Erfahrungsbericht: Hausbau endete fast in der finanziellen Katastrophe

Hausbau

Unser Autor hat gebaut. Das wäre fast zur finanziellen Katastrophe geworden. Weil er blauäugig an die Sache ging. Lesen Sie seine Erfahrungen, ehe Sie sich in das Abenteuer Hausbau stürzen.

Dortmund, Castrop-Rauxel

, 17.03.2021, 17:55 Uhr / Lesedauer: 4 min
So sah das Haus am Tag des Einzugs aus. Fertig kann man das nicht nennen. Der Autor und Bauherr aber war mit den Nerven fertig.

So sah das Haus am Tag des Einzugs aus. Fertig kann man das nicht nennen. Der Autor und Bauherr aber war mit den Nerven fertig. © Thomas Schroeter

Wenn man ein Haus baut, kann man was erzählen. Meistens über Ärger. Entweder mit Handwerkern oder mit der Bank oder mit der Baufirma. Es gibt kleinen und großen Ärger. Wir hatten Ärger mit unserem Architekten. Wobei das Wort Ärger hier sogar untertrieben ist. Wir standen vor der Katastrophe.

Dabei fing damals alles ganz harmlos und hoffnungsfroh an, wie das bei Hausprojekten ja oft der Fall ist. Wir waren Anfang 30, hatten zwei kleine Kinder und rechtzeitig mit Bausparverträgen angefangen. Klar, das Eigenkapital hätte höher, die Bauzinsen dafür niedriger sein können. Aber wir waren optimistisch, das Projekt stemmen zu können. Wir waren jung. Und blauäugig.

Tolle Baupläne blendeten uns

In einer Wohnzeitschrift hatten wir ein Hausprojekt gesehen, das schön und bezahlbar war. Der Architekt, der das verwirklicht hatte, war angegeben. Wir schrieben ihn an, schilderten unsere Ideen und unseren finanziellen Rahmen. Ob er dafür unser Wunschhaus bauen könne, wollten wir erst einmal wissen.

Könne er. Gar kein Problem, so antwortete er uns. Also trafen wir uns mit ihm.

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Nicht in seinem Büro, sondern bei uns zu Hause. Das sei besser, dann könne er uns besser kennen lernen. Der Mann war nett, hatte tolle Ideen. Also machten wir Nägel mit Köpfen, schlossen kurz danach den Architektenvertrag ab.

Das Grundstück hatten wir schon gefunden, dem Haustraum schien nichts mehr im Weg zu stehen. „Kinder, das hört sich zu gut an, um wahr zu sein. Erkundigt euch, lasst euch Auskünfte über den Mann geben“, warnte ein Verwandter aus dem Baugeschäft.

Das hielten wir für übergriffig, wir wollten schließlich kein Misstrauen zwischen uns und dem Architekten gleich zu Beginn. Außerdem gab es ja dieses Haus in der Wohnzeitschrift, und der Architekt war Mitglied in einem recht elitären Architekten-Bund. Das sprach doch für sich. Dachten wir.

Erste Rate lieber als Barscheck

Spätestens, als der Mann seine erste Rate nicht per Überweisung, sondern lieber per Barscheck haben wollte, hätten wir stutzig werden müssen. Aber die Pläne, die er uns lieferte, waren zu toll. Und so stürzten wir uns in einen Nervenkrieg ungeahnten Ausmaßes.

Die Pläne des Architekten waren toll, innovativ, stimmig. In der Umsetzung aber wurde der Hausbau zum Ärger ohne Ende.

Die Pläne des Architekten waren toll, innovativ, stimmig. In der Umsetzung aber wurde der Hausbau zum Ärger ohne Ende. © Schroeter

Denn so toll die ersten Pläne auch waren: Nichts hatte Hand und Fuß, die Unterlagen für das Bauamt kamen viel zu spät, der Mann war immer nur schlecht zu erreichen (Handy gab es noch nicht).

Dann aber wurden die Probleme drängender. Es stellte sich heraus, dass Gewerke entgegen der Zusagen gar nicht vergeben waren. Dachdecker? Hatten wir nicht. Estrichleger? War nicht beauftragt. Wir hätten den Vertrag jetzt längst kündigen können, aber für den angefangenen Bau einen neuen Architekten finden? Aussichtlos.

