Ein Kardiologe an der Orgel von St. Lambertus

Konzert

Ein exquisites Konzert an der Orgel von St. Lambertus gab am Sonntag Prof. Hans-Joachim Trappe. Der gebürtige Castroper ist Kardiologe und Leiter des Universitätsklinikums in Herne. Als Virtuose an der Orgel konzertiert er seit Jahrzehnten und spielt CD-Aufnahmen ein.

CASTROP-RAUXEL

von Von Martin Schreckenschläger

, 12.11.2012, 14:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Professor Hans-Joachim Trappe an der Eisenbarth-Orgel.

Professor Hans-Joachim Trappe an der Eisenbarth-Orgel.

 Nach dem Glockenschlag weckten erste, ungestüme Akkorde das Publikum. Der Pontifikalmarsch des Belgiers Jacques-Nicolas Lemmens gewährte zwar mit einigen den Labialregistern vorbehaltenen Passagen Ruhepunkte, strotzte aber vor lautstarken Attacken knurrender Mixturen. Ganz im Kontrast dazu erklangen drei sanfte Werke Bachs. Erst im letzten Choral legte sich eine Melodie im Krummhornregister über die perlenden Läufe in der Art, wie dies 130 Jahre später Gounod mit seinem "Ave Maria" über das erste Präludium nachvollzog.  

Das Finale der 6. Orgelsinfonie von Widor wies in chromatischen Akkorden bereits auf die Moderne, hatte eindeutig weltlichen Charakter. Mit einer ganz besonderen Zugabe erwies der 58-jährige Mediziner seiner Heimatstadt Referenz. Dem Kirchenlied "Großer Gott, wir loben Dich" ließ er in freier Improvisation Klangbilder entstehen, die sich fortwährend zu übertrumpfen suchten: ein Triumphmarsch, eine Überlagerung von Läufen unterschiedlicher Tempi, schließlich getragen, aber gewaltig wie der Beginn des Konzertes.

 Seine zwei Berufe verbindet Trappe auf höchstem Niveau miteinander. Wie gelingt das? "Nur mit äußerster Disziplin", verrät er. Für etwa 15 Konzerte im Jahr, auch im Ausland, Gottesdienste und Orgelbeiträge im Fernsehen, opfert er seine Freizeit. "Ich übe jeden Tag", erklärt er, verfügt dafür zuhause über eine eigene Pfeifenorgel.

Lesen Sie jetzt