Mit Baustellen hat der EUV so seine Probleme. Und aus dem Elend mit dem Altstadtmarkt nichts gelernt. © picture-alliance/ dpa
Meinung

EUV-Baustellenmanagement in Castrop-Rauxel bleibt eine Katastrophe

Aus Erfahrung wird man klug, so der Volksmund. Dann hat der EUV offenbar keine Erfahrung, so der Autor dieser Zeilen. Denn das Baustellenmanagement in Castrop-Rauxel bleibt eine Katastrophe.

Den Rekord für die längste Bauzeit aller Zeiten soll angeblich der Kölner Dom halten. Unschlagbare 632 Jahre dauerte der Bau der Kirche. Am 15. August 1284 legte der Erzbischof von Köln den Grundstein für die Kathedrale. Erst 1880 fand der Bau seine Vollendung. Zwischendurch gab es allerdings einen knapp 300-jährigen Baustopp.

Dagegen sind Dauerbaustellen unserer Tage fast Peanuts, um einen ehemaligen Vorzeige-Bänker zu zitieren. Sogar der Berliner Hauptstadtflughafen ist eines Tages fertig geworden, die Elbphilharmonie hat ihren Betrieb aufgenommen und auch der Bahnhof Stuttgart21 soll fertig werden. Aber wohl erst 2024. Mit etwas Glück.

EUV ist noch im Babyalter der Baugeschichte

Und so befindet sich der Stadtbetrieb EUV mit seinen aktuellen Baustellen in Sachen Bauzeit-Überschreitung quasi noch im Babyalter der Baugeschichte. Was den Umstand an sich aber nicht wirklich erträglicher macht, dass der Stadtbetrieb wieder einmal Bauzeiten angegeben hat, die mit der Realität offenbar so gar nichts zu tun haben.

Gegenstand des Unmuts sind gerade die Baustellen für den Landwehrbach an der Schillerstraße und für die Sanierung des Krickestegs. Eine Brücke, die die Welt eigentlich nie brauchte, als sie 1995 gebaut wurde, die quasi kaum ein Mensch jemals nutzt und die jetzt nach gerade einmal 25 Jahren für viel Geld repariert wird, um danach wieder nicht gebraucht zu werden. Aber um Sinn oder Unsinn dieser Fußgängerbrücke vom Einkaufszentrum Widumer Tor zum Erinpark soll es hier gar nicht gehen.

Es geht vielmehr um das Baustellenmanagement des EUV. Da hatte man eigentlich gedacht, dass man aus den mittleren Katastrophen, die der Umbau des Castroper Marktplatzes gebracht hatte, gelernt hätte. Seinerzeit hatten sich nicht nur Anlieger des Marktes, also speziell Kaufleute und Gastronomen, über die zähe Bauausführung und die zum Teil mangelhafte Kommunikation in Sachen Baustellenplanung und Verkehrsführung zu Recht aufgeregt.

Auch die dann erfolgte semioptimale Ausführung der Pflasterarbeiten (die diverse Nacharbeiten erforderlich machten) und die Auswahl des offensichtlich sehr empfindlichen Pflastermaterials hatten dem zuständigen Stadtbetrieb böse Wort und viel Spott eingebracht.

Man nennt das Erfahrungslernen

Aus solchen Erfahrungen ziehen Menschen gemeinhin Schlüsse. Man nennt das Erfahrungslernen. Erfahrung lehrt einen unter anderem, dass es bei quasi jeder Bauausführung zu Verzögerungen kommen kann. In der Hinsicht könnte man sich auf dem kleinen Dienstweg mal beim Ersten Beigeordneten Michael Eckhardt erkundigen, der das vor langer Zeit bei der Sanierung der „Wundertüte Hallenbad“ als zuständiger Verwaltungsmann bitter erlernen musste.

Der EUV jedoch scheint solche Unwägbarkeiten bisher nur durch Hörensagen zu kennen. Anders ist es einfach nicht zu erklären, dass man sowohl beim Krickesteg als auch bei der Baustelle, die man Ende September an der Schillerstraße aufgemacht hat, die Bauzeiten so blauäugig berechnet zu haben scheint, dass sie keinerlei (übliche) Verzögerungen einkalkulierten.

Jetzt, wo aus ein paar Tagen Schließung Schillerstraße 15 Monate zu werden scheinen, schreibt der EUV, dass es beim Tiefbau „Unwägbarkeiten“ gebe. Ja, war das denn niemandem der planenden, leitenden oder denkenden Herren und Damen dort VOR Beginn der Bauarbeiten geläufig? Hätte man nicht einfach mal vorsichtiger Weise VOR der Information der Öffentlichkeit darüber nachdenken können, was da passieren könnte? Und das gilt auch für den Krickesteg. Auch wenn es da keine Tiefbau-Unwägbarkeit ist.

Und dann, wenn klar wird, dass es Verzögerungen gibt: Was tut man? Informiert man von sich aus offensiv die Öffentlichkeit? Ach was. Das werden die Menschen schon mitkriegen, denkt man sich offenbar am Westring. Sorry, das muss besser werden.

Über den Autor
Castrop-Rauxel und Dortmunder Westen
1961 geboren. Dortmunder. Jetzt in Castrop-Rauxel. Vater von drei Söhnen. Opa. Blogger. Interessiert sich für viele Themen. Mag Zeitung. Mag Online. Aber keine dicken Bohnen.
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Thomas Schroeter

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