Entbindung ganz alleine? Strenge Regeln bei Geburten während der Coronakrise

Schwangerschaft

Die Geburt eines Kindes ist für viele Mütter und Väter der schönste Tag des Lebens. Doch während der Corona-Krise gibt es auch rund um die Geburt Einschränkungen.

Castrop

, 30.03.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Laut Robert-Koch-Institut gibt es bislang keinen Hinweis darauf, dass Schwangere durch das Coronavirus besonders gefährdet sind.

Laut Robert-Koch-Institut gibt es bislang keinen Hinweis darauf, dass Schwangere durch das Coronavirus besonders gefährdet sind. © Bodo Marks/ dpa-tmn

Für die meisten Frauen ist die Geburt des eigenen Kindes einer der beeindruckendsten Tage ihres Lebens. Doch wegen des Coronavirus wachsen die Befürchtungen der Schwangeren vor der bevorstehenden Geburt.

Der Chefarzt des Castrop-Rauxeler St.-Rochus-Hospitals, Dr. Michael Glaßmeyer will für Beruhigung sorgen. „Wir halten uns an die Empfehlung der deutschen Fachgesellschaft für Gynäkologie und Frauenheilkunde. Aber an der Geburt an sich ändert sich eigentlich nichts.“

Eine Begleitperson ist erlaubt - ansonsten herrscht Besuchsverbot

Jede Schwangere darf zu ihrer Entbindung eine Person mit in den Kreißsaal nehmen. Ob das der Vater des Kindes, die eigene Mutter oder eine Freundin ist, spiele keine Rolle.

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Wer bei der Geburt dabei ist, darf nach der Entbindung mit ins Familienzimmer kommen und dort bleiben. Momentan ist das für die Kliniken sogar einfacher zu organisieren: Da sogenannte Wahloperationen wegen Corona in den Krankenhäusern nicht durchgeführt werden, gebe es neben den drei regulären Familienzimmern auch die Ein- und Zweibettzimmer auf der Station, die Familien nutzen können. Damit sie zusammenbleiben und so wenig Kontakte zu anderen haben wie nur möglich“, sagt Glaßmeyer.

Dr. Michael Glaßmeyer, Chefarzt im Rochus, erklärt, was bei Geburten während der Coronakrise wichtig ist.

Dr. Michael Glaßmeyer, Chefarzt im Rochus, erklärt, was bei Geburten während der Coronakrise wichtig ist. © Sandra Heick (Archiv)

Das strenge Besuchsverbot, das alle Klinken verhängt haben, gilt aber auch nach Geburten. „Jeder vermiedene soziale Kontakt ist ein guter sozialer Kontakt“, sagt Glaßmeyer.

Wie der Gynäkologe berichtet, stoße er damit mittlerweile auch auf Verständnis. Man müsse den Menschen das gar nicht mehr erklären, die Einsicht sei groß und Massenauftritte bei Geburten gebe es momentan nicht mehr.

Was neben einer ruhigeren Atmosphäre auch noch dazu führe, dass es generell sauberer sei als vorher: „Das ist klar, wenn statt 14 Personen nur noch 4 hier sind, ist es hygienischer.“

Glaßmeyer: „Kinder kommen zum Glück genau so wie immer.“

Besondere Vorsichtsmaßnahmen gibt es aber trotzdem. Das gesamte Personal - Hebammen, Pfleger, Schwestern oder Ärzte - achtet darauf, sich selbst sowie Räume, Geräte und Utensilien zu desinfizieren.

Die Geburt an sich laufe dann völlig normal ab. „Die Kinder kommen zum Glück genauso wie immer“, sagt Glaßmeyer. Geburten seien schon immer etwas gewesen, bei dem besonders hygienisch gearbeitet wurde.

„Man hat dort mit Körperflüssigkeiten zu tun. Desinfektion und Kleidungswechsel sowie medizinische Masken gehören schon immer dazu“, erklärt Glaßmeyer. Außerdem, ergänzt er, gebe es Infektionen, die für eine Schwangere deutlich schlimmer seien als Corona, wie zum Beispiel Röteln.

Nach der derzeitigen Datenlage gehören Schwangere nicht zu den gefährdeten Personen und können das Coronavirus, so lange sie nicht vorerkrankt sind, gut verkraften, ebenso wie ein Neugeborenes. „Auch stillen können die Mütter. Wenn nicht aus eigener Kraft, dann sollen sie abpumpen. Das gibt wichtige Antikörper für den Säugling“, sagt der Chefarzt.

Schwanger und mit Covid-19 infiziert stellt bisher kein Problem dar

Falls eine schwangere Patientin von dem Virus betroffen sei oder der Verdacht auf eine Infektion bestehe, dann hat das Krankenhaus auch dafür schon vorgesorgt. Die Patientin wird mit entsprechendem Mundschutz umgehend in einen speziellen Kreißsaal gebracht. Der steht nur für diesen Fall bereit. „Das ist natürlich der, der am einfachsten wieder zu reinigen ist - und nicht ein Wasserkreißsaal“, so Dr. Glaßmeyer.

Nach der Entbindung bekäme die Patientin ein Einzelzimmer und müsse außerhalb dieses Zimmers immer eine Schutzmaske tragen. Ihr Neugeborenes darf sie aber bei sich haben.

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