Erschöpft und befreit von allen Illusionen

Der Mann machte uns weitere Versprechungen. Ja, das sei unglücklich gelaufen, aber er bemühe sich, übernehme auch einen Teil der Kosten, die längst über unser Budget hinaus gingen. Wir finanzierten nach, suchten selbst Handwerker, legten mit Hand an, organisierten, telefonierten, lebten nur noch für den Bau.

Als vom Architekten beauftrage Handwerker dann auch noch versuchten, aus unserer Drucksituation Kapital zu schlagen, fanden wir uns vor Gericht wieder. Hier bekamen wir zu unserer riesigen Erleichterung zu 100 Prozent Recht. Und zogen dann irgendwann nach über einem Jahr Bauphase in unser nicht ganz fertiges Haus, körperlich und mental erschöpft und befreit von allen Illusionen. Nie wieder! Das schwor ich mir damals.

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Ratschläge und Hinweise dringend beachten

Wer solche blauäugig begangenen Fehler beim Hausbau mit einem Architekten vermeiden will, der sollte die folgenden 7 Ratschläge und Hinweise dringend beachten:

1. Nicht blenden lassen

Die Architektenkammer Nordrhein-Westfalen listet in ihrer Online-Datenbank über 30.000 Architekten auf. Wie in jedem Beruf gibt s auch hier engagierte, tolle, zugewandte Menschen, aber es gibt eben auch Blender und Graupen. Lassen Sie sich nicht blenden nur von tollen Entwürfen. Letztlich kommt es auf die Kalkulation an. Und die muss stimmen.

2. Rechnen Sie die Kosten ein

Die Vergütung des Architekten leitet sich aus der Honorarverordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) ab. Diese berechnet einen festgelegten Prozentsatz pro Leistungsphase. Als Faustregel für das Honorar des Architekten können etwa 13 Prozent der Kosten des Gebäudes angesetzt werden. Das muss in die Kalkulation einfließen.

3. Lassen Sie nachrechnen

Leistungsumfang und Vergütung für den Architekten müssen ausführlich besprochen und im Vertrag festgehalten werden. Prüft ein Experte oder Sachverständiger die Verträge vorab, dann gibt das zusätzliche Sicherheit. Als Bauherr sollte man vor allem in der Planungsphase regelmäßige Termine mit dem Architekten einplanen und darauf bestehen, dass alle Pläne freigegeben werden müssen.

4. Echte Referenzen sind wichtig

Sollten Sie sich dazu entscheiden, einen Architekten für Ihr Projekt zu suchen, gibt es diverse Möglichkeiten, um die Kompetenz eines Architekten einzuschätzen. Ein erfahrener Architekt wird Ihnen neben Referenzobjekten auch Zugang zu Referenzbauherren ermöglichen. Darüber hinaus sollte ein guter Architekt über ein weitreichendes Netzwerk von Statikern, Gutachtern und Bauunternehmern verfügen.

5. Überprüfen Sie den Vertragspartner

Mit einer Unternehmens-Auskunft der Schufa gewinnen Sie vorab Sicherheit bei der Wahl Ihrer Geschäftspartner – vom Architekten bis zu den Handwerkern. Sie reduzieren so das Risiko finanzieller Verluste durch den Ausfall einer Ihrer Partner. Eine solche Auskunft kostet um die 30 Euro, kann aber viel Ärger verhindern

6. Es dürfen auch zwei Architekten sein

Es gibt Architekten, die weder besonders kreativ noch allzu günstig sind, aber mit viel Bauerfahrung glänzen. Ein Architekt, der seine Baustelle im Griff hat und in der Bauausführung alle Zügel in der Hand hält, ist der beste Garant für eine gelungene Bauausführung. Es ist durchaus denkbar, zwei unterschiedliche Architekten für den Entwurf und die Bauüberwachung zu beauftragen. Alles Vertragssache.

7. Hören Sie auf Empfehlungen

Wie überall im Leben: Gute Erfahrungen sind wichtig. Darum sollte man auch bei der Architekten-Auswahl auf Empfehlungen setzen. Haben Freunde gute Erfahrungen gemacht? Haben Handwerker im Bekanntenkreis Tipps für die Zusammenarbeit mit einem bekannten Architekten? Holen Sie sich jeden Tipp ab, den Sie bekommen können. Denn die Erfahrung anderer kann Sie vor eigenen bösen Erfahrungen schützen.

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