Erreichen wir die 50er-Schwelle? Modellrechnung zu Corona-Massentests

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Nach den Massentests in der Belegschaft, die bei Westfleisch in Oer-Erkenschwick arbeitet, fürchten viele im Kreis Recklinghausen die Testergebnisse. Wir schauen auf mögliche Werte und Folgen.

Kreis Recklinghausen

, 12.05.2020, 11:25 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Kreis Coesfeld ist bundesweit in die Schlagzeilen geraten. Grund: In der Kreisstadt des großen Flächenkreises gibt es ein Werk von Westfleisch, in dessen Belegschaft von Werks- und Werksvertrags-Arbeitern das Coronavirus ausgebrochen ist. Es gibt inzwischen mehr als 100 Infizierte aus diesem Kreis. Und nach Komplett-Tests in den Belegschaften drohen weitere schlechte Nachrichten.

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Das hat in dieser Woche Auswirkungen auf den gesamten Münsterland-Kreis. Denn die Schwelle von 50 Neuinfektionen binnen sieben Tagen auf 100.000 Einwohner ist nun doppelt überschritten. Das hat zur Folge, dass die Kreisverwaltung in dieser Woche im ganzen Kreis die Lockerungen ausgesetzt hat, die ansonsten überall in NRW gelten.

Ein weiteres Westfleisch-Werk liegt in Oer-Erkenschwick. Auch da arbeiten über 1000 Mitarbeiter in der Fleischverarbeitung. Auch sie sind oft in Unterkünften untergebracht, wo sie in engen und hygienisch heiklen Verhältnissen wohnen. Sie wurden auch alle auf Corona getestet. Denn Infektionen sind auch hier schon bekannt. Die Stadt liegt im Kreis Recklinghausen. In dieser Woche werden die Ergebnisse der Tests wohl auch hier die Statistik beeinflussen.

Aber wie stark? Droht uns das Coesfeld-Szenario?

Nein. Aus mindestens zwei Gründen:

(1) Der Kreis Recklinghausen hat fast dreimal so viele Einwohner wie der Kreis Coesfeld. Hier sind es rund 615.000, im Kreis Coesfeld rund 220.000. Das bedeutet, dass singuläre Infektions-Ereignisse nur ein Drittel so heftig durchschlagen wie im Kreis Coesfeld.

Ein Rechen-Beispiel: Gibt es 100 Neuinfizierte zusätzlich an einem Tag, weil die Tests in Oer-Erkenschwick das ergeben, dann steigt die Quote von derzeit 15 um 15 Punkte auf etwa 30. Das hieße von heute aus gerechnet: Der Kreis Recklinghausen könnte sich einen Tag mit 200 zusätzlichen Neuinfizierten leisten und läge immer noch knapp unter der 50er-Schwelle. Die durchschnittliche Zahl von Neuinfektionen ohne besondere Einzelereignisse im Kreis Recklinghausen schwankt seit Anfang Mai zwischen 10 und 20. Am Montag (11.5.) stieg sie erstmals wieder über 20 (24). Am Dienstag (12.5.) sank sie direkt wieder auf 3.

(2) Das Landes-Gesundheitsministerium hat klar gestellt, dass auch bei Erreichen der 50er-Schwelle nicht nach dem Gießkannenprinzip alles blind zurückgenommen würde, was gelockert wurde. Der Plan sei, gemeinsam mit Bezirksregierung, vor allem aber Kreis und Kommune gezielte Maßnahmen zu finden, die sich eignen, singuläre Testereignisse in den Griff zu bekommen. Eine Lockerungs-Rücknahme droht offenbar nicht.

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