Ehefrau erstochen - Urteil überraschend verschoben

Mord-Prozess

CASTROP-RAUXEL Ein erbitterter Trennungsstreit soll der Grund gewesen sein, warum ein 25-jähriger Castrop-Rauxeler vor einem Jahr seine Ehefrau erstochen und dann seine Schwiegermutter lebensgefährlich verletzt hat. Am Montag sollte das Urteil gesprochen werden, aber das Prozessende verzögert sich erneut.

von Von Martin von Braunschweig

, 05.10.2009, 18:52 Uhr / Lesedauer: 1 min

Eine Entscheidung wird nun frühestens am 14. Oktober erwartet. Doch auch das ist noch längst nicht sicher, denn die Richter haben für diesen Verhandlungstag zunächst noch weitere Beweiserhebungen vorgesehen. Bereits gestern hatten sie damit begonnen, Briefe des 24-jährigen Opfers an den angeklagten Adel J. (25) zu verlesen. Darin schildert die Frau ihre Gründe für die beabsichtigte Trennung. Ihr Mann habe sie mit obszönen Schimpfwörtern beleidigt und außerdem geschlagen. „Ich habe dich geliebt, und jetzt ist da nur noch Hass“, heißt es in dem Brief.

Verteidiger Knuth Meyer-Soltau reagierte sofort und widersprach der Verlesung. Wer sage denn, dass die Briefe tatsächlich aus der Feder der später Getöteten stammten? Um diese Frage zu beantworten, sollen nun am kommenden Verhandlungstag Schriftproben der Frau ausgewertet und mit den Briefen verglichen werden. Möglicherweise muss dafür sogar extra noch ein Gutachter eingeschaltet werden.

Der Prozess gegen Adel J. stand von Beginn an unter keinem glücklichen Stern. Nach dem ersten Auftakt im März wurde die Verhandlung ausgesetzt, weil die Polizei Nachermittlungen innerhalb der Familie des Opfers anstellen sollte. Im Mai begann der Prozess noch einmal von vorne. Im Verlaufe der Verhandlung meldeten sich dann mehrere Zeugen aus dem Gefängnis, die behaupteten, Adel J. habe ihnen gegenüber in der Haft den Mord gestanden. Im Prozess selbst hat der 25-Jährige dagegen über seinen Verteidiger erklärt, dass er sich an die Bluttat vom 5. September 2008 nicht mehr erinnern könne. Rechtsanwalt Meyer-Soltau hatte in seinem Plädoyer schließlich eine Verurteilung lediglich wegen Totschlags beantragt, während Staatsanwältin Carola Jakobs lebenslänglich wegen Mordes gefordert hatte.  

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