Auf der Seite der Polizei Recklinghausen findet man viele wichtige Tipps zum Thema Einbruch. © Thomas Schroeter
Sicherheit

Einbrecher haben Hochkonjunktur: Die 10 größten Einbruchs-Irrtümer

Alle sechs Minuten passiert in Deutschland ein Einbruch. Rund um das Thema bilden sich viele Legenden. Die Polizei klärt über die zehn größten Einbruchs-Irrtümer auf.

Alle sechs Minuten sind Einbrecher in Deutschland im vergangenen Jahr in eine Wohnung eingedrungen. Das klingt sehr viel Vor neun Jahren passierte das noch alle vier Minuten. Die Statistik sagt also, dass sich die Lage deutlich verbessert hat.

Das hilft dem Einbruchs-Opfer nicht wirklich, denn die gefühlte Sicherheit ist eine andere als die tatsächliche. „Ein Einbruch ist für die Betroffenen sehr belastend. Dabei geht es nicht nur um den materiellen Schaden und den Verlust unersetzbarer Erinnerungsstücke. Viele quält der Gedanke, dass Fremde in privaten Dingen gewühlt haben und fühlen sich zu Hause nicht mehr sicher“, sagt die Polizeipräsidentin in Recklinghausen, Friederike Zurhausen.

Wann, wie, wo und warum wird eingebrochen?

Und ein Einbruch kostet auch Geld. Lag der durchschnittliche Schaden bei einem Einbruch vor 20 Jahren laut Gesamtverband deutscher Versicherer (GdV) damals bei 2100 Euro, so zahlten die Versicherungen 2019 im Schnitt 3200 Euro.

Wer sich mit dem Thema beschäftigt, speziell die Polizei, Sicherheitsunternehmen und die Versicherungen, weiß beim Thema Einbruch aber auch um viele Legenden, Vermutungen und Irrtümer. Wir sind den zehn größten Irrtümern in Sachen Einbruch nachgegangen:

1 Urlaubszeit ist Haupteinbruchszeit

Nein. In der Hauptreisezeit Juli und August geschehen statistisch sogar die wenigsten Wohnungseinbrüche im Jahr. Die Daten des Gesamtverbands deutscher Versicherer zeigen: Vor allem im Dezember und im Januar häufen sich Wohnungseinbrüche. Und auch die Polizei warnt davor, dass Einbrecher besonders in der „dunklen Jahreszeit“, also zwischen November und März sehr aktiv sind.

2 Einbrecher agieren in der Nacht

Nein. Gut 80 Prozent der Wohnungseinbrüche geschehen laut polizeilicher Statistik zwischen 8 und 22 Uhr. Bei Einfamilienhäusern steigen Täter besonders häufig zwischen 14 und 22 Uhr ein; in Mehrfamilienhäusern zwischen 12 und 20 Uhr, eben dann, wenn Bewohner meist nicht zu Hause sind, weil man davon ausgehen kann, dass die Menschen zur Arbeit sind.

3 Einbrecher spionieren Ziele aus

Nein und ja. Es gibt Täterbanden, die gezielt Objekte ausspionieren. Dann sind das aber nicht Geschosswohnungen oder Reihenhäuser, sondern Ziele, in denen richtig Beute zu machen ist. Die meisten Einzeltäter aber, so die Erfahrung des Versicherungsverbandes, gehen in der Regel einfach mit offenen Augen durch die Gegend, nehmen Schwachstellen wahr, schlagen quasi spontan zu. Schon ein auf Kipp stehen gelassenes Fenster erhöht das Einbruchsrisiko.

4 Haustür abschließen steigert die Sicherheit

Nein und ja. Wenn im Mehrfamilienhaus die Haustür abgeschlossen ist, können Unbefugte nicht so einfach hineinkommen. Richtig. Aber im Notfall bekommt man Probleme. Darum raten Polizei und Feuerwehr davon ab, Haustüren abzuschließen. Auch viele Wohnungsunternehmen mahnen, die Haustür nicht zu verschließen. Bereits im Jahr 2015 hat das Landgericht Frankfurt/Main (Urteil v. 12.05.2015, Az.: 2-13 S 127/12) entschieden, dass Haustüren von Mehrfamilienhäusern nicht abgeschlossen werden dürfen. Also: Tür immer geschossen halten, aber nicht verschlossen.

Anders sieht es aus, wenn man seine Wohnung/sein Haus verlässt. Dann muss man abschließen, um nicht fahrlässig zu handeln. Das Landgericht Kassel entschied 2010 beispielsweise, dass es bereits bei einer Abwesenheit von gut zwei Stunden grob fahrlässig ist, die Tür nur zuzuziehen und nicht abzuschließen – dies rechtfertige eine Kürzung der Versicherungsleistung um 50 Prozent (AZ: 5 O 2653/09).

