Er kam als Herr Pastorin: Paulus-Gemeinde verabschiedet Pfarrer Hensel und Küster „Fiete“

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Zwei verdiente Mitarbeiter gehen in der Paulus-Kirchengemeinde Castrop-Rauxel in Rente. Im Porträt: Was Pfarrer Hensel ausmachte und warum Küster Hamelmann sich Lebensträume erfüllen will.

Castrop-Rauxel

, 25.10.2019, 11:55 Uhr / Lesedauer: 3 min

In einem Gottesdienst am Reformationstag, Donnerstag, 31. Oktober, um 19 Uhr, verabschiedet die Paulus-Kirchengemeinde Castrop-Rauxel ihren Pfarrer Martin Hensel (*1956 in Wanne-Eickel) und ihren Küster Friedhelm „Fiete“ Hamelmann. Die Entpflichtung von Pfarrer Hensel übernimmt Synodalassessor Arno Wittekind, selbst Pfarrer in der Paulus-Gemeinde.

„Herr Pastorin“: So kam Martin Hensel in die Gemeinde

Mehr als 30 Jahre war Martin Hensel in Castrop-Rauxel tätig. Nach Theologiestudium in Bochum, Vikariat – der praktischen Ausbildung zum Pastor – in Recklinghausen-Süd und „Hilfsdienst“ in der Kirchengemeinde Holsterhausen ist er zunächst als „Herr Pastorin“ nach Castrop-Rauxel gekommen, wo seine Frau Ulrike Pfarrerin war.

Später teilten sich die beiden dann die Pfarrstelle, bevor Ulrike Hensel in die Beratungsstelle für Ehe-, Partnerschafts- und Lebensfragen des Kirchenkreises Herne wechselte.

Sein Schwerpunkt war die Jugendarbeit

1989, vor genau 30 Jahren, übernahm Martin Hensel dann die Pfarrstelle, in der er sich schwerpunktmäßig um die Jugend kümmerte. „Im Zentrum stand das Meeting im Gemeindehaus an der Luisenstraße samstagabends mit einem Gottesdienst, in dem es darum ging, die Verbindung der Jugendlichen zu Jesus Christus zu stärken“, so Hensel.

In Spitzenzeiten seien bis zu 180 Jugendliche gekommen, „rund 80 bis 100 waren immer da.“ Warum so viele gekommen sind, sei Hensel häufiger gefragt worden. Seine einfache Antwort: „Wir lieben die Jugendlichen und die merken das.“

Sind die Jugendlichen von einst noch heute dabei?

Ob sie alle am Glauben festgehalten haben, vermag der scheidende Pfarrer nicht zu sagen. „Aber ich lege meine Hand dafür ins Feuer, dass sich keiner von denen eine Glatze rasiert und Ausländer jagt.“ Die Jugendarbeit habe letztlich dem Gemeindeaufbau gedient.

Am Sonntag waren die meisten Jugendlichen auch im Gottesdienst in der Lutherkirche, wo sich die ganze Gemeinde versammelte. Gerade in den 1990er Jahren seien die Besucherzahlen stetig gestiegen, was Martin Hensel darauf zurückführt, dass sich in der Zeit die Gemeindearbeit durch die Schwerpunkte seiner Kollegen Hans-Jürgen Knipp (Familien und Kinder) und Martin Pogorzelski (Erwachsene) perfekt ergänzte. „Es gab kein Konkurrenzdenken zwischen uns – letztlich ging es uns allen um eine lebendige Gemeinde, in der alle Generationen ein Zuhause finden können.“

Gänse, Enten, Schafe im Gemeindegarten

Ein Bild für diesen Blick auf die Gemeinde fanden Jugendliche und alle anderen Besucherinnen und Besucher des Gemeindehauses an der Luisenstraße im dortigen Garten: Gänse, Enten, Schafe und Hühner tummelten sich da – „und alle blieben unter sich, bis das Futter auf die Wiese gestreut wurde, da kamen alle zusammen, wie die verschiedenen Gemiendegruppen im Gottesdienst.“ Weitere Highlights seien die Sommerfreizeiten nach Dänemark oder Schweden und die Konfirmandenfreizeiten gewesen.

Hier kam Fiete Hamelmann in den letzten Jahren als Koch mit und trug immer zur guten Atmosphäre bei. Zwischen den beiden ist eine Freundschaft entstanden, weshalb sie sich den gemeinsamen Abschied gewünscht hatten.

„Endlich keine Termine mehr!“

Martin Hensel freut sich auf seinen Ruhestand. „Das Wort ‚Entpflichtung‘ gefällt mir in diesem Zusammenhang richtig gut“, sagt er. „Endlich habe ich keine Termine und Verpflichtungen mehr!“

Was ihm fehlen wird? „Ich habe immer schon eine Viertelstunde vor Beginn des Gottesdienstes im Talar vor der Kirche gestanden um die Leute zu begrüßen und ihnen ein Lächeln aufs Gesicht zu zaubern; das wird mir sehr fehlen.“ Hier habe es viele intensive Gespräche gegeben.

Das Schlimmste für ihn: Wenn Kinder starben

Das Schlimmste in seinem Dienst seien Beerdigungen von Kindern oder Jugendlichen gewesen. „Davon gab es in den letzten Jahren einige, und das lässt einen nicht los“, so Hensel. Dankbar sei er vor allem dafür, dass ihn die Menschen in der Gemeinde „akzeptiert haben, wie ich bin, und meinen Dienst in ihren Gebeten getragen haben.“

Das Ehepaar Hensel wird in Castrop-Rauxel wohnen bleiben. Die beiden freuen sich auf ihre gemeinsame Zeit – auch mit ihren beiden erwachsenen Töchtern –, die ihnen der Ruhestand schenkt. Martin Hensel freut sich auf mehr Musikmachen, ausgedehnte Hundespaziergänge und Segeltörns.

Wie Küster Hamelmann die Gemeindearbeit stärkte

Das Segeln habe ihm Fiete Hamelmann beigebracht, der aus gesundheitlichen Gründen aufhört zu arbeiten. Leicht ist ihm dieser Schritt nicht gefallen, hat er doch sehr gerne, mit viel Liebe und Engagement seinen Dienst in über 25 Jahren in der Kirchengemeinde verrichtet.

Zu Beginn lag der Schwerpunkt seiner Arbeit im Gemeindehaus Dorf Rauxel, wo er sich auch ehrenamtlich in das Gemeindeleben einbrachte, zum Beispiel in der „Spätschicht“, einem Abendgottesdienst mit anschließendem gemütlichen Beisammensein.

Später erweiterte sich aufgrund der knapper werdenden Finanzmittel sein Arbeitsbereich, und so wurde er zuständig für die Lutherkirche und das Wichernhaus. Er gilt als freundlich, hilfsbereit und stets ansprechbar in der Gemeinde.

Er erfüllt sich Lebens-Träume

Die Gemeinde ist traurig, versteht aber, dass Fiete Hamelmann sagt: „Ich bin im Moment einfach nur froh, dass ich lebe.“ Seine Krebserkrankung habe dazu geführt, dass er sich seine Wünsche, soweit es möglich ist, einfach sofort erfülle. Dazu gehörte auch im September eine Mini-Kreuzfahrt nach Oslo.

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