Erbstück geraubt: Angeklagte waschen ihre Hände in Unschuld

mlzLandgericht Bochum

In der Altstadt von Castrop-Rauxel werden zwei junge Männer überfallen und ausgeraubt. Dabei war auch ein Messer im Spiel. Jetzt stehen zwei der mutmaßlichen Täter vor Gericht.

Castrop-Rauxel

, 18.08.2019, 05:55 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ey, bleibt mal stehen!“ Mit diesen Worten soll alles begonnen haben. Vor anderthalb Jahren wurden in der Altstadt von Castrop-Rauxel zwei junge Männer überfallen. Jetzt stehen die mutmaßlichen Täter in Bochum vor Gericht. Mit dem Raub wollen sie allerdings nichts zu tun haben.

Es war der 17. Mai 2018 gegen 16 Uhr. Die späteren Opfer waren einfach nur durch die Stadt gelaufen, als sie plötzlich angehalten wurden. Danach ging dann alles ganz schnell. Einem wurde ein Messer (Klingenlänge 20 Zentimeter) vor den Bauch gehalten, dem anderen eine Goldkette vom Hals gerissen. Angeblich ein Erbstück des Vaters. Wert: rund 800 Euro. Außerdem wurden eine Uhr (300 Euro) und eine Sonnenbrille (400 Euro) erbeutet.

Auf sieben Schulen und keinen Abschluss

Einer der Angeklagten konnte später identifiziert werden. Er ist 19, kommt aus Bochum und ist den Behörden seit der Kindheit bekannt. Er war auf sieben verschiedenen Schulen, hat nie einen Abschluss gemacht und stand auch schon viermal vor Gericht. Die letzte Verurteilung stammt aus Mai 2019. Da war er wegen Drogenhandels und Waffenbesitzes zu anderthalb Jahren Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem hatten die Richter ihm aufgegeben, bis Mitte August 250 Sozialstunden abzuleisten – also bis jetzt. Geschafft hat er etwas mehr als 30.

Dass er damals in Castrop-Rauxel dabei war, will der 19-Jährige gar nicht bestreiten. „Ein Messer habe ich aber nicht gesehen“, sagte er den Richtern. Und auch mit dem Raub habe er nichts zu tun. „Ich stand einfach nur dabei.“ Was genau passiert sei, wisse er gar nicht mehr.

„Was ich den ganzen Tag mache? Playstation."

Und wer die anderen beiden waren? „Die kenne ich nur vom Sehen. Das sind auf jeden Fall nicht meine Freunde.“ Er habe sie damals durch Zufall getroffen und sei mit ihnen durch die Stadt gezogen. „Dann ist das halt passiert.“

Auch der 21-jährige Mitangeklagte will mit der Tat nichts zu tun haben. Obwohl die Täterbeschreibung auf ihn passen könnte, sagte er den Richtern: „Ich weiß überhaupt nichts von der Sache.“

Für den 19-Jährigen geht es vor Gericht nun um alles. Sollte er für den Straßenraub verurteilt werden, wird auch die Bewährungsstrafe widerrufen. Dann könnten am Ende vier oder mehr Jahre Jugendhaft auf dem Papier stehen.

Doch auch sonst sieht die Bewährungshilfe, die sich zurzeit um den 19-Jährigen kümmert, die Zukunft nüchtern: „Ihm fehlt über Jahre hinweg eine Tagesstruktur“, hieß es vor Gericht. „Auch wenn der Wille manchmal da ist, fällt er gerne wieder in seinen alten Trott zurück.“ Wie der aussieht, sagte der 19-Jährige den Richtern selbst. Auf die Frage, was er denn den ganzen Tag mache, antwortete er: „Ich bin zu Hause. Playstation.“

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