5 Täter sind auf große Beute aus

Nein und ja. Natürlich wollen Einbrecher gern pro Einbruch möglichst viel Beute machen. Aber: .Aber in der Regel sind sie vor allem auf schnelle Beute aus: Geld oder Schmuck etwa. „Die Erfahrung zeigt, dass Täter oftmals ihren Einbruchsversuch abbrechen, wenn es Ihnen nicht gelingt, eine Tür oder ein Fenster binnen weniger Sekunden zu öffnen“, so ein Sprecher der Polizei Recklinghausen. Je leichter der Zugang, je verlockender die Gelegenheit, umso eher schlagen Täter zu. Bei Einfamilienhäusern sind vor allem Fenstertüren Schwachpunkte. In Mehrfamilienhäusern sind die Wohnungstüren und der Balkon die hauptsächlichen Schwachpunkte, so die Statistik.

6 Dachgeschosswohnungen sind sehr gefährdet

Nein. Auch wenn man oft davon hört, dass die oberste Etage bevorzugt von Einbrechern aufgesucht werden. Das stimmt nicht. Als Argument wird häufig ein vermeintlich niedrigeres Entdeckungsrisiko für den Täter vermutet. Das ist nicht so, in der Regel bevorzugen Einbrecher die Parterre- und Hochparterre-Wohnungen, um schnell fliehen zu können, so zeigen die Polizei-Zahlen.

7 Schutz lohnt nicht, wer rein will, kommt rein

Nein. „Ein Einbruch dauert in der Regel um die fünf Minuten und die meisten Einbrecher haben nur einen Schraubenzieher dabei“, so erklärte es Claus Grüter vom Recklinghäuser Kommissariat Vorbeugung bei einem Termin in Castrop-Rauxel.

Es komme also darauf an, es den Einbrechern so schwer wie möglich zu machen. „Man kann selbst eine Menge tun, damit Einbrecher gar nicht erst in die eigenen vier Wände gelangen“, so Polizeisprecherin Ramona Hörst Ein massiver Sperrriegel an der Wohnungstür kann schon das entscheidende Hindernis sein, sagt die Polizei. Bei Fenstern und Fenstertüren wiederum erweisen sich zum Beispiel Pilzkopfverriegelungen als wirkungsvoll, das erschwert das Aufhebeln.

Auch Zusatzschlösser – an beiden Seiten eines Fensters – mindern die Möglichkeit des Aufhebelns. Fenster lassen sich zudem von innen durch Teleskopstangen sichern.

8 Ein Kastenschloss schützt vor Einbrüchen

Nein. Kastenschlösser auf der Tür kommen aus Sicht der Polizei nicht gut weg. Wer seine „Wohnungsabschlusstür“ zusätzlich sichern will, dem rät die Polizei zu einem Panzerriegel. Das massive Zusatzschloss wird meist unterhalb der Klinke über die gesamte Breite auf der Tür befestigt und sichert die Tür auf beiden Seiten vor Aufbruch. Nicht zu unterschätzen ist auch eine gesunde soziale Kontrolle: Aufmerksame Nachbarn sind ein guter Einbruchsschutz.

9 Im Schlafzimmer sind Wertsachen gut versteckt

Nein. Der erste Weg des Täters geht ins Schlafzimmer, so ein Einbruchsexperte der NRW-Polizei. Weil da meist auch der Schmuck aufbewahrt wird, auf den es Einbrecher neben Bargeld besonders abgesehen haben. Weil er klein genug ist, um ohne Aufsehen transportiert zu werden. Generell kann man davon ausgehen, dass es wohl kein Versteck in einer Wohnung gibt, das Einbrecher nicht kennen.

10 Einbruchschutz ist Sache des Vermieters

Nein. Als Mieter hat man gegenüber seinem Vermieter keinen Anspruch auf Einbruchschutz. Darauf weist die Gewerkschaft der Polizei hin. Will man etwa einen Panzerriegel an der Wohnungstür anbringen, ist das ein „Eingriff in die Bausubstanz“ und braucht das Okay vom Vermieter. Auch kann der Vermieter verlangen, dass man beim Auszug alles wieder in den Ursprungszustand versetzt. Hier hilft aber ein Gespräch im Vorfeld, denn mancher Vermieter sieht in einem solchen Schutz eine Steigerung des Wohnwertes.

Angebote der Polizei

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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