Dreistes Familiendrama in Dorf Rauxel

DORF RAUXEL Geldgierige Kinder, ein Haschkekse backender Bruder und eine wegen Ehebetrug polizeilich gesuchte Schwester - auf solcherlei Familie konnte die 80-jährige Mutter von Renate gut verzichten. Nicht aber das begeisterte Publikum am Freitagabend bei der Premiere des neuen Stückes der WLT-Gruppe "Generatiös".

von Von Daniel Sczekalla

, 01.06.2008, 16:56 Uhr / Lesedauer: 1 min
Geburtstag mit Hindernissen

Geburtstag mit Hindernissen

Eigentlich war es sogar eine Doppelpremiere, denn nicht nur das Stück selbst präsentierte sich zum ersten Mal dem Publikum, auch der Dachboden der ehemaligen Kornbrennerei erwies sich zum ersten Mal als passender Ort für eine Theateraufführung.

Schon vom Parkplatz aus hörten die Besucher das Altsaxophon, dass sie zu ihren Plätzen im zweiten Stock lockte und bis zum Anfang des Stückes unterhielt.

"Und was gibt´s zum Nachtisch?" präsentierte den Zuschauern einen 80. Geburtstag wie ihn wohl niemand gerne erleben möchte. Die eigenen Kinder interessieren sich nur für das liebe Geld und wollen die eigene Mutter am liebsten ins Heim verfrachten.

Bruder züchtet im Garten Cannabispflanzen

Der Bruder verwettet das Vermögen beim Pferderennen und züchtet im heimischen Garten, zusammen mit der Enkelin, Cannabispflanzen. Auch untereinander herrscht bei den Geschwistern und Eheleuten mehr Zwist denn Frieden.

Natürlich wirkt alles ein bisschen rustikal und improvisiert auf der Bühne des Kornspeichers - ein Türrahmen wird an Ort und Stelle geschoben und macht so aus einem gleich zwei Räume. Auch die alte Treppe erweist sich als vortreffliche Veranda. Lediglich der theatertypische Vorhang fehlt - also Licht aus und mit angepackt - die Schauspieler scheuten keine Mühe, wenn es darum ging, die Bühne umzudekorieren.

Bei so viel Dreistigkeit ist Applaus gerechtfertigt

Selbst das Publikum wurde kurzerhand mit eingebunden: Da wird die Kamera touristentypisch zum Fotografieren in die Hand gedrückt und auch die Haschpflanzen werden schnell an Unbeteiligte in der ersten Reihe verteilt, als die Polizei naht.

Bei so viel sympathischer Dreistigkeit ist auch der langanhaltende Applaus nur gerechtfertigt. Die "Laien"-Schauspielgruppe "Generatiös" hatte es wieder einmal geschafft und begeisterte das Publikum mit einer humoristischen Glanzleistung.

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