon mal eine Blumenvase. Schlimmer Höhepunkt: Im Oktober letzten Jahres stürzte die 32-jährige Frau im Treppenhaus die Stufen herunter. Dabei brach sie sich drei Wirbel. Jetzt landete der Fall vorm Amtsgericht in Castrop-Rauxel.

Auf der Anklagebank der 38-jährige Partner der Frau, die als Nebenklägerin und Zeugin auftrat. Der Vorwurf: gefährliche Körperverletzung. Er soll seine Partnerin, die Mutter des gemeinsamen dreijährigen Kindes, die Stufe hinuntergestoßen oder -getreten haben. In dem Moment, als sie vor dem Kind kniete, um ihm die Schuhe zuzubinden.

War es ein Schubser oder ein Tritt?

„Ja, ich habe sie geschubst“, sagte der Angeklagte. Auslöser für seinen Zorn seien die ständigen Streitereien gewesen. So auch am Tag zuvor und an diesem Morgen. Nachdem die Blumenvase geflogen war, sei er sauer gewesen.

„Sie ist vermutlich auf irgendwas draufgefallen“, so der Angeklagte. Anders könne er sich die argen Verletzungen nicht erklären. Und die waren heftig. Drei gebrochene Brustwirbel, zwei Wochen Krankenhaus und danach noch sechs Wochen lang eine Korsage, um den Körper zu stützen und zu schützen.

Ein Schubser kann es nach dem ärztlichen Gutachten allerdings nicht gewesen sein. Eine „Kraft von oben“ habe eingewirkt, zitierte die Geschädigte die fachliche Einschätzung. Sie gab zu, häufig schlechte Laune gehabt zu haben. Fühlte sich überfordert mit Kind, Beruf und Weiterbildung. „Ich war vielleicht zu unrecht sauer, wollte an diesem Morgen mit dem Kind abhauen“, gab sie an.

Ob der Partner sie geschubst oder getreten habe, konnte sie nicht sagen. Auch nicht, ob er zu diesem Zeitpunkt Schuhe trug oder barfuß war, was für die Schwere der Schuld einen Unterschied macht.

Gutachten erforderlich

Klar wurde durch die Aussage eines Polizisten zumindest, dass die Frau vermutlich auf keinen Gegenstand gefallen ist. Die Verletzte, die sich nach dem Sturz nicht rühren konnte, hatte schnelle Hilfe bekommen, weil der ältere Sohn des Angeklagten umsichtig handelte und unverzüglich einen Krankenwagen und die Polizei rief.

„Der 14-Jährige war richtig cool“, so der Beamte. Er sei ausgesprochen aufgeweckt und besonnen gewesen. Das Kleinkind habe den Ernst der Lage dagegen glücklicherweise nicht erfasst. Es habe auf dem Sofa gesessen und gespielt, bis der Opa kam, um es abzuholen. Der Angeklagte war zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr da. Abgehauen, wie der Polizist sagte.

Um vor seinem Urteilsspruch über den Hergang und die Folgen des Sturzes genaue Informationen zu bekommen, will der Richter ein Sachverständigen-Gutachten einholen. Danach wird der Prozess fortgesetzt.

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