Ehemalige SPD-Ratsfrau Minchen Noelle ist gestorben

Nachruf

Minchen Noelle ist tot. Die langjährige SPD-Ratsfrau und Ehrenvorsitzende des Vereins „Frauen helfen Frauen“ - Träger des Frauenhauses - starb am Sonntag. Sie galt für viele als Vorbild.

Castrop-Rauxel

, 23.10.2019, 08:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Ehemalige SPD-Ratsfrau Minchen Noelle ist gestorben

Minchen Noelle im Alter von 85 Jahren, mit einem Bildband von Neuseeland, ihrem Lieblings-Urlaubsziel. © Regener

Minchen Noelle, Urgestein der hiesigen Sozialdemokratie wurde 92 Jahre alt. Sie stand für unermüdliches soziales Engagement, solidarisches Eintreten für Menschen auf der Schattenseite und für konstruktives Mitstreiten.

Mit der ihr eigenen Energie und Durchsetzungskraft bot sie der Bürokratie die Stirn. Was besonders in der Gründungsphase von Frauen-Verein und Frauenhaus vor über 30 Jahren von großer Wichtigkeit war. Vor zwei Jahren feierten Frauenhaus und Minchen Noelle an einem Festabend zusammen den 120. Geburtstag - 90 Jahre Minchen Noelle und 30 Jahre Frauen-Verein und Frauenhaus.

Eva Steininger-Bludau, seinerzeit SPD-Landtagsabgeordnete, sagte schlicht wie zutreffend: „Das Frauenhaus geht einher mit dem Namen Minchen Noelle.“ Und die zu dem Zeitpunkt 90-Jährige erwiderte: „Für mich ist das Frauenhaus immer noch wie mein kleines Kind.“

Bis zu ihrem 60. Lebensjahr berufstätig

Minchen Noelle, gebürtig in Henrichenburg, war bis zu ihrem 60. Lebensjahr berufstätig. Nach dem Krieg drei Jahre als Straßenbahnschaffnerin, dann 32 Jahre als Floristin. In die SPD trat die Mutter zweier Töchter nach dem Unfalltod ihres Mannes 1972 ein, engagierte sich in der Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen – auch an der Spitze der AsF.

Von September 1979 bis Oktober 1994 gehörte Noelle dem Stadtrat an, wirkte in Fachausschüssen und Gremien. Und bohrte dicke Bretter gegen Vorurteile, bis das Frauenhaus im Frühjahr 1986 eröffnet werden konnte. Da hatte Noelle längst etlichen Frauen in Not privat ein Dach über dem Kopf in ihrer eigenen Wohnung angeboten, war unzählige Kilometer gedüst, um Frauen, denen Gewalt angetan worden war, zu helfen.

Seniorenbeauftragte in Habinghorst

Bis ins hohe Alter blieb Minchen Noelle ehrenamtlich parteipolitisch bei der SPD Habinghorst als Seniorenbeauftragte aktiv, engagierte sich weiter für „ihr“ Frauenhaus, verkaufte Gläser Marmelade, damit das Frauenhaus sein Budget aufbessern konnte, arbeitete in der SPD-AG 60-plus mit, organisierte den Altentreff der Arbeiterwohlfahrt in Habinghorst.

Vielen Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten, die heute vor Ort politisch für die Stadtgesellschaft ehrenamtlich am Ball sind, galt Noelle als Vorbild gelebten Einsatzes. Was zweifellos auch für die Abgeordneten in Düsseldorf und Berlin aus unserer Stadt gelten dürfte.

Was auf die Gabel, um die Genossen bei Laune zu halten

Unvergessen bleibt auch Minchen Noelles Einsicht in die kleinen Dinge am Rande. „Ohne Mampf kein Kampf“, so lautete die Devise. Und dann gab es was auf die Gabel, um die Genossinnen und Genossen bei Laune zu halten.

Die Empathie gab’s ohnehin – gewürzt mit ein paar Takten, wo es langzugehen hat. Für Minchen Noelle stand stets der Mensch – der Nächste – ganz oben auf ihrer Agenda.

Lesen Sie jetzt