Ein bekanntes Künstlerpaar möchte die Alte Eiche malen - wird die Polizei das verhindern?

mlzAlte Eiche

Im Hambacher Forst hat das Künstlerehepaar Helge und Saxana Hommes mehrere Gemälde gemalt. Am Dienstag (5.11.) wollen sie nun eins von der Alten Eiche malen. Doch es gibt ein Problem.

Habinghorst

, 05.11.2019, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zwei Wochen lang hat das Leipziger Künstlerehepaar Helge und Saxana Hommes schon im Hambacher Forst Gemälde gemalt. Am Dienstag wollen sie Castrop-Rauxel besuchen und die Alte Eiche malen.

Eine Aktion, die der Investor Dreigrund Development allerdings verbietet. Per Mail baten Helge und Saxana Hommes den Investor um eine Ausnahmegenehmigung, das Gelände zu betreten. Sie schreiben: „Wir, Helge und Saxana, sind Künstler und portraitieren seit langer Zeit Bäume. Wir würden gerne auch die Alte Eiche in unsere Portrait-Reihe einbeziehen. Wir würden gerne am Dienstag die alte Eiche vor Ort malen.“ Dafür baten sie Dreigrund um Genehmigung.

Investor erteilt den Künstlern trotz Anfrage ausdrücklich Hausverbot

Diese Genehmigung lehnt der Investor jedoch strikt ab und verweist darauf, dass das Betreten des Privatgeländes für jedermann verboten ist. Unbefugtes Betreten werde strafrechtlich verfolgt. Auf weitere Bitte der Künstler, dass sie den Baum nur malen wollen, erteilt Dreigrund den Künstlern ein ausdrückliches Hausverbot.

So arbeiten Helge und Saxana Hommes

  • Helge und Saxana Hommes haben elf Gemälde im Hambacher Forst gemalt.
  • Es handelt sich dabei um großformatige Naturmotive, sogenannte Himmelskinder.
  • Für die beiden Künstler handelt es sich dabei um eine Form des „poetischen Widerstandes“.

Wolfgang Schlabach, 2. Vorsitzender des Vereins „Rettet die alte Eiche“, kann das nicht nachvollziehen. „Die Künstler wollen nur den Baum malen und für die Zukunft im Bild erhalten“, so Schlabach.

Ein bekanntes Künstlerpaar möchte die Alte Eiche malen - wird die Polizei das verhindern?

Das Künstlerehepaar malt großformatige Naturmotive - auch schon im Hambacher Forst. © Helge Hommes

Kunstaktion im Hambacher Forst zugelassen

Im Hambacher Forst hätte ein Polizist genau so eine Kunstaktion des Künstlerehepaares zugelassen. Als Helge und Saxana Hommes mit Utensilien für ihr 12 Quadratmeter großes Abschlusswerk vom Baumarkt zurück in den Wald wollten, beschlagnahmten die Polizisten zunächst alles. Utensilien im Wert von 1000 Euro - Spraydosen, Farbtuben und zwei große Keilrahmen. All das könnte zur Herstellung von Waffen verwendet werden, so die Begründung der Polizei.

Doch nach tagelangen Verhandlungen kehrte das Paar gemeinsam mit hunderten Unterstützern zurück in den Wald. Ein in den Sozialen Medien häufig geteiltes Video zeigt Verhandlungen des Paares mit den Polizeibeamten. Sie endeten zugunsten der Künstler.

Kunst-Aktion auch an der Alten Eiche möglich?

Auf diese Verhandlung beruft sich Schlabach nun und meint, der Polizeibeamte „hat sich wohl weit aus dem Fenster gelehnt, aber scheinbar eine Rechtslage für sich beansprucht, die das möglich macht“.

Mit Blick auf den Besuch des Künstlerpaares und die geplante Aktion an der Alten Eiche fragt er: „Wenn das da so ging, wäre das doch ohne Stress auch in Castrop-Rauxel möglich, oder?“

Polizei: Investor hat Künstlern das Betreten nicht erlaubt

Michael Franz, Sprecher der Polizei Recklinghausen, betont: „Es handelt sich grundsätzlich um ein Privatgelände.“ Heißt: Wenn der Investor den Künstlern das Betreten untersagt, handele es sich um Hausfriedensbruch.

Auf die Frage, ob am Dienstag Einsatzkräfte der Polizei an der Eiche sein werden, konnte Franz keine konkrete Antwort geben, sagte aber: „Wir haben grundsätzlich ein Auge darauf.“

Ein bekanntes Künstlerpaar möchte die Alte Eiche malen - wird die Polizei das verhindern?

Am Dienstag möchte das Künstlerehepaar Hommes die Alte Eiche malen. © Helge Hommes

Künstler möchten Alte Eiche malen

Helge und Saxana Hommes werden Dienstag kommen, betont Schlabach: „Die Künstler haben sich offiziell angemeldet.“ Es handle sich um eine friedliche Aktion, um Kunst und Kultur. Dennoch hat Schlabach Bedenken: „Ich vermute, dass die beiden von der Polizei abgefangen werden.“

Malen werden die beiden das Gemälde auf jeden Fall, betont Helge Hommes auf Nachfrage unserer Redaktion. Unabhängig davon, ob sie auf das Gelände zu der Alten Eiche kommen oder aufgehalten werden: „Ganz egal was passieren wird, alles findet auf dem Gemälde Platz“, sagt Hommes. „Wir wollen keinen Streit und schauen einfach, wie sich alles ergibt. Alle Personen werden dann so gemalt, wie sie sich verhalten.“ Entstehen sollen zwei Ölgemälde, jeweils 1,60 Meter mal 1,20 Meter groß.

Leonore Schröder antwortet auf den Offenen Brief des Bürgermeisters

  • „Verein und Aktionskreis begrüßen die von Bürgermeister Kravanja in seinem Offenen Brief vom 22. Oktober 2019 geäußerte Absicht, alle von dem Fall ‚Alte Eiche‘ betroffenen Akteure zu einem Austausch einzuladen.“
  • Doch sie müssten in aller Deutlichkeit „den im Schreiben und in der Pressemitteilung der SPD erweckten Eindruck zurückweisen, dass die ‚verhärteten Fronten‘ durch die Verstocktheit und laienhaftes Agieren der Baumschützer zustande gekommen seien. Damit lenken die SPD und der Bürgermeister nur von ihrer Verantwortlichkeit für die Entwicklung ab.“
  • Durch den Bürgermeister werde suggeriert, dass der Verein „nun endlich“ bereit sei, „durch Erwerb einiger Grundstücke den Baum zu erhalten“. Die Aussage „nun endlich“ erwecke einen falschen Eindruck. Die Eichenschützer hätten bereits Anfang Juli einen Verein gegründet, „mit dem ausdrücklichen Ziel, die Eiche auch durch einen Kauf zu retten. Wir haben also keine plötzliche Kehrtwendung gemacht.“
  • Dass der Bürgermeister vermitteln möchte, sei gut. „Aber er vermittelt in einem Konflikt, den er als Vorsitzender des Rates selbst geschaffen hat durch die Abgabe der Planungshoheit der Stadt an den Investor.“
  • Schröder bitte um Seriosität im Vermittlungsverfahren: „Dass die Eiche vor der Klärung der drei Gerichtsverfahren nicht gefällt oder zufällig durch Unbekannt nachhaltig beschädigt wird.“ Und weiter: „Dass HambiPotter bis auf einen Ausgang rundum durch einen Bauzaun eingesperrt und seine Versorgung schwierig geworden ist, ist sicher nicht im Sinne einer angestrebten einvernehmlichen Lösung.“
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