Elsbeth Kroh verkauft nun ihre letzte Marmelade

Abschied nach zehn Jahren

Seit mittlerweile zehn Jahren verkauft Elsbeth Kroh ihre Marmelade. Aus gesundheitlichen Gründen muss sie damit nun aufhören, wenn auch ungern. Die Königin der Marmelade schaut auf die vergangenen zehn Jahre zurück und erinnert sich an die schönsten Momente.

CASTROP-RAUXEL

von Lynn Pies

, 19.11.2015, 05:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Elsbeth Kroh verkauft nun ihre letzte Marmelade

Elsbeth Kroh und Annette Sonnhof verkaufen die Marmeladen.

Zehn Jahre sind es bereits, in denen Elsbeth Kroh fleißig ihre Marmelade verkauft. Jetzt muss sie gesundheitsbedingt aufhören. Freiwillig macht sie das nicht. Denn Aufgeben, sagt sie selbst, mag sie gar nicht. Ihr persönlicher Favorit? Holunderblütengelee oder alle Variationen mit Rhabarber. Aber auch kreative Kombinationen, wie Quitte mit Bananen, oder auch Sorten mit Alkohol gibt es bei ihr zu kaufen.

Die meisten Kunden, die auch am Dienstag zu einem der letzten Verkäufe kommen, kennt Elsbeth Kroh schon lange und begrüßt sie mit Namen. "Wir haben viele Stammkunden, die teilweise auch darauf lauern, dass wieder ein Verkauf in der Zeitung steht", sagt Kroh.

Frauenhaus erhielte einmal im Jahr den Erlös

Zwischen 70 und 100 Gläser bringt sie zu jedem Verkauf mit, in der Regel nimmt sie circa 30 wieder mit nach Hause. Der Erlös geht einmal im Jahr an das Frauenhaus – komplett, ohne Abzüge für die Früchte oder den Zucker. Zwischen 2000 und 4000 Euro kamen dabei im Jahr zusammen, in einem Jahr waren es sogar knapp über 5000 Euro.

Für das Frauenhaus fällt so natürlich eine riesige Einnahmequelle weg. "Diese Spenden waren sehr großzügig und auch für den Einsatz, den sie gezeigt hat und der nicht selbstverständlich ist, sind wir sehr dankbar", betont Annette Sonnhof, Mitarbeiterin des Frauenhauses.

Acht bis neun Gläser Marmelade am Tag produziert 

Kroh selbst ist auch traurig über den Abschied: "Ich gebe nicht gern auf." Das Marmelade-Kochen füllte ihren Tag, acht bis neun Gläser entstanden so jeden Tag. Ihr Lieblingsteil beim Marmelade-Kochen? "Das Abfüllen und Zuschrauben, weil dann bin ich fertig", sagt sie lachend. Beschwerden gab es in der ganzen Zeit nur zwei – wegen des Preises.

Die Marmeladen liegen alle bei einem Preis zwischen zwei und drei Euro, sind also teurer als im Handel. Dafür betonen, nach eigener Aussage der Verkäuferin, alle Kunden, dass die selbst gemachte Marmelade viel besser schmecke.

Marmeladenverkauf auf dem Weihnachtsmarkt der JVA

Ihre schönste Erinnerung? Bei einem Verkauf habe sie nur noch ein Glas Marmelade übrig gehabt. "Aber ich hatte ja bis 16 Uhr geöffnet, da konnte ich ja nicht einfach früher gehen", erinnert sie sich. Nach einer Stunde, die sie vor dem letzten Glas gesessen habe, sei ein Kunde auf der Suche nach Marmelade gekommen. "Er hat mir das letzte Glas abgekauft, und hat das auf dem Weg nach draußen einem Bekannten erzählt", so Kroh weiter. "Das war das einzige Mal, dass ich alle Gläser verkauft habe!"

Dabei muss es aber nicht bleiben, denn Kroh wird traditionsgemäß ihre Marmeladen auf dem Weihnachtsmarkt der JVA und auf Schwerin anbieten. Dort hofft sie dann auch die letzten Gläser zu verkaufen. Zurückgebracht werden müssen alte Gläser aber nicht mehr – in der neuen Wohnung ist dafür einfach kein Platz. 

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