Ein Schuss Komik als Gegengift zum Grauen

„Erbarmen“ im WLT

Eine Frau, gefangen in einem Verlies. Fünf Jahre lang. Den Grund für ihr Martyrium kennt sie nicht. Peiniger füttern sie und erhöhen den Luftdruck in der Kammer, wo sie ihr einen grausamen Tod zugedacht haben.

CASTROP-RAUXEL

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 06.11.2013, 10:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Auf dem Bild: v.l.: Gudio Thurk, Bülent Özdil

Erbarmen, Westfälisches Landestheater

Auf dem Bild: v.l.: Gudio Thurk, Bülent Özdil Erbarmen, Westfälisches Landestheater

Die Bühne (Ausstattung: Anna Kirschstein) ist in Bunkergrau gehalten, tauglich für ein Verlies wie für Mørcks karges Büro. Dia-Projektionen folgen auf „Schwarzblenden“, schwupp sind wir in einer Redaktion oder im Pflegeheim. Der Polizist glaubt an ein Verbrechen. Eine lebendig Eingemauerte (Julia Gutjahr), ein Mann, der nach ihr gräbt (Guido Thurk). Zwei Erzählstränge. Der erste wirft Beklemmung ab, so sadistisch ist die Folter, die an die Fälle Kampusch und Fritzl denken lässt. Ganz anders die Episoden um den Ermittler: Die sind nah bei Posse oder Schwank angesiedelt. Thurk ist ein Mann fürs Leichte, Komödiantische. Der Kommissar gerät ihm zum Filou und Schussel- „Columbo“, der maßgeblich von der Spürnase seiner arabischen Putzkraft (guter Akzent: Bülent Özdil) profitiert. Als komische Vögel sollen beide wohl den finsteren Seelengrund aufhellen, der hinter der Entführung lauert. Heiteres und Horror lähmen sich in ihrer Wirkung. Wer kichert, ist gegen Schocks gefeit, das ist das Problem. Zum Nervenkrimi, der uns auf die Sitzkante triebe, reicht es nicht. Immerhin scheint momentweise das nackte Grauen durch, doch abgemildert und konterkariert.  

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