Laura und Timo Gerberding genießen die Zeit mit ihrer Tochter Felia Josie. © privat
Coronavirus

Elternwerden in Coronazeiten: Beschränkungen belasten, befreien aber auch

Felia Josie ist Castrop-Rauxels Neujahrsbaby. Schwangerschaft und Geburt waren in der Pandemie geprägt von Einschränkungen. An einem Punkt aber fand das junge Elternpaar die Corona-Regeln gut.

Felia Josie trinkt und schläft und trinkt und schläft. Ja, manchmal schreit sie auch ein wenig. Und dann schläft sie wieder. Oder trinkt. Castrop-Rauxels Neujahrsbaby hat gut ins Leben gefunden. Was das Coronavirus ist, wie es die Welt verändert hat, interessiert sie nicht. Und wird sie auch nicht interessieren, wenn sie größer ist.

Das hoffen ihre Eltern Laura (27) und Timo (32) Gerberding. Corona hat die Schwangerschaft und die Geburt beeinflusst. Sie soll aber nicht Felias Leben prägen. Deshalb sind sie froh, dass Felia Josie am Neujahrstag im St.-Rochus-Hospital zur Welt kam. Am 1. Januar 2021. Und nicht 2020 – das Jahr, mit dem wir alle die Corona-Zeitenwende verbinden.

Wir haben mit ihnen über ihre Erfahrungen gesprochen.

Ein Baby in der Corona-Pandemie – das hat Laura und Timo Gerberding vor einige Herausforderungen gestellt. Einschränkungen wurden für sie vor allem während der Schwangerschaft spürbar. Da mussten sie auf einiges verzichten. Nach der Geburt haben sie sich aber sogar kurz über die Corona-Beschränkungen gefreut.

Vater durfte nicht mit zu den Untersuchungen bei der Frauenärztin

Als Laura und Timo Gerberding erfuhren, dass ihr Wunschkind unterwegs ist, war die Corona-Pandemie bereits in Deutschland angekommen. Erste Einschränkungen spürten beide, als es um Besuche bei der Frauenärztin ging. Da durfte der werdende Vater nur in Ausnahmefällen mit.

„Ich konnte einmal nur dabei sein, weil ich richtig Druck gemacht habe“, erzählt Timo Gerberding. „Man will sehen, wie das eigene Kind wächst und sich bewegt und nicht nur hinterher zu Hause ein Bild ansehen“. „Ich fühlte mich allein gelassen“, beschreibt seine Frau. „Dass ich das Ultraschallbild mitnehmen konnte, hat etwas geholfen. Das musste ich allerdings extra bezahlen.“

Auch andere Angebote waren eingeschränkt. Einige Zeit konnte Laura Gerberding noch beim Schwimmen für Schwangere dabei sein, dann kamen wieder strengere Auflagen. Schwimmen, Schwangerschaftsgymnastik, das hat ihr gefehlt. Sie beschreibt sich als sportlich, hat Spaß an Bewegung. In der Schwangerschaft musste sie sich passende Übungen im Internet suchen.

Geburtsvorbereitung mit der Hebamme nur am Bildschirm

Atmen, hecheln, entspannen: Auch die Geburtsvorbereitung des Zentrums für Geburt und Familie „Die Wiege“ am Rochus-Hospital fand nur online vor dem Bildschirm statt. Das habe gut geklappt, sagen beide. Das Ehepaar fühlte sich am Ende gut vorbereitet. „Wir hatten eine Super-Hebamme“, sagt Timo Gerberding.

Felia Josie macht ihren Eltern viel Freude.
Felia Josie macht ihren Eltern viel Freude. © privat © privat

Doch etwas anderes fehlte ihnen: „Es ist schade, dass wir keine anderen werdenden Eltern kennenlernen und Freundschaften mitnehmen konnten“, sagt der 32-Jährige. Im eigenen Freundeskreis hätten Paare nur vereinzelt Kinder. Da wäre es schön gewesen, Paare mit ähnlichen Fragen und Problemen zu treffen und Kontakte für später zu knüpfen.

Dazu kam, dass sich viele Freunde und Verwandte mit Treffen zurückhielten. „Keiner wollte riskieren, mich anzustecken“, erzählt die 27-jährige Erzieherin. „Dabei will man doch eigentlich seine Freude teilen.“

Eltern und ihr Kind konnten im Familienzimmer die ganze Zeit zusammen sein

Für das Rochus-Hospital haben sich die beiden ganz bewusst entschieden, auch wenn sie vorher keine Führung machen konnten. „Wir wollten ein Familienzimmer und ich wollte die ganze Zeit dabei sein“, sagt Timo Gerberding. Und das hat hervorragend geklappt.

Es war eine schnelle Geburt. Kurz und drei Tage früher als errechnet. Silvester hatten die beiden mit Freunden noch lange nach Mitternacht zusammengesessen, dann ausgeschlafen. Gegen 14 Uhr platzte die Fruchtblase. „Wir haben uns dann gemütlich fertig gemacht, Laura hat noch geduscht“, erzählt Timo Gerberding. Hätten sie da schon gewusst, dass ihr Kind schon um 19.19 Uhr auf die Welt kommen wollte, wären sie vielleicht nicht so entspannt gewesen.

Noch schläft Felia Josie die meiste Zeit.
Noch schläft Felia Josie die meiste Zeit. © privat © privat

Nur eine kritische Situation gab es. Als beide am Rochus-Hospital ankamen, musste Timo Gerberding draußen bleiben. Erst nach einer Erstuntersuchung, die bestätigte, dass mit der Geburt zu rechnen war, durfte er dann rein – Corona-Test inklusive. „Da hatte ich kurz Tränen in den Augen. Wenn er nicht rein kann, dann gehe ich auch nicht“, so beschreibt Laura Gerberding ihre Gefühle. Die Hebamme habe sie aber schnell beruhigt.

Corona-Regeln hatten im Krankenhaus auch ihre Vorteile

Die Geburt selbst: „unbeschreiblich“, wie der Vater sagt. Mehr soll über diesen einzigartigen Moment nicht gesagt werden. 3100 Gramm und 50 Zentimeter klein, wird später notiert. Dann ging es ins Familienzimmer, wo die junge Familie bis zur Entlassung nach drei Tagen blieb.

„Hier fand ich die Corona-Regeln gar nicht so schlecht“, erzählt Laura Geberding. „Es war alles sehr entspannt. Ich war froh, dass uns keiner besuchen konnte und das Baby sehen wollte.“ So hätten sie die Tage komplett Ruhe gehabt und Zeit, sich auf Felia Josie einzustellen. Auch jetzt zu Hause sei noch jeder vorsichtig und kündige sich vorher an.

Zwei Wochen nach der Geburt ist noch nicht alles Alltag, aber vieles schon alltäglich. Das Trio hat weiter viel Zeit für sich, weil Timo Gerberding vier Wochen Elternzeit hat. Der Anlagenmechaniker wird in einem Jahr noch einmal Elternzeit nehmen, wenn Laura Gerberding wieder in ihren Kindergarten zurückkehren wird. Vielleicht sind sie bis dahin auch noch einmal verreist. Das ist ein Wunsch. Innerhalb von Deutschland oder nach Spanien – mal sehen, was Corona der jungen Familie erlaubt.

Über die Autorin
Redakteurin für Castrop-Rauxel und den Dortmunder Westen

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